Uljana Wolf © Villa Massimo/ Alberto Novelli
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Das LCB im rbb - Uljana Wolf und "Etymologischer Gossip”

Der Literaturpodcast von rbbKultur und dem Literarischen Colloquium Berlin

Am Mikrofon: Anne-Dore Krohn, Thomas Geiger

Schon als Kind war Uljana Wolf, geboren 1979 in Berlin, fasziniert von den Wörtern. "Gibt es das Wort Sternschnuppe wirklich?", fragte sie ihre Eltern, nachdem sie es stundenlang vor sich hingesagt hatte, und es ihr ganz unwirklich vorkam. Die Sprachsensibilität ist geblieben, in ihren Gedichten, Essays und Reden klopft sie die Bedeutung von Wörtern ab, betont dabei aber nicht das Trennende, sondern das Offene und Verbindende, die Netzwerke, die ständigen Wanderbewegungen der Sprache - und ist damit eine Autorin, die sich auf sehr poetische Weise für die Überwindung von Grenzen einsetzt.

In ihrem neuen Buch "Etymologischer Gossip" spannt sie einen weiten Bogen auf. Der Band versammelt Reden und Essays aus den letzten Jahren, die einen tiefen Einblick nicht nur in die Denkwerkstatt einer Lyrikerin bieten, sondern auch in den einer Übersetzerin. Das Übersetzen beschreibt sie als einen körperlichen Vorgang. Etwas, das mit allen Sinnen geschieht. Ein Vorgang des Berührens – da berühren sich Sprachen, Erfahrungen, Rhythmus, Klang. Ihren Studentinnen und Studenten, u.a. war sie August Wilhelm von Schlegel Gastprofessorin für die Poetik der Übersetzung an der FU Berlin, rät sie, unbedingt einmal das Übersetzen auszuprobieren, auch wenn es nur für die Schublade ist.

Denn: "Das Übersetzen ist die genauste Form des Lesens und die schnellste Art, die eigene Sprache fremd werden zu lassen ist. Weil man genau versteht, was das das Original sagt, man hat es im Körper und plötzlich gibt es den Abdruck dafür in seiner eigene Sprache nicht sofort. Und dann muss man kreativ werden. Ich nenne das immer Tetris, Zeilentetris, so ein Hin- und Herschieben."

Es gehe beim Übersetzen nicht um Perfektion, sondern darum, einen Abdruck in einer anderen Sprache zu finden. Eine Möglichkeit. Unsicherheit und Unklarheit kann dabei produktiv sein. Ein Lob der produktiven Unschärfe - und ein Buch, das die eigene Sensibilität der Sprache gegenüber verstärkt.

Die Autorin

Uljana Wolf, 1979 in Berlin geboren, studierte Germanistik, Kulturwissenschaft und Anglistik und lebt als Lyrikerin und Übersetzerin in Berlin. Ihre Gedichte wurden in Zeitschriften und Anthologien unter anderem in Deutschland, Polen, Weißrussland, Ungarn, Bulgarien, Irland, Italien, Schweden und den USA veröffentlicht.

Gedichtbände "kochanie ich habe brot gekauft" 2005, "falsche freunde", 2009; gemeinsam mit Christian Hawkey - die Sonett-Ausstreichungen "Sonne From Ort", 2012. Daneben veröffentlichte sie den Essay "BOX OFFICE", 2010 und zahlreiche Lyrikübersetzungen, vor allem aus dem Englischen. Sie erhielt unter anderem den Peter-Huchel-Preis, die August Wilhelm von Schlegel Gastprofessur für Poetik des Übersetzens 2019, und ein Stipendium des Deutschen Literaturfonds und der Villa Aurora in Los Angeles.

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