Hinweisschild zur Abstandesregelung am Schultor des Berliner Käthe-Kollwitz-Gymnasiums im Stadtteil Prenzlauer Berg; © imago-images/T. Seeliger
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Schule nach den Sommerferien? - Macht die Schulen auf! Verdammt!

In vielen Bundesländern bereitet man sich auf den regulären Schulbetrieb vor. Auch in Brandenburg. In Berlin nicht. Weil in Berlin irgendwie immer alles anders ist? André Bochow meint: Macht die Schulen auf!

Wissen Sie, wo Lehrer in Krisenzeiten einfach abtauchen können? Wo sie aus dem Leben ihrer Schüler verschwinden? Obwohl sie gesund sind? Ich gebe einen kleinen Tipp: Es ist in demselben Stadtstaat, in dem Schulanfänger eine Woche nach Schulbeginn ihre Zuckertüten über den Hof schleppen. Es ist in jener Fast-Vier-Millionen-Metropole, in der es Grundschullehrern immer noch freisteht, Schreiben nach dem Gehör zu unterrichten, in der Bildungssenatoren idiotische Reformen durchgeprügelt haben, die dann von den Nachfolgern zurückgenommen wurden. Ja, so ist das in Berlin.

Engagierte Lehrer verzweifeln
Es war schon vor Corona ein Graus. Chancengleichheit? Pustekuchen in der rot-rot-grünen Hauptstadt. Viele engagierte Lehrer verzweifelten und verzweifeln an der zuständigen Senatsverwaltung, an ihren eigenen Kollegen und an dem Berliner Zweig der GEW – der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft. Denn wenn es sich darum dreht, noch einen Weiterbildungstag herauszuschinden, der selbstverständlich nie, niemals, in den Ferien liegen kann, dann ist die GEW dabei. Aber sobald es um das Eigentliche, um den Unterricht und um die Schüler geht, dann weht die GEW-Fahne an der Spitze aller Bedenkenträger.

"Alles tun" vs. "geht nicht"
In Brandenburg verkündet die Bildungsministerin, dass man alles tun werde, damit der reguläre Schulbetrieb nach den Ferien wieder aufgenommen werden kann. In Berlin wurde die zuständige Senatorin seit der Erstellung des Musterhygieneplanes kaum noch gesehen. Dafür meldet sich – na wer wohl? zu Wort – na klar, die GEW. Und raten Sie mal, was die Gewerkschafter zum regulären Schulunterricht zu sagen haben. Ja genau: Geht nicht. Kann man nicht machen. Warum nicht? Weil es 20 Prozent vorerkrankte Lehrer gibt. Und überhaupt fehle es an Personal. Aha. Und was schlägt die GEW vor? Nichts! Und es würde die Gewerkschaft offenbar nicht im Geringsten stören, wenn Berlin das einzige Bundesland wäre, das im Homeschooling bleibt, bis der Covid19-Impfstoff da ist.

Sommerschulen statt Ferienbetreuung
Aber man kann nicht behaupten, dass Berlin gar keine Ideen hat. Es werden Sommerschulen angeboten. Für Schüler, die in Armut aufwachsen und keine Unterstützung durch erwachsene Bezugspersonen bekommen. Dass diese Kinder in den Ferien zum Unterricht kommen, glaubt höchstens Frau Scheeres. In Brandenburg werden Kinderbetreuungsangebote in den Ferien unterbreitet. Damit Eltern mal wieder vernünftig arbeiten können.

Davon könnte man lernen. Aber mit dem Lernen hat es Berlin ja nicht so.

André Bochow, rbbKultur

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