Kunstfigur Jilet Ayse (alias Idil Baydar) mit ihrem Standup live im Studio der Abendshow. (Bild: rbb)
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Rechtsradikale Frauenfeindlichkeit 2.0 - Danke für gar nichts, lieber Staat

Eine Anwältin, Politikerinnen, eine Kabarettistin - die einen mit, die anderen ohne Migrationshintergrund, aber alle Empfängerinnen rechtsradikaler Drohschreiben. Und Frauen. Das ist kein Zufall. Anmerkungen zum Verhältnis von rechtsradikaler Gesinnung und Frauenfeindlichkeit von Heide Oestreich.

Eine Kaltfront hat Deutschland überquert. Besonders betroffen waren Frauen. Wie bitte? Ja, denn es regnet Drohmails auf Frauen, gern links wie Janine Wissler und Martina Renner von der Linkspartei oder mit Namen, die türkisch klingen, wie Idil Baydar, die Kabarettistin, oder Seda Basay Yildiz, die Anwältin. Absender: NSU 2.0., mit besonders freundlichen Grüßen der hessischen Polizei. Die Polizei, das ist übrigens der bewaffnete Arm unseres Staates, der uns beschützen soll. Danke dafür, lieber Staat.

Und dann kam noch als zusätzlicher Hagelschlag das Urteil des Thüringischen Verfassungsgerichts: Parität auf den Wahllisten zum Landtag? Frauen und Männer abwechselnd aufstellen? Njet, befanden ausschließlich Männer und kippten das Paritätsgesetz. Die einzige Frau in dem Kreis war für das Gesetz und hat ein Sondervotum verfasst.

Das Verfassungsgericht soll sicherstellen, dass die Verfassung eingehalten wird. Da drin steht in Artikel 3: Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin. Ahja. Aber nicht in Thüringen. Danke! Der Antrag, das Paritätsgesetz einzukassieren, kam übrigens von der AfD.

Dass die Rechten ein Problem mit Frauen haben, ist mittlerweile einschlägig bekannt. Der NSU 2.0 bedroht fast ausschließlich Frauen. Viele rechte Attentäter haben in ihr irres Weltbild einen manifesten Frauenhass eingebaut, oft, weil sie die Zurückweisung ihrer Angebeteten nicht ausgehalten haben. Die AfD möchte den deutschen Mann wieder "mannhaft und wehrhaft" machen, und das heißt natürlich, dass die schwächlichen Damen aus den Führungsämtern zu verschwinden haben. Und falls Sie jetzt an Fraktionschefin Alice Weidel denken: Ja, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Und mein verehrter Staat, der angeblich für Gleichberechtigung ist und die Frauen schützt? Was tut der? Der Innenminister schweigt zum NSU 2.0. Und die Regierungspartei CDU zerredet gerade den nächsten Vorstoß für eine Frauenquote und dürfte sich durch das Thüringer Urteil bestärkt sehen.

Danke für nichts, lieber Staat. Gar nichts. Aber Polarluft war schließlich auch vorhergesagt. Da kann so ein Staat ja nix machen.

Heide Oestreich, rbbKultur

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