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Lust zu lernen - "Homeschooling ist ätzend"

Nächste Woche beginnt das neue Schuljahr. Trotz Corona soll ein bisschen mehr Normalität in die Schulen einkehren. Das heißt, es gibt Regelbetrieb für alle, mit Masken außerhalb des Unterrichts, aber ohne Abstandsregeln. Wir haben die Elftklässlerin Helene Deggau gefragt, mit welchen Erwartungen sie am Montag in die Schule geht und wie sie die lange Zeit des Homeschoolings erlebt hat.

Am Montag beginnt für mich endlich nach 5 Monaten wieder die Schule. Von März bis Juli war ich nur vier Mal da; vier Tage, an denen wir zu zehnt Unterricht hatten. Ansonsten nur Homeschooling.

Für mich ziemlich ätzend, mit Onlineunterricht komme ich ziemlich schlecht klar. Aber was heißt "Unterricht"? Den gab‘s eigentlich gar nicht. Wir haben nur in einem Fach regelmäßig geskypt, in den anderen Fächern bestand das Homeschooling aus super vielen Aufgaben, die wir alleine lösen sollten.

Ich habe zwei Tage an einem Aufsatz für Politik geschrieben, einen Podcast für Ethik aufgenommen, komplizierte Aufgaben für Französisch bearbeitet: ich habe mir Mühe gegeben und alles pünktlich abgeschickt. Nur von den wenigsten Lehrern kam Resonanz. Manche haben mir nicht mal den Eingang bestätigt.

Schultechnisch habe ich in der Corona-Zeit nichts dazugelernt. Chemie, Physik und gerade Mathe habe ich komplett vernachlässigt, was wirklich doof ist, denn ich komme jetzt in die 11. Klasse, da wird sowieso alles schwieriger.

Ich hoffe, dass meine Schule ein Einzelfall war. Von Freunden weiß ich, dass sie drei- bis vier Mal pro Woche Unterricht hatten.

Ich freue mich also auf den Unterricht, der ja - bis darauf, dass wir alle Masken tragen müssen -, ganz wie früher stattfinden soll. Freue mich darauf, meine Freunde wieder zu sehen, auf die ganze Normalität. Ich bin mir aber nicht sicher, wie lange das gut gehen kann.

Mein Vater ist Lehrer, mein Bruder macht ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kindergarten, und ich fahre im Winter mit der U-Bahn zur Schule. Wir befinden uns also täglich in einer Virenschleuder.

Und ich weiß, wie es in der Schule sein wird. So wie immer. Meine Freunde und ich sitzen nah beieinander, berühren uns, teilen uns Brote. Ich weiß zwar, dass man genau das nicht machen sollte, aber Körperkontakt gehört so mit dazu und gerade jetzt, wo alles wieder so normal scheint, vergesse ich manchmal, dass eigentlich nichts normal ist.

Insofern gehe ich nicht wirklich mit gutem Gefühl in die kommende Zeit. Ich vermute auch, dass der Plan der Politiker das Schulleben wieder normal weiterzuführen, nicht lange anhält und alle Schüler sich bald auf Onlineunterricht gefasst machen können. Ich hoffe nur, dass meine Schule dann besser organisiert ist und der Unterricht dann auch stattfindet - ob online oder Präsenz. Denn inzwischen habe ich wirklich Lust etwas zu lernen.

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