Zettel an Kinositzen markieren im Saal 6 des Delphi Lux in Berlin-Charlottenburg die durchschnittliche Sitzbelegung © Sven Braun/dpa
Bild: Sven Braun/dpa

Kinosterben verhindern - Mehr Zuschauer in die Kinos?!

Dass Kinobetreiber sich mehr Zuschauer wünschen, ist klar. Schließlich können Kinos vielerorts unter den geltenden Abstandregeln von 1,50 Meter noch nicht mal die Hälfte ihrer Plätze belegen. In den Landesregierungen wird das unterschiedlich diskutiert. Kulturstaatsministerin Grütters hat sich nun dafür ausgesprochen, die Abstandsregeln in den Kinos zu lockern. Sie will damit das Kinosterben verhindern. Tomas Fitzel kommentiert.

Schlechtes Timing, möchte man meinen. Gerade als das Robert-Koch-Institut die zweite Pandemie-Welle ankündigte, regt Kulturstaatsministerin Monika Grütters an, die Abstandsregeln in den Kinos zu überdenken. Dies wird unverzüglich einen Dominoeffekt auslösen. Alle möglichen anderen Interessensvertreter von Kultureinrichtungen werden sich sofort mit der Frage melden: Warum die, warum nicht auch wir?

Warum nicht auch andere Abstandsregeln im Konzertsaal, im Theater oder z.B. bei Lesungen. Es ist so vieles gelockert worden, nur in den Kulturbetrieben am allerwenigsten ... Das wird schließlich so lange munter weitergehen, bis erneut das Wort von den Lockerungsorgien fallen wird, als strenger Einspruch der Kanzlerin.

Drei Kräfte ziehen da von jeder Seite. Einmal die Ratschläge der Pandemie-Experten, dann die ökonomischen Interessen, die vieles durchsetzten - wie die Wiederaufnahme des Flugverkehrs und Tourismus, weil es da um sehr viel Geld geht, aber mit den gegenwärtigen Folgen der zweiten Welle. Und zu guter Letzt: der gesunde Menschenverstand. Händewaschen ist doch klar. Und auch die Maske hat jedem eingeleuchtet, nur die Experten widersprachen. Sind nicht viele dieser Corona-Vorschriften regelrecht absurd? Gerade weil sie so uneinheitlich sind. Keine Logik zu erkennen ist. Dicht gedrängt und schwitzend in den Bussen des Berliner Ersatzverkehrs für die stillgelegte S-Bahn stehen und niemand kontrolliert, ob alle Masken tragen oder nicht, und dann sitzt man in einem großen Kinosaal ziemlich einsam, da nur in jeder zweiten Reihe auch nur jeder zweite Platz besetzt ist. Dabei wird in Kinos doch nur in ganz seltenen Ausnahmen gesungen.

Man sitzt nur da, bewegt sich nicht, schwitzt daher nicht und hält vor allem den Mund. Daher keine Gefahr von frei flottierenden Aerosolen. Außer es wird heftig gelacht. Also Komödien besser nicht oder Komödien nur mit Maskenzwang. Ist doch eigentlich die Chance für den deutschen Arthouse-Film, weil Corona-kompatibel, da man da ganz still und in sich gekehrt im Kinosessel kauert.

Und da ist unser aller Schwachpunkt, den das Corona-Virus listig erkannt hat: Langeweile. Kurzzeitig vermögen wir uns zwar doch erstaunlich schnell zu disziplinieren und auch anzupassen, aber auf Dauer, wenn wir jeden Tag in den Nachrichten hören, Corona, Corona, Corona, keimt die Lust auf, jetzt schnell einen Witz, eine Pointe, auch als Kommentator, eben etwas Unvernünftiges tun - und schon nimmt man das Thema nicht mehr richtig ernst. Und da schlägt das Virus dann erbarmungslos zu.

Tomas Fitzel, rbbKultur

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