Das Familienfoto: Vanessa Paradis
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Tragikomödie - Das Familienfoto

Bewertung:

Auch wenn in dieser Familie Vieles nicht mehr funktioniert, der Tod bringt sie alle nochmal zusammen.

Bei der Beerdigung des frisch verstorbenen Großvaters lässt Cecilia Rouaud ("Borderline", "Hand aufs Herz") die Protagonisten ihrer Tragikkomödie "Das Familienfoto" erstmals aufmarschieren: Großmutter Mamie (Claudette Walker) hat Alzheimer und vergisst schon auf dem Weg zum Grab, wer hier eigentlich beerdigt wird. Sohn Piere (Jean-Piere Bacri) hat die Familie seit längerem verlassen und kommt an der Seite seiner Sekretärin, was seine Ex-Frau Claudine (Chantal Lauby) wiederum gar nicht lustig findet.

Generation der Enkel

Der Fokus liegt aber auf der Generation der Enkel: allesamt Mittdreißiger, die erkennbar unter den Neurosen ihrer Eltern gelitten haben: Gabrielle, die Älteste (Vanessa Paradis) weiß nichts Rechtes mit ihrem Leben anzufangen, ist alleinerziehend mit einem halbwüchsigen Sohn und arbeitet als lebende Statue auf der Ile de la Cité. Ihr Bruder Mao (Pierre Deladonchamps) ist zwar beruflich erfolgreich als Computerspiel-Designer, kämpft aber ständig mit Depressionen und hat Suizid-Gedanken. Und schließlich Elsa (Camille Cottin), die Dritte im Bunde, die am ehesten mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen scheint – doch auch sie hat ein Problem: Sie würde nämlich gerne ein Kind bekommen und wird nicht schwanger.

Das Familienfoto: Camille Cottin, Vanessa Paradis
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Ganz normaler Wahnsinn

"Das Familienfoto" zeigt den ganz normalen Wahnsinn einer Pariser Familie: Die Eltern auf dem Selbsterfahrungs-Trip, die Kinder auf der Suche nach einem Platz im Leben - die Oma, die eigentlich die Familie immer zusammengehalten hat, wird da auf einmal zur Belastung. Ihr Wunsch, im geliebten St. Julien zu sterben, wo sie mit den Enkelkindern einst die Sommmerferien verbracht hat und wo die schönsten Familienfotos entstanden sind, wird überhaupt nicht ernstgenommen.

Cecilia Rouaud erzählt ihre Geschichte beinahe beiläufig, ohne Herz-Schmerz Klischees und unnötige Schwarzweiß-Malerei. Die Kamera von Alexis Kavyrchine ist immer dabei, wird aber nie penetrant oder voyeuristisch und die Schauspieler-Riege um Chanson-Star Vanessa Paradis passt sich dem unaufgeregten Ton des Drehbuchs an. "Das Familienfoto" ist ein Film, der humorvoll ist, ohne in Albernheiten abzugleiten, der berührend ist, aber nicht kitschig – und der am Ende eine Botschaft bereithält: Unter Freundschaften oder Beziehungen kann man irgendwann einen Schlussstrich ziehen, wenn man das Gefühl hat, es geht nicht mehr. Aber Familie bleibt immer Familie – im Guten wie im Bösen.

Carsten Beyer, rbbKultur

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