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Eine Forschungsgruppe der HU Berlin entdeckt neue Viren in heimischen Bäumen - Viren in Bäumen


Nicht nur Menschen und Tiere sind gefährdet, dass sich Viren auf sie übertragen. Es gibt auch Krankheitserreger, die Bäume infizieren und deren Gesundheitszustand erheblich beeinträchtigen können. Betroffen sind u. a. heimische Bäume wie Esche, Ahorn, Eiche und Pappel. Zu diesen Pflanzenviren forschen Wissenschaftler*innen des Bereichs Phytomedizin an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Woran man einen infizierten Baum erkennt und wie gefährlich eine Viruserkrankung für ihn ist, fragen wir Prof. Carmen Büttner, die Leiterin der Forschungsgruppe.

rbbKultur: Handelt es sich bei den Viren, die Bäume befallen, um andere Viren als die, die bei Menschen Krankheiten auslösen können?

Büttner: Anders insofern, als dass es nicht zu Kreuzinfektionen kommt. Aber wenn man sich diese Viren molekular ansieht, gibt es schon viele Ähnlichkeiten.

rbbKultur: Wie erkennen Sie, dass ein Baum einen Virus hat? Und kann auch ein Laie das feststellen?

Büttner: Das kann man als Laie sogar sehr gut erkennen, zumindest, wenn die Laubbäume Blätter tragen. An den Blättern gibt es verschiedene Symptome: charakteristische gelbe Linienmuster, Flecken, Scheckungen oder auch Deformationen, bei denen Blätter auf einmal eine ganz andere Form haben. Die Veränderungen befinden sich nicht immer in der Baumkrone, es sind ganz bestimmte Astbereiche, die betroffen sind.

rbbKultur: Was bedeutet es für einen Baum, wenn er von einem Virus befallen ist? Er bekommt bestimmt keine Grippe mit Fieber… Was macht das Virus mit dem Baum?

Büttner: Den Begriff Grippe haben wir deswegen gewählt, weil er auch beim Laien assoziiert, dass man es mit einem Infekt zu tun hat, der schwer zu bekämpfen ist. Wenn man von einer Infektion, zum Beispiel dem Herpesvirus, belastet ist, ist es ein Problem, wenn weitere Stressoren, z.B. intensive Sonneneinstrahlung, dazukommen – auf einmal bricht dann dieses Virus aus. Trockenheit in Folge des Klimawandels setzt den Bäumen sehr zu und die Viren kommen richtig zum Tragen.

Wir beobachten auch, dass in sehr trockenen Jahren die Infektionen viel deutlicher zu sehen sind. Mitunter gehört aber ein geschultes Auge dazu, um sie zu erkennen. Anfang Mai lassen sich die ersten Symptome gut erkennen - bis Juli/August. Doch vieles wirkt auf Pflanzen ein: andere Schädlinge und Krankheitserreger, wie Pilze und Bakterien. Dann ist es doch recht schwierig zu erkennen, weil das Symptom überdeckt wird.

rbbKultur: Ihre Forschungen konzentrieren sich auch auf Bäume in ganz konkreten Straßenzügen, zum Beispiel in Berlin. Was haben Sie konkret aktuell herausgefunden? Finden Sie immer wieder neue Viren?

Büttner: Die molekularen Tools, die uns zur Verfügung stehen und sich ständig weiterentwickeln, bieten uns viele Möglichkeiten. So haben wir neue Viren entdecken können und wir werden in den verschiedenen Baumarten fündig. Wir fragen uns dann: Was machen die Viren, wo sind sie lokalisiert? Wie werden sie übertragen und können sie auch in anderen Pflanzen eine Rolle spielen?

Wir stellen immer wieder fest, dass durch die neue Virusgattung auch Kulturpflanzen betroffen sind, ebenso wie unsere Forst- und Parkpflanzen. Wenn Straßenbäume gesetzt werden, sollen diese nach Möglichkeit fünfzig Jahre und länger zum positiven Effekt des Stadtklimas beitragen. Das ist nur mit gesunden Bäumen möglich. Wenn ein Baum virusinfiziert ist, ist es eine sehr schwierige Ausgangslage für den Baum. Wenn dann noch Stressoren dazukommen, von denen es in der Stadt ja genug gibt, steht der Baum unter einem schlechten Stern. Pflanzen und Bäume können degenerieren und sogar absterben.

Im Zuge des Klimawandels ist es wichtig, in der Stadt besonders robuste Bäume – sogenannte Klimawandelbäume – zu haben. Von der Pieke auf sollte das Saatgut virusfrei sein. Solche Prüfungen kann ich für die Zukunft nur empfehlen. Es müssen überall dort, wo Pflanzen gesetzt und kultiviert werden, Testsysteme angeboten werden.

Das Gespräch führte Anja Herzog, rbbKultur

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