Wim Wenders im Haus des Rundfunks; © Carsten Kampf
Carsten Kampf
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Regisseur von "Der Himmel über Berlin" - Wim Wenders wird 75

Einer der international bekanntesten deutschen Filmemacher, Wim Wenders, wird am 14. August 75 Jahre alt. Bekannt wurde er durch Filme wie "Buena Vista Social Club", "Paris, Texas", "Der Himmel über Berlin" und "Pina". Für den rbb hat er während des Corona-Lockdowns den Kurzfilm "Veränderung" gedreht.

Als Jugendlicher hat Wenders seine Liebe zum Film entdeckt, filmte mit einer Super-8-Kamera aus dem Elternhaus im Ruhrgebiet rauchende Schornsteine und drehte Kurzfilme. "Ich hatte viele Träume", sagt er in der Dokumentation "Wim Wenders - Desperado", die zurzeit in den Kinos läuft. Architekt, Arzt, Philosoph, Priester, Maler - das Kino sei das einzige Metier, das mit all dem zu tun habe.

So wurde zu Beginn seiner Karriere das "Road Movie" Wenders' Lieblingsgenre. Ob im frühen Schwarz-Weiß-Meisterwerk "Im Lauf der Zeit" (1976), beim Trip entlang der innerdeutschen Grenze in "Der Stand der Dinge" (1982), in der Wüste von "Paris, Texas" (1984) und selbst im "Himmel über Berlin" (1987) mit den zugeflogenen Engeln Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel (Otto Sander) - im Reisen, im Flüchtigen kommen die Menschen zu sich.

Erzählen ist, wenn man nicht weiß wie es ausgeht

So ist Wilhelm Ernst Wenders, so sein bürgerlicher Name, stets auf Fahrt. Was auch seine Schattenseiten haben kann: In "Der amerikanische Freund" (1977) nach einem Roman von Patricia Highsmith soll ein Auftragsmord in einem rollenden Trans-Europ-Express ausgeführt werden. Erzählen sei, sagt Wenders, wenn man nicht wisse, wie es ausgeht.

Wenders, der mit seinen Filmen viel Ruhm erntete und mit seinen Bildern voller Melancholie und Sehnsucht das neue deutsche Kino weltweit bekannt machte, will anders als vor fünf Jahren zum Siebzigsten diesmal nicht groß feiern. Er hält sich in Frankreich für ein Filmprojekt auf, wie seine PR-Firma mitteilt. Außerdem arbeite er an einem Dokumentarfilm über den Schweizer Architekten Peter Zumthor.

Schon im Sommer 2012 hatten Wenders und Zumthor auf Einladung des damaligen Kurators David Chipperfield für die Architektur-Biennale von Venedig einen gemeinsamen Kurzfilm geschaffen. "Notes from a Day in the Life of an Architect" war eine Art Fingerübung für den jetzigen Film, der in 3D gedreht werden soll.

Filme über Menschen: den Papst, Pina Bausch und kubanische Musiker

Dokumentarfilme sind für Wenders mit der Zeit immer wichtiger geworden. In der Dokumentation bekommt Wenders wohl jene Freiheit, die ihm das von stringenten Drehbüchern und Sequel-Zwang dominierte Blockbuster-Kino heute nicht mehr gewährt. So entstanden preisgekrönte Streifen über die kubanische Band Buena Vista Social Club, den Fotografen Sebastião Salgado, die Tanzregisseurin Pina Bausch oder Papst Franziskus.

Das war schon mal anders. Wenders ging in den 70er-Jahren in die USA auf der Suche nach dem Mythos des amerikanischen Kinos. In Deutschland hatte er mit Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog und Volker Schlöndorff den Neuen Deutschen Film begründet. In Amerika wollte er mit Francis Ford Coppola, der gerade "Apocalypse Now" beendet hatte, einen Film über den Krimi-Autor Dashiell Hammett drehen.

Doch beide Meister trennten Welten. Produzent Coppola drängte auf einen Plan, Wenders hing an einer offenen Arbeitsweise und der Improvisation. Ihre Wege gingen auseinander. Wenders machte "Hammett" alleine. Nach "Paris, Texas" mit Nastassja Kinski, für den er die Goldene Palme von Venedig bekam, kehrte er nach Europa zurück. Den Mythos Amerika ließ er hinter sich.

Der Himmel über Berlin

Dann kam einer seiner größten Erfolge, "Der Himmel über Berlin". Wenders knüpft dabei auch an die Rolle der Stadt für den Film an, engagiert Henri Alekan, der in den 20er Jahren bei "Menschen am Sonntag" in Berlin Kameraassistent war. Und mit Curt Bois, der 1933 aus Berlin floh und in Hollywood in "Casablanca" mitspielte, erinnert er auch an die von den Nazis zerstörte deutsche Filmtradition.

"Ich habe mit Schauspielern gearbeitet, die noch mit Fritz Lang gearbeitet haben. So habe ich noch einen Zipfel der Anfangszeit des Kinos mitgekriegt und einen Blick auf die Zukunft bekommen. Lang hätte "Metropolis" sicher gerne in 3D gemacht", sagte der Regisseur
2017 in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Fotografie und Musik

Wenders widmete sich verstärkt auch der Fotografie und entdeckte die 3D-Technik. In "Every Thing Will Be Fine" (2015) setzte er die Technik für einen Spielfilm ein. Trotz hochkarätiger Besetzung mit James Franco und Charlotte Gainsbourg bekam der Beziehungsfilm ein eher verhaltenes Echo.

Auch die Musik hat Wenders nicht losgelassen. Vor ein paar Jahren debütierte er in Berlin mit George Bizets "Die Perlenfischer" als Opernregisseur. Ursprünglich wollte er professionell Saxofon spielen. Dann kam das Kino, aber Musik wurde zur wichtigen Ressource für seine Filme. In "Paris, Texas" klingt die Steel-Gitarre von Ray Cooder, im "Himmel über Berlin" treten Nick Cave and the Bad Seeds auf.