Heide Oestreich (Bild: Karo Krämer)
Bild: Karo Krämer

- Frauen an die Medienmacht!

Wer entscheidet, was in Deutschland in den Zeitungen steht? In den meisten Fällen vor allem Männer - nur bei einem großen deutschen Medium ist das Männer/Frauenverhältnis in der Chefetage 50/50, so eine aktuelle Studie von Pro Quote Medien: Am besten steht die Zeitschrift "Stern" da. 52 Prozent der Macht liegt dort in weiblichen Händen. Ist das immerhin ein Schritt in die richtige Richtung? Oder eigentlich ein Armutszeugnis? Heide Oestreich kommentiert.

Ernsthaft? Der Stern? Ist von Frauen geradezu dominiert? Wer hätte das gedacht. Beim Stern hat man doch eigentlich das Gefühl, dass er es schafft, zu jedem beliebigen Thema - von Ökologie über Rückenschmerzen bis Korruption - eine kaum bekleidete Schönheit auf dem Titel unterzubringen. Der ist nun die Speerspitze der Emanzipation in den deutschen Medien? Nummer zwei, ebenfalls einen Lacher wert, ist der "Spiegel". Wer die Geschichte gerade dieser beiden klassischen Männermedien mitverfolgt hat, der muss schon eine Menge Buddhismus aufbringen, um nicht etwas gallig zu werden.

Den Stern etwa verklagte Alice Schwarzer vor gut 40 Jahren wegen eines blanken Frauenpopos auf dem Titel – vergeblich, natürlich. Und der Spiegel? Kaum eine Geschichte ohne einen männlichen Macherhelden, man roch die Bewunderung des Autors geradezu. PolitikerINNEN dagegen waren erstaunlich oft unfähig, konfus, irgendwie lächerlich.

So, jetzt aber Buddhismus. Ganz im Hier und Jetzt. Denn es hat sich eben etwas geändert. Angela Merkel hat alle Zuschreibungen mit märkischer Gelassenheit ausgesessen. Sie ist oft - und zwar vollständig bekleidet - auf den Stern Titeln zu finden. Und die ehrgeizigen Töchter der alten Frauenbewegung haben sich die Chefetagen angeguckt, und nur gesagt: Alter, noch immer alles voller Männer? Nicht Euer Ernst – oder?

Heute sind die alten weißen Männer derart in die Defensive geraten, dass es schon erste Überlegungen gibt, ihnen Reservate einzurichten. Bisher dachte ich, dass dafür eben jene alten Printmedien vorgesehen wären. Aber die Printzeitungen wollen nun offenbar doch keine Elefantenfriedhöfe sein. Man muss ja auch aktiv werden, denn die Auflagen sinken stetig.

Und – was stellt sich nun heraus: Reservate braucht es gar nicht. Es gibt nämlich auch genug ChefredakteurINNEN, die gern von männlichen Machern schwärmen und Frauen generell nicht so spannend finden. Stereotype lösen sich nicht in Luft auf, nur weil ein paar Frauen mehr Macht haben. Jetzt gibt’s zwar auch mal nackte Männer zum Rückenschmerz-Titel im Stern. Aber da geht’s dann nicht um Schmerzen und Leiden, denn das ist ja was Weibliches. Sondern natürlich um Stärke und Macht. Der Titel dazu heißt dann: "Aufrecht durchs Leben".

Aber - auch das wird wohl einer nächsten Generation irgendwann wieder auffallen, und dann wird es wieder heißen: Nicht Euer Ernst – oder?

Heide Oestreich, rbbKultur

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