So 23.02.2020 | 70. Berlinale | Wettbewerb - "Undine"

Bewertung:

Undine (Paula Beer) ist Stadtführerin in Berlin. Klug und wortgewandt erklärt sie Besuchern die Architektur und die Geschichte der Stadt, auch wenn sie ihr smarter Freund Johannes (Jacob Matschenz) gerade erst hat sitzen lassen. Der Alltag junger Singles in Berlin. Doch dann lernt Undine den Industrietaucher Christoph (Franz Rogowski) kennen – und damit die  große Liebe. Die Beiden finden sich nicht nur körperlich anziehend, sie lieben auch beide die Unterwasserwelt.

Liebe unter Wasser

Doch unter Wasser lauern auch Gefahren: Nach einem Tauchunfall liegt Christoph im Krankenhaus: Hirntot, so heißt es, schließlich war er fast eine Viertelstunde ohne Sauerstoff. Aus Trauer und Schmerz ertränkt Undine Johannes, der ihr wieder nachstellt, und geht anschließend selbst ins Wasser. Als Christoph überraschend aus seinem Koma erwacht, ist die Geliebte verschwunden …

Eine alte Sage neu erzählt

Für seinen jüngsten Film – den mittlerweile fünften, den er im Berlinale- Wettbewerb zeigt – hat Christian Petzold eine alte französische Sage in das Berlin der Gegenwart verlegt. Undine ist eine Meerjungfrau, die erst dann eine Seele bekommt, wenn sie sich mit einem Menschen vermählt. Wird dieser Mensch ihr allerdings untreu, dann muss er sterben.

Ein umwerfendes Liebespaar

Christian Petzold hat den Sagenstoff etwas umgeschrieben und daraus eine wunderbare kluge und poetische Liebesgeschichte gemacht – mit den beiden Hauptdarstellern, mit denen er bereits in seinem letzten Film "Transit" zusammen gearbeitet hat. Paula Beer und Franz Rogowski sind ein umwerfendes Liebespaar. Allein die Szene, in der sich die beiden kennenlernen - inmitten eines berstenden Riesenaquariums - ist absolut zum Niederknien.

Weiterentwicklung der Berliner Schule

Auch ansonsten bietet Undine viel Erfreuliches: Ein kluges und mit Überraschungen gespicktes Drehbuch beispielsweise, das Petzold wie immer selbst geschrieben hat – und die phantastischen Bilder seines langjährigen Kameramanns Hans Fromm, der sich hier auch als versierter Unterwasser-Filmer beweisen kann. Mit „Undine“ ist Christian Petzold seinem Ruf als einer der wichtigsten Vertreter der Berliner Schule treu geblieben und er hat es gleichzeitig geschafft, sich weiter zu entwickeln. Seine Mischung aus Realität und Fiktion, aus nüchternem Berliner Alltag und einer ganz großen Liebesgeschichte unter Wasser - machen diesen Film zu einem Ereignis. Unbedingt anschauen!

Carsten Beyer, rbbKultur