Ennio Morricone © Jörg Carstensen/dpa
Bild: Jörg Carstensen/dpa

- Zum Tod von Ennio Morricone

Im Alter von 91 Jahren ist der italienische Filmkomponist Ennio Morricone gestorben. Berühmt wurde er unter anderem mit Titelmelodien für Filme wie "Spiel mir das Lied vom Tod" oder "Cinema Paradiso". Ein Nachruf von Lothar Jänichen.

Er hat dem Western-Kino seinen Klang gegeben. Mit seinem musikalischen Gespür hat er seit den sechziger Jahren über 500 Filmen den musikdramaturgischen Schliff verliehen. Und er hat dabei mit inernationalen Regisseuren zusammengearbeitet - von Sergio Leone bis zu Quentin Tarantino. Für Western, Liebesfilme, politische Filme, Action-Filme, Horror-Filme hat Ennio Morricone Musiken geschrieben. Doch sein Name geht als Komponist für die großen Italo-Western-Klassiker in die Musikgeschichte ein. Ennio Morricone war einer der letzten Meister der alten Schule.

1928 wird Ennio Morricone in Rom geboren. Da er hochbegabt und geradezu musikfanatisch war, bekam er mit nur zehn Jahren einen Platz am Konservatorium Santa Cecilia. Dort traf er auf seinen hochverehrten Lehrer Geoffredo Petrassi, den bedeutenden italienischen Avantgarde-Komponisten. Von ihm übernimmt der junge Morricone das Interesse zwischen Neo-Klassizismus und Zwölfton-Musik. Schon während seiner Ausbildung bekommt er ein Engagement als Komponist von Theatermusiken.

Ab Mitte der 50er Jahre macht sich Ennio Morricone mit Kammermusik- und Orchesterwerken in der musikalischen Avantgarde Italiens einen Namen. 1958 besucht er die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt. Doch der mittlerweile Dreißigjährige muss Frau und Kinder ernähren. Die Neue Musik bringt nur wenig ein, und so arrangiert er Lieder für Sänger von Rita Pavone bis zu Mario Lanza. Abends tingelt er mit einer Jazzband. Er arbeitet gelegentlich als Trompeter in den Filmmusik-Studios. Diese Musiken findet er belanglos und meint: Das kann ich besser. Er schreibt drauf los. Bewirbt sich aber damit nirgends. Wartet viel mehr darauf, dass ein Regisseur zu ihm kam. Er wollte gebeten werden.

Ein Regisseur, der zu ihm kam, war Sergio Leone. Die beiden waren einst in dieselbe Schulklasse gegangen. Und das erneute Zusammentreffen 1964 wird zum Glücksfall für beide. Leones Filme wären wohl nie so erfolgreich geworden ohne Morricones so starke Musik. Während sonst in dieser Zeit viele nette Standards zu Filmen geschrieben werden, schreibt Ennio Morricone szenische Musik, die den Film unterstützt ohne von den Bildern abzulenken.

Durch die Experimentalmusik hatte er gelernt, nicht nur gespielte Noten als Musik zu betrachten. Er verwendet Tiergeräusche, ahmt den schweren Rhythmus von Männern nach, die in den Sattel fallen. Angeblich hat Sergio Leone sogar den Hufschlag der Pferde nach der Musik geschnitten. Man wird aufmerksam auf den Filmkomponisten Morricone, und die größten Regisseure stehen Schlange.

Ennio Morricone hat aus der Filmmusik eine eigene Kunstform gemacht. So wie er das Kino als Gesamtkunstwerk gesehen hat. Er war ein Perfektionist, und er war offen für Themen, Mittel und Musikrichtungen. Seine musikalische Sprache war eigen und ständig in der Entwicklung begriffen. Auf dieser Offenheit beruhte Morricones breiter Erfolg. Trivialität vermeiden wollte er, dabei aber auch nicht überkultiviert erscheinen. Und auf seinen Erfolgen hat er sich niemals ausgeruht, war noch mit Ende achtzig auf Konzert-Tourneen durch ganz Europa.

Auch wenn eine Tournee schon einmal wegen Rückenproblemen verschoben werden musste. Fünfmal war er schon für einen Oscar nominiert bis er ihn 2016 für den Tarantino-Film "The Hateful Eight" erhält. Für sein Lebenswerk wurde er bereits 2007 mit einem Ehrenoscar ausgezeichnet, da er maßgeblich die Geschichte der Filmmelodie geprägt hat. Und für Ennio Morricone brauchte Filmmusik immer Raum, um sich entfalten zu können. Der Film muss der Musik Zeit geben, um sich entfalten zu können, hatte der Perfektionist anlässlich seines 75ten Geburtstages bekannt.