70. Berlinale | Special Gala - "Onward - Keine halben Sachen"

Bewertung:

Ian ist ein junger Elf, der nach dem frühen Tod seines Vaters nur mit seiner Mutter und seinem älteren Bruder Bradley aufwächst. Zu seinem 16. Geburtstag bekommt der schüchterne und etwas linkische Junge von seiner Mutter einen Zauberstab, den sein Vater ihm hinterlassen hat: Damit kann er den Verstorbenen nochmal für 24 Stunden zurückholen und mit ihm all die Dinge tun, die er in seiner Jugend verpasst hat.

Onward - Keine halben Sachen; © Disney/Pixar
Bild: Disney/Pixar

Leider gelingt der Zauber nur zur Hälfte: Anstelle des ganzen Vaters tauchen nur dessen Beine auf. Es beginnt eine magische Reise, in deren Verlauf Ian alles daran setzt, den Zauber zu vervollständigen. Mit dabei: Der halbe Papa, Ians Bruder und dessen klappriger alter Lieferwagen. Natürlich erleben die drei jede Menge Abenteuer, natürlich lauern unterwegs große Gefahren und natürlich steht am Ende eine wichtige Erkenntnis – in diesem Fall ist es die Tatsache, dass Ian zwar keinen Vater hatte, dass aber sein großer Bruder die ganze Zeit hinter ihm stand und auf ihn aufgepasst hat.

Eigene Erfahrungen des Regisseurs

Regisseur Dan Scanlon ("Monsters University") konnte beim Drehbuch auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Schließlich hat auch er früh seinen Vater verloren, wie er auf der Berlinale-Pressekonferenz erzählt. Anstatt in der Menschenwelt hat Scanlon seine Geschichte allerdings in einer magischen Fabelwelt angesiedelt. Ian, Bradley und ihre fürsorgliche Elfenmutter sind umgeben von Drachen, Feen, Einhörnern und anderen Fabelwesen.

Einzug der Moderne

Auch hier hat allerdings die Moderne Einzug gehalten: Das Elfenhaus von Ian und Bradley steht in einer öden Vorstadtsiedlung, der Drache ist ein Schoßhündchen und auch die Feen haben keine Lust mehr zu fliegen. Die Zentauren fahren lieber mit dem Auto, als durch die Gegend zu galoppieren und der Mantikor, der Menschenfresser, hat in seiner magischen Spelunke ein Fast Food Lokal eröffnet.

Homöopathisch dosierte Zivilisationskritik

Die – homöopathisch dosierte – Zivilisationskritik bleibt leider die einzig interessante Botschaft, die Scanlon in seinem Film untergebracht hat. Ansonsten beginnt die Coming-of-Age-Geschichte bald schon mit pädagogischen Allgemeinplätzen zu langweilen ("Der gerade Weg ist nicht immer der Richtige", "Du kannst alles schaffen, wenn Du nur an Dich glaubst", "Das, was Du suchst, steht manchmal direkt vor Dir").

Onward - Keine halben Sachen; © Disney/Pixar
Bild: Disney/Pixar

Erwartbar und platt

Anders als frühere Pixar-Kreationen wie die wunderbare "Toy Story"-Serie, "Findet Nemo" oder zuletzt "Alles steht Kopf" ist dieser Film zu erwartbar, zu platt und ohne die nötige Selbstironie geschrieben. Da nutzen auch die schönen Animationen und die prägnanten Stimmen von Tomm Holland und Chris Pratt nichts. "Onward" ist leider nur eine halbe Sache!

Carsten Beyer, rbbKultur

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