Prenzlauer Berg: Mutter mit Kindern; © imago-images/Jürgen Ritter
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Ungleichheit bei den Einkommen von Müttern und Kinderlosen - Mütter Pay Gap: Mütter verdienen deutlich weniger als kinderlose Frauen

Der Gender Pay – also die Ungleichbezahlung von Frauen und Männer – ist ein Evergreen, an dem sich irgendwie nichts zu ändern scheint. Aber es gibt noch eine andere Ungerechtigkeit: den Mütter Pay Gap – die Ungleichheit bei den Einkommen von Müttern und Kinderlosen. Mütter verdienen im Laufe ihres Erwerbslebens bis zu zwei Drittel weniger als kinderlose Frauen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann Stiftung, die gestern veröffentlicht wurde. Ein Umstand, der nicht nur Mütter aufregt. Ulrike Bieritz kommentiert.

Ich habe so die Nase voll davon, immer unter selbige gerieben zu bekommen, dass meine Qualifikation, Arbeit, Leistung weniger wert sind als die von Männern. Wert misst sich in Anerkennung, Lob, Wertschätzung – ja, aber auch am Geld. Also dem, was Frau am Ende auf dem Konto hat. Und da sieht es ziemlich ungleich aus.

Was jede Frau sowieso ahnt, spätestens beim Rentenbescheid sieht, ist nun auch wissenschaftlich belegt: Wer Kinder erzieht, zahlt drauf. Je mehr Kinder es sind, desto teurer ist es, vielmehr desto größer sind die Einkommenseinbußen – Tendenz steigend in den letzten Jahren. Das ist jetzt nicht neu, aber immer noch mehr als ärgerlich, weil sich so gar nichts ändert. Oder eher noch schlimmer wird: Ein Kind bedeutet 40 Prozent Einkommenseinbußen, drei oder mehr bis zu 70 Prozent – aufs Erwerbsleben gerechnet.

Und woran liegt's? Klar – es bleiben immer noch viele Frauen zu Hause, wenn die Kinder kommen und gehen dann in Teilzeit – verdienen ein bisschen dazu – mit den bekannten Folgen.

Corona verschärft das alles noch, denn wieder sind es die Frauen, die erstmal zu Hause bleiben, Kinderbetreuung und Homeschooling übernehmen, erst Überstunden (falls sie überhaupt welche haben) abbauen, dann den Urlaub und jetzt entnervt und erschöpft zu Hause hängen, kein Licht am Ende des Tunnels sehen. Zudem fallen die Berufe, die überdurchschnittlich oft von Frauen ausgeübt werden, der Krise als erstes zum Opfer – ich sag nur Karstadt/Kaufhof-Schließungen.

Mutterschaft wird bestraft, obwohl doch die Gesellschaft Kinder will, die Politik kinderfreundlich sein soll. Für Kinder wird viel getan, das ist auch richtig so. Aber wer tut etwas für Mütter? Kinderlose konnten aufholen in den letzten Jahren bei Bildung, Erwerbstätigkeit und Einkommen.

Ihnen aber das vorzuwerfen, ist genauso falsch, wie Mütter schlechter zu behandeln. Es gibt Frauen, die gerne Kinder hätten, es aber nicht geklappt hat. Es gibt diejenigen, die erstmal im Job durchstarteten und dann war es zu spät. Die beides wollten, Job und Kinder, und gesehen haben, dass das schwierig ist und man an einer Stelle zurückstecken muss und es tun.

Was besonders fies ist: Nur bei Frauen zeigen sich diese Unterschiede – Väter dagegen verdienen in der Regel mehr als kinderlose Männer. Was mich aber wirklich richtig wütend macht: Wir reden schon so lange über geschlechtergerechte Bezahlung, bessere Kita-Betreuung, Elternzeit für Vater und Mutter, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und es ändert sich nur im Schneckentempo irgendetwas und eigentlich – beim Blick in diese Studie – nur in die negative Richtung.

Damit muss Schluss sein: Sogenannte Frauenberufe sind systemrelevant, gehören besser bezahlt, Väter müssen die Hälfte der Betreuung übernehmen. Es braucht nicht nur gute Kinderbetreuung, sondern eine bessere Bezahlung der hauptsächlich von Frauen ausgeübten systemrelevanten Berufe, wie Krankenschwester oder Verkäuferin. Sein eigenes Geld zu verdienen, für die eigene Rente vorzusorgen, muss selbstverständlich sein und sich lohnen.

Kinder zu haben und groß zu ziehen, darf in unserer heutigen Zeit – Juni 2020 – kein Armutsrisiko mehr sein.

Ulrike Bieritz, rbbKultur

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