Juliette Binoche und Vincent Macaigne in "Zwischen den Zeilen"
Ad Vitam
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Komödie - Zwischen den Zeilen

Bewertung:

Der letzte Film des französischen Regisseurs Olivier Assayas war "Personal Shopper". 2014 kamen "Die Wolken von Sils Maria" mit Juliette Binoche ins Kino. Auch in seinem neuen Film "Zwischen den Zeilen" spielt Binoche wieder eine Hauptrolle: als Schauspielerin, die mit ihrem Beruf hadert. 

Diesmal mitten in der intellektuellen Kulturszene von Paris, die sich hier vor allem um das Leben und Überleben in Zeiten der Digitalisierung Sorgen macht. Und da fast jeder in dieser turbulenten und dialogreichen Komödie irgendwie mit der Welt des Buches zu tun hat, geht es um vor allem um das Überleben des Buches. Vordergründig zumindest.

Juliette Binoche ist als Seriendarstellerin eher eine Außenseiterin. Ihr Mann aber ist Verleger, ihr Geliebter Buchautor, die Geliebte ihres Mannes ist zuständig für die Digitalisierung im Verlag und überhaupt reden alle bei jeder sich bietenden Gelegenheit darüber, ob die Verlagsbranche sich selbst überholt hat, und ob der Untergang des Buches bereits begonnen hat.

Guillaume Canet in "Zwischen den Zeilen"
Bild: Alamode Film

Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern

"Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern" – dies Zitat von Lampedusa aus "Il Gattopardo" wird hier von der Frau fürs Digitale genussvoll zitiert und bringt den Konflikt auf den Punkt.

Aber es es geht natürlich um viel mehr: Es geht um Liebe und Freundschaft, Lüge und Wahrheit, im weitesten Sinne um das Verhältnis von Leben und Kunst. Und so dienen die theoretischen Überlegungen vor allem als Basis für ein komplexes Beziehungsgewirr.

Kleine Rache und große Geständnisse

Da ist zum Beispiel der ehemals erfolgreiche Autor, ein ungepflegter, eitler und selbstbezogener Typ, der in seinen Büchern nichts anderes tut, als seine Frauengeschichten auszuschlachten.Wie seine Affaire mit der attraktiven Frau seines Verlegers - Juliette Binoche, großartig, mit welcher Leichtigkeit sie sich ihrer Figur nährt.

Ob ihr Mann von dieser Affaire ahnt – "zwischen den Zeilen" liest und deshalb das neue Manuskript des Autors ablehnt, oder wirklich weil ihn dessen Frauenbild abstößt, das bleibt sein Geheimnis. Überhaupt sind alle hier mit ihren eigenen Geschichten beschäftigt, mit kleiner Rache und großen Geständnissen.

Hier wird in erster Linie gesprochen

Wie Assayas sagt, ist dies das erste Drehbuch, in dem er sich von Szene zu Szene treiben ließ, ohne selbst genau zu wissen, wohin er eigentlich will. Das Ergebnis erinnert an die Filme Eric Rohmers, der das französische Kino und auch Assayas entscheidend geprägt hat.

Denn auch hier wird in erster Linie gesprochen: in Zweier- und Dreierkonstellationen, in Gruppen. Immer sehen wir redende Menschen. Es gibt nur wenige Außeneinstellungen, ab und zu, vielleicht mal beim Verlassen des Cafés oder beim Besuch im Ferienhaus am Meer. Sonst befinden wir uns die ganze Zeit drin, gefangen in großbürgerlichen Altbauwohnungen voller Bücher, im Verlag oder in Hotelzimmern, wo die heimliche Lust ausgelebt wird.

Der Fokus des Films aber liegt auf der Reflexion, der Frage, wo wir als denkende Menschen uns befinden, unter anderem nämlich auf dem "Schlachtfeld der Kommunikation". Dass Assayas weitergehend nicht für sich in Anspruch nimmt, eine Antwort oder gar eine Lösung für die Zukunft des Buches und seiner leidenschaftlichen Leser zu haben, macht diesen Film noch einmal sympathisch.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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