"Das Ende der Wahrheit": Ronald Zehrfeld
Bild: 2018 PROKINO Filmverleih GmbH / Walker + Worm Film / Bernd Schuller

Thriller - "Das Ende der Wahrheit"

Bewertung:

Von James Bond bis Jason Bourne haben Geheimdienste wie der britische MI6 und die amerikanische CIA schon sehr viel Stoff fürs Kino geliefert. Geschichten über die Arbeit des BND, des bundesdeutschen Nachrichtendienstes sucht man dagegen vergeblich. Das ändert sich jetzt: Nach seinem Polizeifilm "Wir waren Könige" handelt der neue Film von Philipp Leinemann "Das Ende der Wahrheit" von den internationalen Verstrickungen des BND, hochkarätig besetzt unter anderem mit Ronald Zehrfeld, Alexander Fehling und Claudia Michelesen.

Ronald Zehrfeld spielt den BND-Agenten Martin Behrens, der sich gleich in den ersten Szenen recht aggressiv in die Befragung eines Asylbewerbers einmischt. Im Tausch gegen das Asylversprechen will er den Mann als Informanten gewinnen, um früh an mögliche Gefährder heranzukommen. Im Anschluss kommt es zu einem Drohnenangriff im fiktiven Staat Zahiristan. Es geht darum, wie die Arbeit des BND im komplizierten Geflecht von wirtschaftlichen und politischen Interessen behindert wird. Als direkte Folge des Drohnenangriffts stribt in einem Anschlag in einem Münchner Café eine Journalistin die genau diese Zusammenhänge recherchiert hat. Und weil Martin Behrens mit ihr eine verbotene Affäre hatte, wird die Angelegenheit für ihn sehr persönlich, er versucht der Sache auf den Grund zu gehen und stellt sich dabei auch gegen seine Vorgesetzten.

Grauzone

Doch es geht dem Regisseur nicht darum, den BND als Institution zu kritisieren, stattdessen will er eine Welt erkunden, die kaum jemand kennt, uns aber alle betrifft, im Grunde auf ganz ähnliche Weise wie in "Wir waren Könige" wo Leinemann den Zuschauer zum Teil des Sondereinsatzkommandos machte. Statt um klare Trennlinien zwischen Gut und Böse, schwarz und weiß, geht es um die Grauzonen der Geheimdienstarbeit und darum wie schwer es ist, in einer immer komplizierter vernetzten Welt, einem klar definierten moralischen Kompass zu folgen.

Im Vergleich mit amerikanischen Agententhrillern ist "Das Ende der Wahrheit" sehr stark in der Wirklichkeit verwurzelt. Philipp Leinemann, der auch das Drehbuch geschrieben hat, hat jahrelang recherchiert, zahllose Bücher gelesen, über Drohnenkriege, über die Waffenindustrie, über Lobbyismus und hat, so weit möglich mit BND-Mitarbeitern gesprochen. Das heißt dann, dass eine Kampfszene im fiktiven arabischen Staat kein großer Heldenmoment ist, sondern ein Hinterhalt, in dem es keine sichtbaren Gegner gibt und einer der Agenten eine ganz menschliche Panikattacke erleidet, aus Angst kotzt und gegen jede Vernunft aus der Deckung läuft. Obwohl die Geschichte fiktiv konstruiert ist, ist sie mit Realität unterfüttert.

"Das Ende der Wahrheit": Claudia Michelsen, Walter Kreye
Bild: 2018 PROKINO Filmverleih GmbH / Walker + Worm Film / Bernd Schuller

Überzeugend

Angesichts eines überschaubaren Budgets von 2 Millionen Euro muss man Regisseur und Team höchsten Respekt zollen. Obwohl die Kriegshandlungen nicht in Krisengebieten, sondern auf einer sicheren Insel gedreht wurden, wirken die Bilder kinoträchtig sinnlich und dynamisch, dabei aber nie übertrieben künstlich hochgetunt, sondern immer in einer möglichen Realität verwurzelt. Mit Ronald Zehrfeld, Axel Prahl, Claudia Michelsen ist der Film hochkarätig besetzt.

Alexander Fehling hat für seine Darstellung am vergangenen Freitag bei der Verleihung der deutschen Filmpreise eine goldene Lola für die beste, männliche Nebenrolle bekommen. Er spielt den jungen Leiter des Krisenstabs, dem viel erfahreneren Agenten formal vorgesetzt, im Feld aber ein absolutes Greenhorn, zunächst auch richtig nervig, autoritätsgläubig und schon äußerlich ein weltfremder Büro-Nerd, in biederer Aufmachung, mit unmöglicher Frisur und Oberlehrer-Brille. Umso schöner ist es dabei zuzuschauen, wie er sich wandelt, wie er langsam lernt, hinter die Oberflächen zu schauen, um dann mit Behrens am selben Strang zu ziehen. Diese innere Wandlung einer Figur voller Widersprüche macht diese zunächst ausgesprochen undankbare Rolle wahrlich filmpreiswürdig.

"Das Ende der Wahrheit" ist ein überzeugendes deutsches Genrestück, ein Politthriller, der nicht nur spannend und unterhaltsam ist, sondern auch ein komplexer Kommentar zu unserer komplizierten Welt.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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