Impression von der sog. Lockdown-Großdemo am 01.08.2020, Berlin; © dpa/Marc Vorwerk
Bild: dpa/Marc Vorwerk

- Sturm auf Berlin

Ein Kommentar von André Bochow

Der Sturm auf den Reichstag ist keine neue Idee. Mal abgesehen von den Ereignissen im Jahr 1945, hat vor drei Jahren der Theatermacher Milo Rau zum künstlerischen Aufstand gleichen Namens aufgerufen. Irgendwann haben es auch mal sogenannte Reichsbürger mit dem Stürmen versucht, scheiterten aber.

Nun also soll es die Corona-Revolution richten, bei der einige auch das Hin-richten von Angehörigen der volksverräterischen Regierung sehen möchten. Zugegeben, bei den Anhängern solcher Gewaltfantasien handelt es sich um eine Minderheit von Maulhelden, aber auch die Corona-Leugner sind ja eine Minderheit. Eine, die von sich glaubt, Millionen, wenn nicht gar das Gros der Bevölkerung hinter sich zu haben. Manche geben auch zu, dass sie noch nicht das ganze Volk vertreten, aber für einen Umsturz brauche man ja auch nicht alle.

Man muss sich nur einmal das aktuelle Interview des einst von ganz links gekommenen Rechtsaußen-Oberschwaflers Jürgen Elsässer ansehen. Dort fabuliert er ernsthaft über Panzer, die das Merkel-Regime jetzt gegen die Volksmassen einsetzen müsse, weil Wasserwerfer nicht mehr reichen. Vielleicht bleibt es laut Elsässer aber auch friedlich, weil große Teile der bewaffneten Organe zum revolutionären Volk überlaufen würden, während sich Merkel und Co. ins Exil begeben würden. Vielleicht nach Chile. Schenkelklopfen. Chile, Zwinker, Zwinker – was für ein Brüller. Ach so, Auslandshilfe wird auch noch gebraucht. Laut Elsässer hätte man die Wahl zwischen Trump und Putin. Da kann man nur gratulieren.

Und worum geht es? Um das Tragen von Masken. Darum, dass einige denken, die Bundesregierung oder eine Weltverschwörung habe sich Corona ausgedacht. Es verbünden sich Quartalsirre mit elitären Schnöseln, denen es lästig ist, wie alle behandelt zu werden. Dazu kommen Berufswutbürger, AfDler und richtige Nazis.

Um es klar zu sagen: Die Demo zu verbieten, halte ich für falsch. Auf der anderen Seite erleben wir eine zumindest verbale Radikalisierung, der man entgegentreten muss. Leider. Denn eigentlich wäre es besser, die Möchtegern-Umstürzler zu ignorieren. Aber die beginnen Grenzen zu überschreiten, die weit über das Verletzen von Anstands- und Abstandsregeln hinausgehen.

Die Mehrheit im Land sollte auf friedliche Weise zeigen: Jetzt ist Schluss mit lustig.

André Bochow, rbbKultur

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1 Kommentar

  1. 1.

    Herr Buchow, Sie sprechen von "verbaler Radikalisierung" und übertiteln Ihren Kommentar mit "Sturm auf Berlin". Zudem benutzten Sie Begriffe wie "Maulhelden", "Quartalsirre" oder "eitären Schnösel". Merken Sie was? Oder verblendet Ihre Wut auf anders Denkende einen respektvollen Umgang mit diesen Menschen? Das wäre schade.