Mutter Fourage Hofcafe © imago images/Joachim Schulz
Bild: imago images/Joachim Schulz

rbbKultur-Reihe Kulturorte - Mutter Fourage in Berlin-Wannsee

Er ist unter den "Top 10 Berlin", wenn man eine stimmungsvolle Location für ein Frühstück sucht, der Kultur- und Veranstaltungsort Mutter Fourage in Berlin-Wannsee, genauer: im Ortsteil Stölpchensee. Dort findet man bürgerliche Idylle verbunden mit der Schlichtheit früheren Landlebens. Sigrid Hoff über einen Kulturort im Grünen zwischen Berlin und Potsdam.

Eine Durchfahrt, gesäumt von bunten Pflanzen und Töpfen links und rechts öffnet sich zu einem kopfsteingepflasterten Hof. Stauden, Sträucher und prächtige Terracotta-Gefäße locken auch hier Kunden an. Das Vorderhaus rechts der Durchfahrt ist weiß verputzt, sein einziger Schmuck sind rote Ziegelbänder als Rahmung der Fenster und an den Gebäudekanten.

Gegründet im Jahr 1900

Wolfgang Immenhausen, der Eigentümer des Ensembles, steht im Hof und weist auf das schlichte, weiß verputzte Vorderhaus an der Chausseestraße. Mehl – Fourage – das französische Wort für Futtermittel – Kartoffelhandlung steht in alter Schrift an der seitlichen Fassade. Und das Gründungsdatum des Unternehmens: das Jahr 1900.

Der ganze Hof ist kurz vor der Jahrhundertwende entstanden, seine Vorfahren betrieben hier einen Handel. Sie hatten eine Scheune, die 1924 abgebrannt ist. Dann hat Immenhausens Großvater sich aus Sparsamkeitsgründen eine Scheune mit einem ganz besonderen Dach bauen lassen, mit einem Zollinger-Dach.

Scheune mit besonderem Dach

Wolfgang Immenhausen zeigt an die Decke: "Das ist ein Tonnengewölbe, das wird getragen durch ein Rautenfachwerk, dickere Bretter, die untereinander verbunden sind. Das ist mit ganz billigem Holz gedeckt worden und mit Dachpappe. Die Scheune ist von großer Seltenheit, die Architekten und Ingenieure sind begeistert über dieses wunderbare erhaltene Dach."

Das ist im Sommer unser Konzertraum, hier finden auch Theaterstücke statt, das ist das wichtigste Gebäude auf dem Hof. In einem flachen Nebengebäude rechts, der einstigen Mehlkammer, befinden sich ein Feinkostladen und das Hofcafé. Linkerhand lädt die Kunstgalerie ein, den Wannsee-Maler Philipp Franck zu entdecken.

Mutter Courage im Wortspiel

15 Jahre lang gehörte Wolfgang Immenhausen als Schauspieler zum Ensemble des Gripstheaters, dann zog es ihn zurück nach Stolpe-Stölpchensee. Gemeinsam mit Kollegen und seiner Ex-Frau, einer Malerin, verwandelte er das Anwesen in einen Ort der Kultur – eben die Mutter Fourage. Seit drei Jahrzehnten ist er alleiniger Betreiber. Immenhausen: "Die Mutter Fourage ist natürlich - das Wortspiel der Schauspieler - von Mutter Courage. Ist bei einem Arbeitsessen entstanden, das soll auch so bleiben."

Wolfgang Immenhausen © dpa/Soeren Stache
Bild: dpa

Ausstellung zum Wannsee-Maler Philipp Franck

Zurück in Stölpchensee begegnete Wolfgang Immenhausen zum ersten Mal einem Werk des aus Frankfurt stammenden Künstlers Philipp Franck, der um 1900 in die Künstlerkolonie am Wannsee gezogen war - bis heute sein Liebling unter den Wannsee-Malern. Ihm hat der Galerist zum 120jährigen Jubiläum des Anwesens in diesem Jahr eine Sonderausstellung gewidmet. Viele Arbeiten stammen aus dem Besitz des Enkels Jakob Franck und sind erstmals öffentlich zu sehen.

Wolfgang Immenhausens Lieblingsbild: "Da steht ein kleiner Junge, guckt auf ein geöffnetes Fenster, sucht jemanden zum Spielen. Das Haus im Hintergrund steht auch heute noch, in der Chausseestraße/ Ecke Grüner Weg. Dieses Bild erzählt eine Geschichte, die in unsere Zeit passt. Man sieht nur seine Rückenansicht, geflickte Hose, das Bild war eine Offenbarung, das musste hier nach Wannsee, und das bleibt hier."

Skulpturen zum Entdecken

Auch Skulpturen gibt es rund um Galerie und Scheune zu entdecken, etwa die geigende Ziege der Hallenser Künstlerin Julia Schleicher. Vor dem Hofcafé liegt eine Sphinx von Ingeborg Hunziger. Im Vorderhaus an der Chausseestraße ist – passenderweise - ein Bilderrahmen-Atelier beheimatet. Friederike zu Rantzau baut hier seit 10 Jahren individuelle Rahmen für Kunden der Galerie und für Kenner, die Oberflächen stellt sie eigenhändig her.

Am Werkstatt-Fenster dösen ihre Hunde in der Mittagssonne. Friederike zu Rantzau blickt sinnend in den Hof: "Es ist ein authentischer Ort, hier ist nichts dazu gebaut und tut so, als ob es alt wäre. Es ist gewachsen, aus den alten Stallungen sind Läden und Werkstätten geworden, das Wohnhaus ist bewohnt. Ich bin die einzige Gewerbetreibende. Aus der Scheune ist etwas Wunderbares geworden, ohne dass man sie verändert hat baulich, die Veranstaltungen sind schön, es ist wunderbar gestaltet mit der Blumenpracht, den Töpfen, den Keramiken, es ist einfach ein bezaubernder Ort."

Ein Beitrag von Sigrid Hoff, rbbKultur

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