Alkoholverbot in Berlin © Angelika Warmuth/dpa
Bild: Angelika Warmuth/dpa

Partyhauptstadt ohne Parties und bald auch noch ohne Alkohol? - Trübe Aussichten für Berlin

Menschen dicht gedrängt auf Tanzflächen oder am Bartresen? In Corona-Zeiten ein Unding. Die Pandemie hat Berlin bereits seiner berühmten Clubs beraubt - vielleicht sogar auf Dauer. Jetzt wird auch über ein partielles Alkoholverbot diskutiert. Aber was bliebe von der berühmten Berliner Ausgeh-Kultur, wenn Kneipen 'trocken gelegt' würden und Spätis in Mitte kein Bier mehr verkaufen dürften, fragt sich unser Kommentator André Bochow.

Gerade erst las ich, dass Alkoholgenuss in dieser Hitzeperiode schlaffördernd sei. Zugegeben, irgendwo findet man sicher auch die gegenteilige, gleichwohl wissenschaftlich belegte Ansicht. Tatsächlich kommt es auf die Körperhaltung an. Alkohol und dann liegen oder sitzen, zack schon ist man weggeratzt. 

Alkohol im Stehen oder Gehen – nennt man Party. Könnte jedenfalls eine sein. Menschen stehen zusammen vor einer Spätverkaufsstelle, ab und an wird einer hineingeschickt, ganz klar, um neue flüssige Stimmungsaufheller zu erwerben. Und dann? Hoch die Flaschen – Paaartyyyy – schon zersplittert Glas auf dem Pflaster, die Spontanfeierbiester kommen sich näher und näher – tja und an die Hygienevorschriften denkt schon seit Stunden keiner mehr. Wird man so Corona los? Auf keinen Fall.

Und da man nicht die Menschen verbieten kann, muss man es mit einem Alkoholverbot versuchen. In Hamburg wurde das angeblich erfolgreich getestet, was irgendwie schwer zu glauben ist. Jedenfalls soll nun auch in Berlin den geistigen Getränken der Schnelltod drohen. Erst hat die Gesundheitssenatorin laut über ein Alkoholverbot nachgedacht, bis ihr einfiel, dass sie in der SPD ist, in der man doch eigentlich die Grünen als Verbotspartei beschimpft.

Prompt erinnerte sich Stephan von Dassel daran, dass er ein Grüner und zudem der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte sei. Aber der grüne Adelige hat sehr spezielle Alkoholverbotsvorstellungen. Es soll seiner Ansicht nach den Kneipen, Bars und Restaurant kein alkoholisches Haar gekrümmt werden. Vielmehr soll es nur den schon erwähnten Spätis an die Wäsche gehen. Denn hier gibt es zu später Stunde billigen Stoff. Dass sich selbst junge Menschen notfalls tagsüber in Supermärkten bevorraten, daran denkt Herr von Dassel nicht.

Bliebe noch ein absolutes Alkoholverbot. Damit hat man allerdings während der Prohibitionszeit in den USA eher eigenwillige Erfahrungen gemacht. Und außerdem: Das Berliner Nachtleben minus Alkohol ist im Großen und Ganzen nur noch Nacht. Die Deutschen sind nicht lustig und tanzen schlecht. Aber mit Alkohol im Blut lachen sie sich schlapp und merken nicht mehr, wie schlecht sie tanzen.

Deswegen: Zwingt die Menschen meinetwegen in Taucheranzüge und legt sie in Ketten, wenn sie den Mindestabstand nicht einhalten. Aber wer in Berlin Alkohol verbieten will, der zieht der Stadt den Stecker. Das Leben entweicht, wie Luft aus einem löcherigen Luftballon. Wer den Kampf gegen Corona gewinnen will, muss uns Bürger mitnehmen. Und ohne Alkohol gehen wir keinen Schritt.

André Bochow, rbbKultur

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