CHRISTY TURLINGTON, CINDY CRAWFORD, LINDA EVANGELISTA, NAOMI CAMPBELL, TATJANA PATITZ, VOGUE GREAT BRITAIN, NEW YORK, USA, 1989
Bild: dcm

Dokumentarfilm - Peter Lindbergh - Women’s Stories

Bewertung:

Der deutsche Fotograf Peter Lindbergh hat internationale Supermodels wie Naomi Campbell, Linda Evangelista und Cindy Crawford erschaffen. Seit dem 30.5. läuft eine Dokumentation über diesen Magier der Kamera in unsere Kinos. Inszeniert hat sie der Dokuementarfilmregisseur Jean Michel Vecchiet, der schon den Graffiti-Maler Jean Michel Basquiat dokumentarisch eingefangen hat.

Bekannt ist Lindbergh vor allem dafür, dass er den frischen Wind der Realität in die Modefotografie geholt hat. Statt die überidisch schönen Luxusgeschöpfe der Modewelt einfach posieren zu lassen hat er sie immer wieder ganz unmittelbar in reale Situationen geworfen, in den Kohlebergwerken des Ruhrgebiets, in den wuselnden Straßen des Latino-Viertels von Los Angeles, in Wind und Regen an einsamen südfranzösischen Stränden.

Durch das Aufeinandertreffen extremer Gegensätze von pulsierender Realität und künstlicher Modewelt entstehen ganz neue Geschichten und Spannungsverhältnisse. Dazu kommen Inszenierungen aus  der Welt des Kinos, Sciencefiction-Szenarien, in denen die Models in der Wüste auf bizarre Aliens treffen oder durch die Crime Scene eines Film Noir laufen.

PETER LINDBERGH
Peter Lindbergh | Bild: dcm/Stefan Rappo

Die Frauen seines Lebens

Da Lindbergh auf Fragen über seine Arbeit und sein Leben immer nur sehr ausweichend und vage antwortet, hat Vecchiet die Frauen seines Lebens einbezogen, aus dem Arbeitsumfeld die Modelle, mit denen er über viele Jahre kontinuierlich zusammenarbeitet, berühmte Schauspielerinnen wie Jeanne Moreau, Charlotte Rampling, Nicole Kidman, die sich vor seiner Kamera physisch und seelisch entblößen, Modemagazinredakteurinnen, die seinem neuen Stil den Weg bereitet haben, aber auch aus dem Privatleben, Exfrauen, die aktuelle Lebensgefährtin und die Schwester, die viel über die Kindheit erzählen kann.

In vielen Facetten auf die Leinwand getupft

Vecchiet nimmt den rauen, luftigen Stil der Fotos, die Lindbergh oft unter fluiden Bedingungen, in Dunst und Nebel, in Dampf und Rauch aufnimmt und sogar in Wind und Regen, wenn andere Fotografen abbrechen, in seine eigenen Bilder auf.

So wie in den Fotos ist auch im Film nichts starr und fest gefügt, bleibt alles immer in Bewegung,. Aus Fotos und Filmen über die Fotoaufnahmen und den vielen Gesprächen mit den Frauen in Lindberghs Leben, komponiert Vecchiet eine Lebensgeschichte, die in vielen verschiedenen Facetten auf die Leinwand getupft ist. So rastlos wie der Fotograf im Leben, springt auch Vecchiet zwischen den Zeiten und den Orten.

Meistens sind diese Gespärche nicht in Form klassischer Talking Heads eingeflochten, sondern nur aus dem Off zu hören und durch assoziative Bilder ergänzt.

Eine luftig flirrende Hommage

Über Jahrzehnte hinweg hat Vecchiet den Fotografen freundschaftlich mit der Kamera begleitet, wodurch immer wieder eine intime Vertrautheit entsteht. Bbeispielsweise wenn Lindbergh auf Stromboli seine Frau mit der Kamera einfängt: "Nichts ist schöner, als die Frau zu fotografieren, die man liebt.", sagt er und fängt sie in atemraubend flüchtigen und poetisch zärtlichen Bildern ein Bildern ein.

"Peter Lindbergh - Women’s Stories" ist eine luftig flirrende Hommage aus assoziativ und künstlerisch aufeinander bezogenen Bildern und Tönen, die die Arbeitsweise des Fotografen ebenso einfängt wie seine quecksilbrig rastlose Persönlichkeit.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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