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Steigende Infektionszahlen - Daumenschrauben gegen die zunehmende Corona-Gefahr?

Die meisten Deutschen halten sich an die Gebote, um Corona einzudämmen. Aber manche verweigern etwa das Tragen von Masken. Berlins Bürgermeister Müller will nun härtere Strafen für Regelverstöße. Und wer in Risikogebiete reist, sollte sich an Kosten für Tests beteiligen. Keine guten Ideen, findet André Bochow.

Wer im Kampf gegen Corona Masken verweigert oder Sicherheitsabstände nicht einhalten will, riskiert nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die Gesundheit anderer Menschen. Reisen in Länder, in denen Covid19 stark verbreitet ist, sind verantwortungslos. Punkt. Sind deswegen Zeitgenossen, die von der Politik verlangen, das Ende der Pandemie auszurufen, Idioten? Auch wenn es schwerfällt, diese Frage nicht mit Ja zu beantworten, muss die Antwort Nein lauten. Jeder hat das Recht auf eine Meinung, auch auf eine, die den Rückschluss auf wenig Verstand und viel Unvernunft zulässt. Wollen wir wirklich Debatten durch Beschimpfungen ersetzen? Natürlich kann das Verbreiten von Unsinn gefährlich sein. Aber wir sind keineswegs in der Situation, in der staatliche Daumenschrauben angezogen werden müssten.

Wenn bei Demonstrationen gutbegründete Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten werden, muss das geahndet werden. Aber dann bitte bei jeder Demo – auch wenn es um Klima oder Rassismus geht. Und zweitens: Was soll härteres Vorgehen denn bedeuten, das der in die Bundespolitik strebende Sozialdemokrat Michael Müller verlangt? Müller will Demos und Kundgebungen notfalls schneller auflösen und Ordnungsgelder verhängen. Wie schnell genau? Wie hoch soll denn die Geldstrafe am Ende sein? Und wenn das nicht wirkt? Wir kommen in schweres demokratisches Fahrwasser, wenn die Exekutive das Demonstrationsrecht so mir nichts, dir nichts und ohne Not einschränken will. Nicht zu reden davon, dass sich dann die Verschwörungstheoretiker bestätigt fühlen würden.

Der Kampf gegen die Pandemie verlangt vor allem einen großen gesellschaftlichen Konsens. Wir sind darauf angewiesen, dass die Menschen die Masken möglichst freiwillig tragen. Wenn sie das massenhaft verweigern würden, wäre der Staat komplett hilflos. Andererseits kann der gesellschaftliche Konsens auch zu Ausgrenzung führen, die auf Dauer von enormer Sprengkraft für unser Zusammenleben ist.

Wer in einem Risiko-Land war, soll seinen Corona-Test selbst bezahlen? Mit einer solchen Begründung, bewusst Schäden für die Allgemeinheit und für die solidarischen Gesundheitskassen in Kauf zu nehmen, könnte man auch Raucher, Trinker, Übergewichtige und Sportmuffel bestrafen. Keine gute Idee.

Dass die Pandemie nicht spurlos an uns vorbeigehen würde, war anzunehmen. Jetzt gilt es zu verhindern, dass sich die Lage aufschaukelt. Wir alle, auch Herr Müller, sollten dringend verbal abrüsten.

André Bochow, kulturradio

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