Szene aus "Britt Marie war hier"
Bild: PROKINO Filmverleih GmbH

Drama - Britt Marie war hier

Bewertung:

Nach 40 Jahren Hausfrauendasein packt Britt Marie ihre Koffer, sucht sich einen bezahlten Job im Freizeitheim eines kleinen Provinzkaffs, in dem sie ohne irgendwelche Vorkenntnisse das Training der desolaten Jugendfußballmannschaft übernimmt.

Vor drei Jahren wurden die deutschen Kinozuschauer von einem pedantischen und grantigen, alten Herrn bezaubert. Unerbittlich zog der missmutige Witwer in seiner spießigen Vorort-Wohnsiedlung gegen Falschfahrer, Fahrradabsteller und pinkelnde Hunde zu Felde, wurde dann aber von einer entwaffnend lebenslustigen Nachbarin aus der Reserve gelockt und zu neuer Lebensfreude verführt. Erdacht hat diesen widerspenstigen Helden der norwegische Autor Fredrick Backman. Jetzt kommt eine weitere Romanverfilmung von ihm in unsere Kinos, "Britt-Marie war hier", inszeniert von der Schauspielerin Tuva Novotny.

Filmszene "Britt Marie war hier "
Bild: PROKINO Filmverleih GmbH

Eine subversive Mischung aus Ernüchterung und Widerstandsfähigkeit

Britt Marie ist mit ihren 63 Jahren zwar noch nicht im Rentenalter, dennoch gibt es gewisse Ähnlichkeiten mit Ove,, eine ganz ähnlich subversive Mischung aus Ernüchterung und Widerstandsfähigkeit.

In einer flotten Einführung, führt Britt-Marie ihr rigides Ordnungssystem in ihrem Ehehaushalt vor. Auch der unvermittelt über sie hereinbrechenden, emotionalen Unordnung nach einem Seitensprung ihres Mannes begegnet sie mit ähnlichem Pragmatismus.

Nach 40 Jahren Hausfrauendasein packt sie ihre Koffer, sucht sich einen bezahlten Job im Freizeitheim eines kleinen Provinzkaffs, in dem sie ohne irgendwelche Vorkenntnisse auch gleich das Training der desolaten Jugendfußballmannschaft übernimmt. Ziemlich schnell zeigt sich, dass sich in dieser doch recht konventionell gestrickten Geschichte alle Lebensrezepte und -weisheiten vom Fußball ableiten lassen.

Sympathisch ist, dass das vorprogrammierte Happy End kein wundersamer Sieg ist, sondern nur ein kleiner Teilerfolg, der gerade genug Mut zum Weitermachen verleiht.

Eher harmlos

"Britt Marie war hier" ist die zweite Regiearbeit der norwegischen Schauspielerin Tuva Novoty, nach "Blindspot", der verstörenden Chronik eines Schülerinnen-Selbstmords, die in einer einzigen atemlosen Einstellung gedreht war. Im Vergleich mit diesem intensiven Drama wirkt die Fredrick Backman-Verfilmung "Britt Marie war hier" eher harmlos.

Ein Ereignis ist die dänische Regisseurin und Schauspielerin Pernilla August als Darstellerin von Britt-Marie, einerseits sehr geerdet und standfest, andererseits mit einer ganz feinen Brechung, mit einem Hauch von Subversion.

Sie ist immer mehr als eine spießige Hausfrau, eine eigenwillige Heldin, die nicht in die üblichen Schemata von leichter Komödie oder schwerem Drama passt, und auch nicht sofort einen neuen Mann braucht, obwohl sie vom Dorfpolizisten auf charmant linkische Weise umworben wird.

Sie ist das Kraftfeld im Zentrum dieses Films, um das sich dann noch jede Menge Nebendarsteller gruppieren, die Kinder des Fußballteams, eine bunte kleine Gesellschaft von widerspenstigen Multikulti-Kids, aber auch eine ganze Reihe von mehr oder weniger skurrilen Dorfbewohnern, die als Charaktere aber nur flüchtig skizziert werden.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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