Digitale Schule © Julian Stratenschulte/dpa
Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Professionelle Betreuung und Ausstattung fehlen - Digitale Schule und die Hürden

Die Berliner Schulen unterrichten ihre Schüler seit Ferienende wieder im Regelbetrieb, in voller Klassenstärke. Sie bereiten sich zugleich vor, falls das wegen höherer Corona-Infektionszahlen wieder nicht mehr geht. Geplant ist dann eine Mischung aus Präsenzunterricht in der Schule für eine Hälfte der Klasse und Fernunterricht für die andere Hälfte zu Hause. Schulleitern brennt unter den Nägeln, dass sie dafür auch die nötige digitale Ausstattung erhalten. Kirsten Buchmann berichtet.

"Digitale Schule? Da hakt es noch ganz schön", meint Stephan Witzke, Vorstandsmitglied der Schulleitervereinigung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Rektor in Berlin-Neukölln. Momentan braucht er einen neuen Server, um für alle Schüler*innen und Lehrkräfte das Office-Paket kaufen zu können. Installieren lassen kann er es momentan nicht - der Vertrag für den Server ist ausgelaufen.

Dabei müssen seine Grund- und Förderschüler noch ganz Grundsätzliches lernen – zum Beispiel, wie geladene Aufgaben, etwa in Mathe, digital für die Lehrer hochgeladen werden. Wichtig gerade womöglich auch für einen Fernunterricht in Corona-Zeiten. Dafür benötigt Witzke allerdings zudem unter anderem Laptops. Nur wartet er noch darauf, dass dafür Geld aus dem Digitalpakt des Bundes und der Länder fließt. Warum das so lange dauert, weiß er nicht. Eine Priorität vor Ort scheint es nicht zu geben.

Technische Voraussetzungen für digitalen Unterricht fehlen

Durch den Digitalpakt soll Berlin innerhalb von fünf Jahren insgesamt rund 260 Millionen Euro erhalten, geflossen sind 4 Millionen. Laut der Bildungsverwaltung haben mehr als 600 der rund 800 Schulen ihre Medienkonzepte dazu abgegeben. Für knapp 350 habe die Bildungsverwaltung sie bewilligt. Woran hakt es?

Involviert sind neben dem Land die Bezirke. Der für Stephan Witzkes Schule zuständige Bezirk Neukölln erklärt, dass unter anderem die Konzepte der Schulen zunächst geprüft werden müssten, auch mit Blick auf bauliche Aspekte. Inzwischen gebe es bezirksweit grünes Licht für 27 Schulen. Das Signal auch für Stephan Witzke: ein neuer Server komme – immerhin - in diesem Jahr. Ralf Treptow, Vorsitzender der Vereinigung der Oberstudiendirektoren des Landes Berlin, drängt indes schnell auf Verbesserungen für den Fall, dass in Corona-Zeiten nur ein Teil der Schüler vor Ort vom Lehrer in der Klasse unterrichtet werden kann, möchte er den Unterricht für die anderen digital nach Hause übertragen. Doch dafür fehlten Voraussetzungen. An seiner Schule unter anderem die Vernetzung zwischen Haupt- und Nebengebäude.

Professionelle Unterstützung der Schulen bei digitaler Arbeit

Andere Rektoren pochen auf mehr Schulungen, etwa dazu, wie sie mit ihren Klassen datenschutzrechtlich sicher kommunizieren. Auch Stephan Witzke wünscht sich, dass solche Fragen Profis beantworten, die sich ständig mit der Materie befassen und nicht Lehrer untereinander beratschlagen: wer kann das? Falls wegen steigender Corona-Zahlen ein teilweiser Fernunterricht wahrscheinlicher werden sollte, dürfte der Ruf der Schulen nach Unterstützung für ihre digitale Arbeit lauter werden.

Ein Beitrag von Kirsten Buchmann