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Sponsor weg: Wie geht es weiter mit der Berlinale? - "Neue Partner kommen, die mit einem weiterentwickelten Festival in See stechen wollen"

Die Berlinale verliert mit Audi einen ihrer Hauptsponsoren. Bringt das die Filmfestspiele in die Bredouille? Wie können in diesen corona-schwierigen Zeiten neue Sponsoren gefunden werden? Wären Fahrradrikschas eine Option, um die Stars auf dem Roten Teppich abzuladen? Das wäre zumindest nachhaltig. Und wie sind überhaupt die Pläne für die nächste Berlinale in 2021? Das fragen wir die Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek.

Audi tritt als Hauptsponsor der Berlinale zurück; © dpa/Britta Pedersen
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rbbKultur: Wie schmerzhaft ist der Verlust von Audi als Sponsor?

Rissenbeek: Bei jedem Partner, mit dem man länger zusammengearbeitet hat - und mit Audi haben wir über sieben Jahre zusammengearbeitet – ist man enttäuscht, dass die Zusammenarbeit nicht weitergeführt wird.

rbbKultur: Was hat Audi denn gesponsert?

Rissenbeek: Audi hat neben einem Barbetrag, den ich hier nicht nennen kann, Autos beigesteuert, mit denen wir unsere Filmschaffenden und prominenten Gäste durch ganz Berlin fahren konnten.

rbbKultur: Wen wollen Sie jetzt für den Transport der Festivalgäste gewinnen? Elektroautos wären zeitgemäß …

Rissenbeek: Tesla wird ja bald hier in die Nähe kommen …

rbbKultur: Oder vielleicht Fahrradrikschas, wegen der Nachhaltigkeit?

Rissenbeek: Sie haben erfasst, was wir uns alles durch den Kopf gehen lassen. Wir sind nach allen Seiten offen, und wir werden viele unterschiedliche Überlegungen dazu anstellen. Wir haben noch ein bisschen Zeit, um uns damit zu beschäftigen.

rbbKultur: Die Berliner Filmfestspiele werden hauptsächlich durch Bundesmittel finanziert und durch den Ticketverkauf. Wie abhängig sind Sie von den Sponsoren überhaupt?

Rissenbeek: Wir haben in der Regel vier Hauptsponsoren. Dann hatten wir in diesem Jahr zwei Co-Partner und dazu noch weitere Sponsoren und Partner. Das ist schon ein größerer Teil der Finanzierung. Es ist nicht so, dass wir davon unabhängig sind.

rbbKultur: Abgesprungen als Sponsoren sind in diesem Jahr der Luxusuhren-Konzern Glashütte und ein chinesischer Konzern. Jetzt auch noch Audi. Gerät die Berlinale nicht in die Bredouille, wenn Sie sagen, Sie haben noch Zeit?

Rissenbeek: Einen neuen Sponsor haben wir in diesem Jahr aber auch gewonnen: MagentaTV. Und rbb media ist unser Co-Partner geworden. Jede Veränderung schafft wieder neue Möglichkeiten. Neue Partner kommen, die mit einem weiterentwickelten Festival in See stechen wollen. Das ist ein normaler Vorgang.

rbbKultur: Aber wird die Sponsorensuche - vielleicht auch gerade wegen Corona - nicht schwieriger?

Rissenbeek: Da haben Sie natürlich Recht. Corona ist eine Herausforderung. Man kann eigentlich nicht länger als zwei Wochen im Voraus planen. Das macht es nicht leichter. Gleichzeitig könnte das auch eine Chance sein, wenn Partner im digitalen Bereich interessiert wären, mit einem Festival zusammenzuarbeiten.

rbbKultur: Lassen Sie uns über die Aussichten sprechen. In diesem Jahr konnte die Berlinale im Februar kurz vor dem Lockdown noch stattfinden. Wie optimistisch sind Sie, dass das Festival auch im nächsten Jahr stattfinden kann?

Rissenbeek: Unser Wunsch ist es schon, dass wir das Festival als physisches Festival stattfinden lassen können. Aber wir sind natürlich an die Vorgaben der Gesundheitsbehörden gebunden. Wir werden ein paar Wochen brauchen, um zu sehen, wie sich die Lage entwickelt. Das Musikfest Berlin im September wird zum Beispiel physisch in der Philharmonie stattfinden. Wir versuchen auch von Festivals zu lernen, die im September stattfinden, wie die Filmfestivals in Venedig, Toronto und San Sebastián. Aber am Ende sind wir an die Vorgaben der Gesundheitsbehörden gebunden.

rbbKultur: Ich vermute, dass Sie trotzdem schon ein paar Konzepte in der Schublade haben?

Rissenbeek: Ja, klar. Ansonsten kann man kein Festival in Gang setzen. Wir haben erstmal ein Konzept, das wir mit den jetzigen Vorgaben starten - zum Beispiel, dass die Kinos nur 25% der Plätze besetzen dürfen. Und wir sind sehr zuversichtlich, dass sich das vielleicht noch ändert in den nächsten Monaten.

Das Gespräch führte Andreas Knaesche.

berlinale.de

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