EINE MORALISCHE ENTSCHEIDUNG
Noori Pictrues
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Drama - EINE MORALISCHE ENTSCHEIDUNG

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Immer wieder findet ein iranischer Film den Weg auch in die deutschen Kinos. Wie jetzt das Drama "Eine moralische Entscheidung" des Regisseurs Vahid Jalilvand, in dem er von einer kleinen Geschichte mit großen Folgen erzählt.

Gerade steht der Iran wieder einmal im Mittelpunkt der Weltpolitik. Wir wissen wenig aus diesem vom Irak-Krieg gebeutelten Land, in dem Mann und Frau noch lange nicht gleichberechtigt sind und es das Kino schwer hat.  Dennoch findet immer wieder ein iranischer Film den Weg auch in die deutschen Kinos. Wie jetzt das Drama EINE MORALISCHE ENTSCHEIDUNG des Regisseurs Vahid Jalilvand in dem er von einer kleinen Geschichte mit großen Folgen erzählt.

Der Beginn des Zweifels

Versehentlich touchiert ein Autofahrer ein Moped auf dem eine vierköpfige Familie sitzt. Die Familie stürzt, der achtjährige Junge ist leicht verletzt. Der Arzt bietet seine Hilfe an, will den kleinen Jungen ins Krankenhaus bringen, doch sein Vater will das nicht. So gibt er dem Familienvater Geld, bittet ihn aber, seinen Sohn unbedingt noch einmal untersuchen zu lassen. Man trennt sich.

Als der Arzt am nächsten Morgen ins Krankenhaus kommt, liegt der kleine Junge auf einer Bahre. Tot. Kaveh, der Arzt, glaubt sich schuldig. Glaubt auch dem Ergebnis der Autopsie nicht, die besagt, dass der Junge an einer Fleischvergiftung gestorben ist.

Er beginnt, an allem zu zweifeln. Obwohl das System in dem er lebt – Krankenhaus, Freundin – funktioniert und er seinen festen Platz darin hat, spielt all das jetzt keine Rolle mehr. Seine Selbstzweifel werfen ihn völlig auf sich zurück.

In dieser Geschichte von Schuld und Moral, Verantwortung und Gefangensein geht es um zutiefst Menschliches: Wie verhält man sich, wenn man glaubt, am Tod eines Anderen Schuld zu sein.

Gefangene des Schicksals

Ähnlich geht es dem Familienvater. Nur unter ganz anderen Vorzeichen. Er nämlich hat das verdorbene Fleisch besorgt, an dem sein Sohn gestorben ist. Es war billig und er hatte kein Geld. Das verzeiht ihm seine Frau nicht, sie verlässt ihn

Für ihn bricht alles zusammen. Er ist nicht wie der Arzt nur innerlich verunsichert, sondern ihm bricht alles weg in seiner ohnehin ärmlichen Existenz. Er greift zur Selbstjustiz und rächt sich an dem Verkäufer des Fleisches.

Für ihn ist es wie eine Spirale, die sich immer weiterdreht, aus der man nicht ausbrechen kann. Er ist ein Gefangener seines Schicksals. Dagegen hat man bei dem Arzt das Gefühl, er sieht seine Schuld auch darin, dass er gesellschaftlich privilegiert ist. Wofür er sich zu schämen beginnt.

Zwei Welten, die sich sonst nie begegnet wären

In dieser Geschichte von Schuld und Moral, Verantwortung und Gefangensein geht es um zutiefst Menschliches: Wie verhält man sich, wenn man glaubt, am Tod eines Anderen Schuld zu sein.

Diese Frage stellen sich beide Männer und jeder handelt systemimmanent, nämlich so wie seine Gesellschaftsschicht es erlaubt. Es ist der tragische Aufeinanderprall zweier Welten, die sich sonst nie begegnet wären. Scheint der Konflikt eigentlich sehr schnell geklärt, gibt es immer wieder neue Nebenschauplätze und die Geschichte entwickelt eine ganz eigene, sehr intensive Dynamik.

Jalilvand nun zählt zu der jüngeren, der neuen Generation iranischer Filmemacher. 1976 in Teheran geboren, arbeitete er als Cutter und Theaterregisseur und auch für das Staatsfernsehen. "Eine moralische Entscheidung" ist sein zweiter Kinofilm, für den er 2017 beim Filmfest in Venedig den Preis für die beste Regie bekam.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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