Kanye West © Ian West/PA Wire/dpa
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- Stars als Politiker - eine gute Idee?

Es könnte eine Überraschung im laufenden US-Wahlkampf werden: Der bekannte Rapper Kanye West hat nun erklärt, auch US- Präsident werden zu wollen. Doch ist es wirklich etwas Neues - oder reiht er sich damit nur ein in die vielen Quereinsteiger, Musiker, Komiker, Schauspieler, die früher oder später in die Politik drängen?

In einer Welt, in der mit Donald Trump ein Reality-TV-Star US-Präsident werden konnte, kann jeder werden, was er will. Das ist tröstlich zu wissen. Man braucht nicht viel Grips, aber viel Narzissmus, um sich auch dann, wenn das Land ums Weiße Haus herum allmählich in die Brüche geht, immer noch für den GröPaz, den größten Präsidenten aller Zeiten zu halten. Wer Politiker sein möchte, darf seither annehmen, er müsse nichts mitbringen als Prominenz, Verblendung und Selbstüberschätzung. So hat das Prinzip Trump weltweit immer mehr Nachfolger gefunden: Ein Komiker in Italien, ein Schauspieler in der Ukraine und Selbstdarsteller aller Orten. Wenn alles, was einem gerade nicht passt, Fake ist, also Fiktion, ist es doch nur logisch, wenn überall gefakte Politiker zum Zuge kommen.

Jetzt hat auch der Rapper, Musikproduzent und Modedesigner Kanye West erklärt, sich für das Amt des US-Präsidenten bewerben zu wollen. Prominenz hat er ja genug und angeblich auch 1,2 Milliarden Privatvermögen, womit auch die zweite Bedingung fürs Präsidentenamt klar wäre: Man sollte zumindest Milliardär sein, dann kann man aus den eigenen Geschäften sehr geschmeidig solche des Staates machen. Leben wir denn nicht in einer großartigen, ja der besten und profitabelsten aller möglichen Welten?

Außerdem sieht West sehr viel besser aus als Trump, und im Erfinder-Guru Elon Musk hat er bereits einen prominenten Fürsprecher gefunden, einen mit noch mehr Geld und Wahnsinn als er selbst. Die Stimmen der schwarzen Bevölkerung hätte er vermutlich auch, und wenn er sich via Twitter auf Gottvertrauen, die Zukunft und eine "einigende Vision" beruft, dann ist das zwar noch kein politisches Programm, aber doch besser als Trumps Tiraden gegen antirassistische Demonstranten.

Allerdings ist West für die Wahlen in diesem Herbst ein bisschen spät dran. Es dürfte also noch vier bis acht Jahre dauern, bevor er seinen Traum wahr machen kann. Als er ganz und gar unbescheiden verkündete: "Es wird eine Zeit geben, in der ich Präsident der USA sein werde", trug er eine rote Trump-Mütze mit der Aufschrift "Make America Great again" – eine Geste, die der GröKüz, der größte Künstler aller Zeiten, dann aber zum "Scherz Gottes" erklärte: Er habe damit bloß die Liberalen ärgern wollen. Merke: Politik ist Showbusiness und dient der eigenen Unterhaltung.

Als Musiker hat West alle Gangsta-Allüren hinter sich gelassen und aus Rap eine saubere, melodiöse Sache gemacht. In der Politik geht es eher anders herum, dass man sauber anfängt und sich dabei schmutzig macht. Aber Trump hat auch da gezeigt, wie die

Umkehrung funktioniert: Alles Fake, alles bullshit, und wenn die Wirklichkeit sich nicht nach den eigenen Ansagen richtet, umso schlimmer für die Wirklichkeit. Wie praktisch, dass West mit dem Reality-Star Kim Kardashian verheiratet ist. Was für eine First Lady! Da darf die gepeinigte Wirklichkeit dann endgültig zum Reality-Format werden.

Jörg Magenau, rbbKultur