Himesh Patel in "Yesterday"
Bild: Jonathan Prime © Universal Pictures

Eine Welt ohne die Beatles - Danny Boyle: "Yesterday"

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Stellen Sie sich vor, wie die Welt aussähe, wenn es die Beatles nie gegeben hätte: Und schon sind Sie mitten im neuesten Film des britischen Regisseurs Danny Boyle.

Nach einem globalen Stromausfall ist Jack Malik der einzige Mensch, der die berühmten Songs der Beatles noch kennt.

Himesh Patel in "Yesterday"
Bild: Jonathan Prime/Universal Pictures

Ein Stromausfall eröffnet ein Paralleluniversum ohne die Beatles

Jack Malik ist ein indisch-britischer Singer Songwriter, mit einer ausgesprochen  kleinen Fangemeinde, die vorwiegend aus engen Freunden besteht, angeführt von seiner Freundin Ellie, die sich nebenberuflich als seine Managerin engagiert.

Nach dem letzten, kläglichen Auftritt beschließt Jack dieses traurige Kapitel zu beenden. Doch bei der Heimfahrt auf dem Fahrrad kommt es zu einem rätselhaften, weltweiten Stromausfall und einem Frontalzusammenstoß mit einem Bus.

Danach scheint erst mal alles so zu sein wie immer, bis Jack  eines Tage den Song "Yesterday" von den Beatles trällert und seine Freunde ihn erstaunt fragen, wann er diesen tollen Song denn geschrieben habe. Völlig konsterniert googelt Jack zuhause und stellt fest,  Beatles sind in diesem Parallel-Universum nur noch Käfer, die Namen John und Paul stehen ausschließlich für Päpste ...

Genialer Musik-Trip oder romantische Komödie?

Glücklicherweise kann Jack (gespielt von dem Standup Komiker Himesh Patel, der bisher allenfalls durch Fernsehserien wie "East Enders" bekannt ist) eine ganze Reihe der berühmten Songs musikalisch und textlich rekapitulieren, hadert aber damit, diesen ungeheuren Schatz in eine Karriere zu verwandeln, vor allem aus der panischen Angst, aufzufliegen.

Dabei nimmt der Film die Mechanismen und die Moral des Musikgeschäfts aufs Korn, denn es fehlt nicht viel und die Vermarktung der erwiesenermaßen genialen Beatles-Songs würde an der uncoolen Jedermann-Erscheinung des Inders Jack Malik scheitern.

Statt diesen interessanten Gedanken zu erforschen, plänkelt der Film mit den Motiven einer romantischen Komödie, die Drehbuchautor Richard Curtis ("Notting Hill", "Bridget Jones") in die hyperdynamische Welt des Regisseurs Danny Boyle bringt. Doch die eher fade und überdeutliche Liebesgeschichte zwischen Jack und seiner Jugendfreundin / Managerin bremst den Drive von Danny Boyle,  der selbst traditionell schwerfällige Wesen wie Zombies und Heroinsüchtige in enormem Tempo durch seine Filme gejagt hat.

Ed Sheeran, Himesh Patel in "Yesterday"
Bild: Jonathan Prime/Universal Pictures

Mit keiner anderen Band der Welt würde dieses Szenario funktionieren

Der Film führt vor, was für ein irrsinniges Werk die Beatles in nur knapp zehn Jahren erschaffen haben und wie sehr sie damit die Popkultur geprägt haben.

Um dieses aberwitzige Gedankenspiel durchziehen zu können, haben sich die Macher des Films die Musikrechte viele Millionen Dollar kosten lassen.

Besonders vergnüglich sind die vielen kleinen Gags, die der Film daraus zieht, wenn ein Musikproduzent allen Ernstes meint,  "Hey Dude" würde doch viel besser klingen als "Hey Jude", wenn die eine oder andere Textzeile in der Erinnerung verrutscht, oder mit den Beatles auch ihre Epigonen von der Bildfläche verschwunden sind.

An diesen vielen Details spürt man Danny Boyles Begeisterung für die Musik, die schon immer ein wichtiger Aspekt seiner Filme war.  Ein besonderer Coup ist der Auftritt des Singer Songwriter-Pop Star Ed Sheeran, der sich hier selber spielt.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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