Sunset over Hollywood: Scripttreffen
Bild: © Konrad Waldmann

Dokumentation - Sunset over Hollywood

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Im neuesten Werk des aus Schwerin stammenden Dokumentarfilmregisseurs Uli Gaulke, "Sunset over Hollywood", geht es um ein Seniorenheim speziell für Filmschaffende aller Art.

Bekannt wurde der aus Schwerin stammende Dokumentarfilmregisseur Uli Gaulke mit seinem Hochschulabschlussfilm "Havanna, mi Amor" über kubanische Telenovela-Fans. Seitdem hat er das Thema Kino und Fernsehen immer wieder aus originellen Perspektiven gestreift, unter anderem in "Comrades in Dreams – Leinwandfieber" über Kinobetreiber in Afrika, Korea, Indien und den USA. In seinem neuesten Werk "Sunset over Hollywood" geht es jetzt um ein Seniorenheim speziell für Filmschaffende aller Art.

Sunset over Hollywood: Joel & Deborah Rogosin
Bild: © Konrad Waldmann

Ausschließlich für Senioren der Film- und Fernsehindustrie

Gegründet wurde dieses am Ende des berühmten Mulholland Drive gelegene "Motion Picture & Television Country House" schon 1940. Finanziert wurde es lange Zeit aus den Mitteln des "Motion Picture & Television Fund".

Seit vor zehn Jahren wegen finanzieller Engpässe die Schließung drohte, wird es zu großen Teilen von Spenden berühmter Stars wie Kirk Douglas, Jodie Foster oder George Clooney finanziert. So hat Kirk Douglas etwa anlässlich seines 99.Geburtstags 15 Millionen Dollar für ein Krankenhaus auf dem Gelände gespendet. Genutzt werden kann es ausschließlich von Senioren der Film- und Fernsehindustrie, dazu gehörten in der Vergangenheit große Filmstars wie Zsa Zsa Gabor oder Mary Astor, vor allem aber weniger bekannte Leute, die hinter der Kamera, als Produzenten, als Kameraleute, Cutter,  Ausstatter oder vor der Kamera als Statisten gearbeitet haben.

Der Preis für die Unterbringung richtet sich nach dem Vermögen, das heißt relativ mittellose Filmschaffende dürfen kostenlos dort wohnen.

Sunset over Hollywood: Jerry Kaufmann
Bild: © Konrad Waldmann

Lebenselixier Kreativität

Mit der Tristesse von Wohnheimen, in denen alte Menschen auf engstem Raum in kleinen Kabinenzimmerchen ein trauriges Dasein fristen, hat das gar nichts zu tun. Auf einem weitläufigen Gelände gibt es lauter unterschiedliche Bungalows, mit Gartenanlagen und Wegen, auf denen die hochbetagten Filmschaffenden auf Scootern, Elektromobilen und in Gelände-Taxis herumkurven. In einem großes Kino werden nicht nur alte Filme, sondern auch Eigenproduktionen gezeigt, denn das Filmseniorenheim hat ein eigenes Filmstudio.

Zu den Highlights des Films gehört eine Arbeitsgruppe, in der die Geschichte von Rick und Elsa aus "Casablanca" weitergesponnen wird. Einer der Drehbuchautoren schlägt vor, dass Rick und der Captain inzwischen das Liebespaar sind, und in Mexiko das "Lick’s Café" betreiben. Man spürt was für ein Lebenselixier diese Form der Kreativität ist, ganz ähnlich wie vor einigen Jahren in der Dokumentation "Young @heart" über den gleichnamigen amerikanischen Seniorenchor.

Eine Bühne für Lebensgeschichten

Uli Gaulke mischt sich ganz beiläufig in den Tagesablauf ein, ohne Selbst als Interviewer in Erscheinung zu treten. Stattdessen überlässt er die Bühne ganz diesen Menschen, in manche Lebensgeschichten taucht er ein bisschen tiefer ein, unter anderem der Sohn des berühmten Produzenten David O’Selznick (Vom Winde verweht) weiterhin  Autoren und Produzenten, die für Kultserien wie "Bonanza" oder "Die Leute von der Shiloh Ranch" verantwortlich waren.

Oder die 104jährige Connie Sawyer, die älteste aktive Schauspielerin der Welt, die unter anderem neben Frank Sinatra, Kirk Douglas, Susan Hayward, Bruce Willis und Jack Nicholson kleine Rollen gespielt hat und während der Dreharbeiten immer noch zu Castings ging. Inzwischen ist sie gestorben, Uli Gaulke hat ihr seinen Film gewidmet.

Insidergeschichten aus dem klassischen Hollywood

Der Film lebt von diesem Geschichtenschatz, der immer wieder von eingespielten Filmausschnitten unterfüttert wird. Insidergeschichten aus dem klassischen Hollywood wechseln mit private Lebensgeschichten, darunter auch eine junge Liebe unter den lebensfreudigen Senioren.

Seinen Zauber verdankt der Film all diesen wunderbaren Leuten und der Zärtlichkeit und dem feinen Gespür für Komik , mit dem Uli Gaulke sie einfängt.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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