Antonio Banderas in "Leid und Herrlichkeit"
El Deseo /Studiocanal
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Drama - Leid und Herrlichkeit

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Wenn ein Regisseur einen Film über einen Regisseur dreht, dann kann man zumindest vermuten, dass im Drehbuch auch autobiographische Elemente eine Rolle spielen.  Das ist auch bei "Leid und Herrlichkeit" der Fall,  dem neuen Film des spanischen Filmemachers Pedro Almodóvar.

Der Regisseur, der hier portraitiert wird – ein gewisser Salvador Mallo (Antonio Banderas)  - ist zwar nicht Pedro Almodóvars Alter Ego, aber er hat doch viele Dinge mit seinem Schöpfer gemeinsam: Mallo wächst in den 60er Jahren im spanischen Süden auf – mit einem schwachen Vater (Raúl Arévalo) und einer dominanten Mutter (Penélope Cruz). Er wird von katholischen Priestern erzogen, entdeckt früh seine Liebe zum Film und zu den Männern und geht schließlich nach Madrid, wo er zu einem der angesehensten Filmemacher seines Landes wird.

"Leid und Herrlichkeit" ist vielleicht nicht Pedro Almodóvars bester Film. Es ist aber ein ganz wichtiger, um die künstlerische Philosophie des Spaniers zu verstehen.

Tiefe Schaffenskrise

Soweit die Übereinstimmungen: Der Rest des Drehbuches ist dann aber doch eher fiktiv, denn wir lernen Salvador Mallo in einer tiefen Schaffenskrise kennen. Er lebt ganz und gar zurückgezogen, wird geplagt von chronischen Rückenschmerzen und hat schon lange keinen Film mehr gedreht.

Nur eine Anfrage des spanischen Filmmuseums, das einen seiner alten Filme noch einmal zeigen will, lockt ihn schließlich aus seiner Wohnung. Er trifft Alberto (Asier Etxeandia), den Hauptdarsteller des Films, mit dem er sich bei den Dreharbeiten verkracht hatte. Er beginnt, gemeinsam mit Alberto Drogen zu nehmen, um seine Schmerzen zu bekämpfen und begegnet schließlich seiner alten Liebe Federico (Leonardo Sbaraglia), den Mann, der ihm in seinem Leben an meisten bedeutet hat, der nun aber mit Frau und Kindern in Südamerika lebt.

Penélope Cruz in "Leid und Herrlichkeit"
Bild: Studiocanal/El Deseo/Manolo Pavón

Überraschend selbstkritisch

Leid und Herrlichkeit" ist eine nostalgische Selbstreflexion über Höhen und Tiefen im Leben eines Kreativen. "Nur wer das Leid erlebt hat, kann auch die Herrlichkeit erfahren" – das ist die Botschaft, die Almódovar uns mitgibt.

Dabei zeigt sich der Spanier überraschend selbstkritisch, denn sein Salvador Mallo ist zwar stilsicher und mitunter genial, er kann aber auch unsicher sein, eitel und unzuverlässig.

Antonio Banderas zeigt in der Hauptrolle, das er weit mehr kann als Sonnyboys oder glutäugige Latin Lover zu spielen. Völlig zu Recht wurde er in Cannes für seine Leistung mit der Silbernen Palme als Bester Hauptdarsteller dekoriert.

Auch Penélope Cruz als Mutter Jacinta und Leonardo Sbaraglia als Liebhaber Federico überzeugen und die Bilder von Kameramann Jose Luis Alcaine sind einmal mehr von fast ausseriridischer Schönheit.

 

Carsten Beyer, rbbKultur

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