ALL MY LOVING: Christine Schorn, Franziska Hartmann, Hans Löw
Jens Harant / Port au Prince Pictures
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Drama - ALL MY LOVING

Bewertung:

2015 war der deutsche Regisseur mit seinem Film JACK vertreten – richtig gefeiert aber wurde er erst beim Deutschen Filmpreis 2015 bei dem er die Lola in Silber gewann. Sein neuster Film "ALL MY LOVING" ist ein Familiendrama in prominenter Besetzung.

Der Untertitel lautet "Eine Geschichte von drei Geschwistern". Und genau das ist es auch. Drei Geschwister, die unterschiedlicher nicht sein können. Der Film beginnt, als die drei sich in einem teuren Restaurant treffen. Sie reden miteinander und reden doch nicht, sie kennen einander gut und wissen doch nichts voneinander. Jeder ist viel zu sehr mit sich beschäftigt, damit, die Fassade aufrecht zu erhalten. Es ist also eine eher verhuschte Begegnung von drei erwachsenen Menschen: zwei Brüder, eine Schwester, die die Kamera in einer einzigen festen Einstellung festhält – die drei für einen kurzen Moment sozusagen unter die Lupe nimmt, bevor sie wieder auseinandergehen.

ALL MY LOVING: Godehard Giese, Nele Mueller-Stöfen
Bild: Jens Harant / Port au Prince Pictures

Gut gespielt

Da ist der Älteste, der Coole, der Lebemann, der Womanizer – Lars Eidinger – der als Berufspilot gesundheitliche Problem hat und darum nicht mehr fliegen darf, schon Monate krankgeschrieben ist, der Arzt ihm rät, umzuschulen. Das alles will er nicht begreifen. Er flüchtet sich stattdessen in seine Pilotenuniform und reißt abends an irgendwelchen Hotelbars irgendwelche Frauen auf.

Auch die Schwester, Neler Müller-Stöfen, ist eine große Verdrängerin. Ein nicht verarbeiteter Schicksalsschlag holt sie immer wieder ein. Unfähig, Nähe zuzulassen – zu ihren Geschwistern, zu ihrem Mann – flüchtet sie sich in eine überdimensionierte Tierliebe. Der Hund zuhause, der Straßenhund in Italien – alles ist wichtiger als ihre Beziehung. Da zuzusehen, fällt schwer.

Und der jüngste im Bunde, großartig: Hans Löw, ein Familienvater, der seiner Frau beruflich den Rücken freihält und so selbst auf der Strecke geblieben ist. An ihm ist es, sich um die Eltern zu kümmern: Manfred Zapatka, der Vater, krank und störrisch. Christine Schorn, die Mutter, die nichts wahrhaben will und so tut, als wäre nichts – als Überlebensstrategie.

Jede der Figuren ist an einem schwierigen Punkt angelangt – dabei sympathisch, humorvoll. Und jede einzelne Figur ist unglaublich gut gespielt.

So lebensnah, dass man sie wie alte Bekannte erlebt.

ALL MY LOVING: Lars Eidinger, Matilda Berger
Bild: Jens Harant / Port au Prince Pictures

Perlenketten-Prinzip

Was zunächst etwas irritiert: diese einzelnen Leben bleiben nebeneinander stehen, sie verschränken sich nicht miteinander. Es ist eher das Perlenketten-Prinzip. Alles hintereinander. Und doch funktioniert es und es ist konsequent. Alles andere wäre konstruiert gewesen. Denn es gibt – bis auf die gemeinsame Herkunft – tatsächlich keine gemeinsame Schnittmenge. Doch es gibt eine Entwicklung, das wird spätestens in der letzten Szene deutlich: Anfang und Ende des Films sind die Klammer, die diese Familie zusammenhält.

Kluges Drehbuch

Es ist ein kluges Drehbuch mit klugen Dialogen. Bildlich sehr durchdacht umgesetzt. Edward Berger hat es mit seiner Frau Nele Müller Stöfen und seinem Kameramann Jens Harant zusammen geschrieben – seiner kleinen Filmfamilie.

Seit "Jack" ist er international ein gefragter Regisseur. Nachdem er davor lange als Autor und Regisseur für ARD-Krimiserien gearbeitet hatte, dann die gefeierte Minserie "Melrose" mit Bendict Cumberbatch drehte, hat er nun einen Fuß in Hollywood: Er arbeitet mit Ridley Scott und Leonardo di Caprio, der die Geschichte des Volkswagen-Skandals produzieren will, hat ihn als Regisseur angefragt. Man kann davon ausgehen, dass Berger auch hier seine Mitte nicht verlieren wird, denn in gewisser Weise erzählt er immer Familiengeschichten – von diesem Mikrokosmos aus betrachtet er die Welt. Wie Nanni Moretti oder Woody Allen ja auch, sagt er. In ihrer Tradition sieht er sich.

Christine Deggau, rbbKultur

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