"Charade" mit Cary Grant und Audrey Hepburn
Bild: ARTHAUS

DVD-Tipp - "Charade" von Stanley Donen

Bewertung:

Die Fünfziger Jahre stehen für den aggressiven Sex-Appeal kurviger Schauspielerinnen wie Marilyn Monroe, Kim Nowak oder Jane Mansfield. Im Kontrast dazu verkörperte Audrey Hepburn einen ganz anderen, sehr aparten Frauentyp.

Audrey Hepburn sei die zweite Frau der Menschheitsgeschichte gewesen, der man auch eine unbefleckte Empfängnis abgenommen hätte, schrieb der Filmkritiker Michael Althen in seinem Nachruf auf die Leinwand-Ikone: "Weil nur sie als Frau und Kind zugleich glaubhaft wirken konnte, und weil nur bei ihr Unschuld und Leidenschaft keine Widersprüche waren." Am 4.Mai wäre sie 90 Jahre alt geworden. Feiern lässt sich dieses Ereignis ganz wunderbar mit "Charade" von Stanley Donen, der jetzt bei Arthaus zum ersten Mal auf Blu-ray und digital aufbereitet als DVD erschienen ist.

Schon vor dem Vorspann rollt die erste Leiche aus einem Zug. Dann schlägt der markante Titelsong von Henry Mancini einen Ton an, der von Anfang an, den kriminellen Drive eines Thrillers mit dem Champagnerprickeln einer Screwball-Komödie verbindet. Mit dem nächsten Schnitt wechselt der Film von der finsteren Nacht ins grelle Licht eines französischen Luxus-Ski-Resorts. Die Waffe, die hier heimlich aus dem Hinterhalt auf die von Audrey Hepburn gespielte Amerikanerin Regina Lampert gerichtet wird, entpuppt sich als Scherzartikel, mit dem ein kleiner Junge keine tödliche Kugel, sondern nur eine Ladung Wasser verspritzt wird, mitten ins Gesicht von Audrey Hepburn, die in der Sonne ausgiebig frühstückt. So wie schon hier die tödliche Gefahr zum albernen Kinderspiel wird, wechselt der Film in schwindelerregendem Tempo zwischen spannendem Thriller und romantischer Komödie. Alsbald entspinnt sich ein spritziger Flirt mit einem galanten Herrn mit ergrauten Schläfen, dem Cary Grant seinen distinguiert zurückhaltenden Charme verleiht: "Hat Shakespeare nicht gesagt, Fremde, die sich in fernen Landen begegnen, sollten danach trachten sich wieder zu sehen?" – "So was hat Shakespeare niemals gesagt." – "Woher wissen Sie das?" – "Weil es schlecht ist, das haben Sie grad selber erfunden." – "Aber es klingt doch gut, rufen Sie mich mal an?" "Stehen Sie im Telefonbuch?"

Obwohl Audrey Hepburn für damalige Verhältnisse ausgesprochen forsch zur Sache geht, zumal sie hier noch nicht weiß, dass sie Witwe ist, wirkt sie dabei keineswegs aufdringlich, ja - auf ihre unvergleichliche Weise geradezu unschuldig. Kurz darauf kehrt Regina in eine weitläufige Pariser Altbau-Wohnung zurück, aus der alle Möbel und Besitztümer verschwunden sind. Stattdessen steht bald ein französischer Kommissar vor ihr und fordert sie auf, ihn ins Leichenschauhaus zu begleiten, um ihren Mann zu identifizieren: "Haben Sie ihn geliebt? Antworten Sie!" – "Mir ist sehr kalt, ich möchte gehen." Damit meint Regina, nicht nur die niedrigen Temperaturen in der Leichenhalle, sondern auch die Gefühle in einer Ehe, die sie gerade durch Scheidung beenden wollte. Die schlagfertigen und immer wieder vieldeutigen Dialoge tragen viel zum besonderen Reiz dieses Films bei, zusammen mit der Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern. Nach Humphrey Bogart, William Holden, Fred Astaire und Gary Cooper war Cary Grant ein weiterer der sehr viel älteren Stars, an deren Seite Audrey Hepburn ihre ewige Jugend kultivieren konnte. Schon ganz früh spricht Regina mit ihrer französischen Freundin über die Heimlichkeiten ihres Mannes. "Wenn Charles wenigstens aufrichtig zu mir wäre, das ist doch nicht zu viel verlangt, aber bei Charles besteht alles nur aus Geheimnissen und Lügen ..."

Wie tiefgreifend diese Geheimnisse wirklich waren, ahnt sie da noch nicht. Nach dem gewaltsamen Tod ihres Mannes wird sie von einer ganzen Reihe finsterer Gestalten bedroht, die hinter 250.000 Dollar her sind, von denen Regina nichts weiß. Und dann meldet sich noch ein gewisser Hamilton Bartholomew, der behauptet im Auftrag des CIA nach dem Geld zu suchen. Aber auch an den wahren Absichten des von Cary Grant gespielten, galanten Beschützers, kommen Zweifel auf, als einer der Männer die dem Geld nachjagen, sie warnt: "Dyle so heißt der Mann, was ist los, ist er noch da? Trauen Sie dem Knaben nicht, er ist auch hinter dem Geld her. Erzählen Sie ihm bloß nichts ..."

Extrem spannender und vieldeutiger Film

Im Wechselbad der Gefühle zwischen Angst und Liebe rennt Regina mal panisch vor diesem Mann mit den vielen Identitäten davon, nur um ihn im nächsten Moment wieder seinen Schutz zu suchen, zum Beispiel als sie ihn bittet doch in ihrem Hotelzimmer zu duschen, ein Wunsch, den Cary Grant als vollendeter Gentleman zunächst abwehrt:

"Das ist eine alberne Situation, ich kenn ein Dutzend Männer, die sich danach sehnen, meine Dusche zu benutzen." – "Na, dann ruf doch einen!" - "Du traust dich nicht ... Nanu, was machst du?" – "Ich zieh mir die Schuhe aus, was sonst hast du schon mal gesehen, dass jemand beim Baden die Schuhe anbehält." (summt) "Ich singe immer ein Potpourri alter Schlager, wenn ich bade. Hast du einen Wunsch? - "Mach die Tür zu" – "Tut mir leid, Madmoiselle, aber den Schlager kenn ich nicht ...." "Du sollst die Tür zumachen!" - "Weshalb, komm doch rein und schau zu" (summt "Singing in the Rain")

Im eleganten schwarzen Anzug mit weißem Hemd und Krawatte unter der Dusche gibt er dann dem Klassiker "Singing in the Rain" eine ganz neue Bedeutung, wie dieser wunderbar leichte und zugleich extrem spannende und vieldeutige Film überhaupt immer wieder Bezug nimmt auf die große Filmgeschichte von Paris.

"Charade" ist bei Arthaus erschienen und kostet rund 10 Euro. Parallel sind zwei weitere Filme mit dem großen Cary Grant neu auf Blu-ray erschienen, die Liebeskomödie "Indiskret" mit Ingrid Bergmann, und die romantische Kriegskomödie "Unternehmen Petticoat" mit Tony Curtis.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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