Humboldtforum © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB
Bild: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB

- Prestige, Objekt, Corona - Die Eröffnung des Humboldtforums wird verschoben

Geahnt haben es viele, aber die Nachricht hat dann doch eingeschlagen: das Humboldtforum im Stadtschloss wird nicht, wie geplant, im September eröffnet. Corona sei schuld, so die Verantwortlichen. Der Start im September war schon ein Kompromiss, jetzt soll es eine noch kleinere Eröffnung von Teilbereichen zum Jahresende geben. Ein Kommentar von Maria Ossowski.

Es wäre echt peinlich geworden: ein Festakt im wichtigsten Prestigeobjekt der deutschen Kulturpolitik, eine glanzvolle Eröffnung des rekonstruierten Stadtschlosses, jedoch in weitgehend leeren Räumen und mit zu vielen leeren Plätzen. Hätten in diesem Spätsommer unseres Missvergnügens hunderte Würdenträger bei Champagner und Schnittchen über anderthalb Meter plaudern und abstandskonform Elefantenzähne in Vitrinen bestaunen sollen? Nein, Corona hat die Feierlaune gründlich verdorben, so wie Corona auch den Kulturaustausch über die Grenzen hinweg zum Erliegen brachte.

Höhere Gewalt

Das Humboldtforum soll außereuropäische Kulturen beherbergen, die Elfenbeinausstellung wäre maßgeblich mit Kenia entstanden, Corona macht es unmöglich. Zudem kehrten Facharbeiter nach Ostern nicht aus ihren Heimatländern zurück, Materialien blieben in Lieferketten stecken. Ein halbes Jahr nach dem ersten Eröffnungstermin ist der zweite geplatzt. Höhere Gewalt, da gibt’s kein Vertun, da sind weder falsche Kühlmittel in Klimaanlagen noch problematische Belüftungsschächte schuld.

Klar: hinter den Kulissen der Großbaustelle hat es in letzter Zeit noch häufiger als ohnehin schon gekracht. Der Zeitplan geriet immer enger, alle Puffer waren aufgebraucht, eine Teileröffnung sollte die verständliche Ungeduld der Kulturstaatsministerin und aller Verantwortlichen besänftigen. Ermöglicht Corona jetzt eine kurze Verschnaufpause? Nicht wirklich, die Verzögerung macht den Bau täglich teurer.

Bitte keine Häppchen-Eröffnung

Generalintendant Hartmut Dorgerloh hat als Ersatz für September eine Art Schnupperöffnung mit Gastronomie und kleinen Sonderausstellungen zum Jahresende hin versprochen. Donnerstag tagt der Lenkungsausschuss und berät. Mein Vorschlag: auch wenn ein paar Eintrittsgelder verloren gehen sollten - drückt für den gesamten Start des Projekts den Resetknopf. Häppcheneröffnungen und monatelang geschlossene Stockwerke werden dem bedeutendsten Kulturzentrum des Landes nicht gerecht.

Jetzt wäre die Chance, die Termine neu zu ordnen. Die Menschen haben momentan eh andere Sorgen, ein Besüchlein in einem kleinen Teilchen des Riesenbauwerks tröstet auch nicht. Wäre es nicht vernünftiger, jetzt alle Energie in die Einrichtung des gesamten Humboldtforums zu stecken? Dann könnten wir mit Pomp und Tamtam und Riesenparty das gesamte fertig ausgestattete Schloss im nächsten Sommer eröffnen. In Zeiten, die hoffentlich vergnüglichere sein werden als jene, die uns grad beuteln...

Maria Ossowski, rbbKultur