Barrie Kosky © Doris Spiekermann-Klaas
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Die rbb Kulturgespräche - Barrie Kosky: "Es gibt Plan A, B und C."

Barry Kosky, Intendant der Komischen Oper Berlin, plant normalerweise die nächsten vier Jahre im Voraus und stellte vor Kurzem das neue Programm für die nächste Spielzeit per Video auf einer leeren Bühne vor. Er sprach mit uns über die Herausforderung in Zeiten von Corona einen bzw. mehrere Spielpläne zu erstellen, die Systemrelevanz von Kultur und die Zukunft unseres Planeten.

rbbKultur: Herr Kosky, beunruhigend ist zur Zeit nicht zu wissen, wann der Spielbetrieb an der Komischen Oper wieder aufgenommen werden kann. Ulrich Khuon, der Präsident des Deutschen Bühnenvereins und Intendant des Deutschen Theater Berlins hat neulich noch einen anderen Aspekt beklagt: Dass nämlich die Künste im Denken und im Sprechen der Großpolitik gar nicht wirklich vorkommen. Das sei für ihn eine große Enttäuschung. Und das meinte er gar nicht egozentrisch, wie es jetzt klingen mag. Es gehe ihm sehr viel mehr darum, das Künste Lebensmittel seien, die wichtige gesellschaftliche Diskurse und Reflektionen verarbeiten, spiegeln, weiterdenken. Geben Sie ihm darin Recht?

Kosky: Ja, ich gebe Ulrich Khoun Recht und und ich glaube auch alle meine Kollegen. Ich habe zwei Hüte auf: Einmal als Intendant und einmal als Künstler. Und in der Funktion beider Bereiche sage ich: Ich glaube, dass die nicht stattfindende Diskussion von der Politik über die Wichtigkeit von Kunst und Kultur, also dass sie als nicht systemrelevant eingestuft wird, ein Problem darstellt. Kunst und Kultur sind immer systemrelevant. Das war eine große Enttäuschung, dass Frau Merkel in ihrer großen Rede die Worte Kultur, Theater oder Musik nicht erwähnt hat. Das geht nicht. Es ist wichtig zu sagen, dass Kunst und Kultur nicht nur für die schönen Zeiten als Entertainment da sind.

rbbKultur: Sie sind als Kulturschaffende für eine demokratische Verfasstheit einer Gesellschaft unabdingbar.

Kosky: Aber momentan steht natürlich die Gesundheit an erster Stelle und das Dilemma ist, dass wir unterschiedliche Meinungen dazu bekommen. Unsere Verantwortung als Künstler und Kulturinstitutionen liegt aber weiterhin darin, unsere Wichtigkeit laut in die Öffentlichkeit zu transportieren und präsent zu bleiben.

rbbKultur: Das passiert zum Glück auch von vielen Seiten. Für viele Menschen ist Kultur, die jetzt vor allem digital stattfindet, weiterhin ganz wichtig und es gibt jede Menge tolle Angebote von Künstlerinnen und Künstlern und großen Häusern. Das ist so etwas wie Hühnersuppe, wohltuend und Trost spendend. Was ist denn für Sie derzeit Hühnersuppe, was tröstet Sie?

Kosky: Es tut mir sehr gut mit meinem Team sehr detailliert zu arbeiten im Moment und sich zu fragen, was kann man machen? Man kann natürlich sagen, es ist eine Zeit für Reflexion, in der man nachdenken kann darüber, was wirklich wichtig ist. Aber es tut mir sehr leid, den Luxus habe ich nicht. Ich leite ein Haus mit 420 Mitarbaitern und über 200.000 Zuschauern pro Saison. Meine Pflicht momentan ist es, die Zukunft zu sichern und Kunst, mit dem ganzen künstlerischen Kreis, den wir haben, in Zukunft zu präsentieren. Wir wissen, dass der Corona-Virus irgendwann im Griff ist und dann die richtigen Herausforderungen kommen werden.

rbbKultur: Das passiert zum Glück auch von vielen Seiten. Für viele Menschen ist Kultur, die jetzt vor allem digital stattfindet, weiterhin ganz wichtig und es gibt jede Menge tolle Angebote von Künstlerinnen und Künstlern und großen Häusern. Das ist so etwas wie Hühnersuppe, wohltuend und Trost spendend. Was ist denn für Sie derzeit Hühnersuppe, was tröstet Sie?

Kosky: Es tut mir sehr gut mit meinem Team sehr detailliert zu arbeiten im Moment und sich zu fragen, was kann man machen? Man kann natürlich sagen, es ist eine Zeit für Reflexion, in der man nachdenken kann darüber, was wirklich wichtig ist. Aber es tut mir sehr leid, den Luxus habe ich nicht. Ich leite ein Haus mit 420 Mitarbaitern und über 200.000 Zuschauern pro Saison. Meine Pflicht momentan ist es, die Zukunft zu sichern und Kunst, mit dem ganzen künstlerischen Kreis, den wir haben, in Zukunft zu präsentieren. Wir wissen, dass der Corona-Virus irgendwann im Griff ist und dann die richtigen Herausforderungen kommen werden.

Das Gespräch führte Shelly Kupferberg

Übersicht

rbb Kulturgespräche mit Harald Welzer (© Gregor Baron), Jeanine Meerapfel, Jutta Allmendinger (© ), Inka Löwendorf (© Carsten Kampf), Jürgen Flimm (© Carsten Kampf), Ulrich Matthes (© Carsten Kampf), Ilija Trojanow (©), Bénedicte Savoy (© ) und Andreas Dresen (© ); Montage: rbbKultur
dpa/rbbKultur

Der rbb macht's - Die rbb Kulturgespräche

Was sind die gesellschaftspolitischen Folgen der Corona-Krise? Und welche Verantwortung kann hier die Kultur übernehmen?

Wir sprechen mit Mitgliedern der Akademie der Künste, mit Künstler*innen, Filmschaffenden, Schriftsteller*innen, Wissenschaftler*innen, die unter ganz eigenen Blickwinkeln Antworten finden.