Geheimnis eines Lebens © 2019 eOne Germany
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Drama - Geheimnis eines Lebens

Bewertung:

Es war eine irre Geschichte: Fast 40 Jahre lang soll die britische Sekretärin Melita Norwood für den KGB und seine Vorgänger-Versionen spioniert und in den frühen vierziger Jahren die Forschungsergebnisse des geheimen Atombomben-Programm Englands, mit dem Codenamen Tube Alloys weitergeleitet haben.

Nach Verfilmungen von Ibsens "Hedda Gabler"und Shakespeares "Was ihr wollt" hat der Theater- und Fernsehregisseur Trevor Nunn diese Geschichte jetzt zum Thema seines dritten Kinofilms gemacht.

Am Anfang des Films sieht man eine harmlos und unschuldig wirkende alte Dame mit grauem Haar und faltigem Gesicht, in Kittelschürze mit Gartenschere in der Hand im Vorgarten eines englischen Kleinstadthauses. Die banale Provinzidylle wird jäh zerschlagen, als Agenten des MI5 ins Haus von Joan Stanley stürmen und sie wegen Verdacht auf Spionage und Hochverrat festnehmen. Die Situation wirkt absurd, die betagte Dame wie das Opfer eines Irrtums: doch dann bröckelt die Fassade unter dem Druck der Anschuldigungen.

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Sonderfall der Geschichte

Trevor Nunn hat die realen Ereignisse sanft verändert, vor allem hat er aus der Sekretärin Melita Norwood die brillante Physikerin Joan Stanley gemacht, die sich in der Männergesellschaft der Atombombenentwickler behaupten muss. Wie einst Dürrenmatts Physiker hadert auch sie nach den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki mit den moralischen Folgen ihrer Erfindung. Als Sonderfall in der Geschichte der Geheimdienste geht es ihr nicht darum, einem politischen Lager Vorteile, sondern allen  gleiche Möglichkeiten zu verschaffen, in einer frühen Version des Gleichgewichts des Schreckens.

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Mittelmäßig

Leider inszeniert der Theatermann Trevor Nunn diese aberwitzige Geschichte ausgesprochen bieder und uninspiriert. Jede im Verhörraum an die betagte Joan (Judi Dench) gerichtete Frage, wird auf geradezu plumpe Weise zur Startrampe in die Vergangenheit, zur jungen Joan( Sophie Cookson), die als Studentin in den Dreißiger Jahren in die Kreise der jungen Kommunisten in Cambridge gerät und sich in einen von ihnen verliebt. AlleCharaktere sind sprunghaft und skizzenhaft oberflächlich angelegt, so dass die progressiven Ideen von Joan Stanley geradezu naiv wirken.

Der generalstabsmäßige Aktionismus der MI5 Agenten läuft ins Leere: Warum die ganze Aufregung, fragt man sich, so viele Jahrzehnte später und im Angesicht einer alten Dame. Tatsächlich wurde das Verfahren ja dann auch in der Realität eingestellt. Allein die Grande Dame Judi lässt gelegentlich etwas geheimnisvoll Vages in ihrem Spiel aufschimmern, doch im Großen und Ganzen ist ihre hohe Kunst des Schauspiels an einen mittelmäßigen Film verschwendet.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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