Sasha Luss als "Anna"
Bild: Copyright Shanna Besson / ©2019 EUROPACORP – TF1 FILMS PRODUCTION

Thriller - Luc Besson "Anna"

Bewertung:

Kunstfiguren, mondäne Amazonen, gefährliche Kriegerinnen, geheimnisvolle Femmes Fatales, entrückte Engel: Immer wieder hat der französische Regisseur und Produzent Luc Besson unwirklich schöne Frauen ins Zentrum seiner Film gestellt und sie oft auch gleich nach ihnen benannt: "Nikita", "Johanna von Orleans", "Angel-A", "Lucy". Jetzt kommt "Anna" in unsere Kinos, gespielt von der Laufstegamazone Sasha Luss, die schon in Bessons letzten Film eine kleine Rolle als Alien hatte. 

Die Matrijoschka-Puppe als Konstruktionsprinzip

Anna ist eine junge Frau mit hellem Alabaster Teint, blaugrünen Augen und langen blonden Haaren, die ihre atemraubende Schönheit zunächst ungeschminkt, im Kapuzenjacken-Schlabberlook herunterspielt.

Im Russland der achtziger Jahre verkauft die unscheinbar wirkende Frau Matrjoschka-Puppen auf dem Markt. Nach dem Vorbild der berühmten Holzpuppen ist auch der Spionage Thriller konstruiert. Zeitebenen und Identitäten sind in ähnlicher Weise ineinander geschachtelt wie die Puppenfiguren.

Auf dem Markt bietet ein englischer Talentscout ihr ein neues Leben als Supermodel in Paris an. In Wirklichkeit ist die Haute Couture-Karriere nur ein Cover für ihre Arbeit als Geheimagentin im Dienst des KGB. So wie vor 30 Jahren Nikita hat nun auch Anna einen Pakt mit der Regierung geschlossen, ihr Einsatz als Hochleistungskillerin für eine Alternative zum Leben in Armut und Gefangenschaft.

Sasha Luss als "Anna"
Bild: Shanna Besson / ©2019 EUROPACORP – TF1 FILMS PRODUCTION

Frauen als Männerfantasie: Geht das noch in den Zeiten von me too?

Der Start des Film wurde mehrfach verschoben, nachdem  2018 neun Frauen den Regisseur wegen sexueller Belästigung und Vergewaltigung angezeigt hatten. Erst nach Einstellung des Verfahrens kommt er jetzt in die Kinos.

Ein inzwischen  60jähriger Regisseur dreht mit atemraubend schönen Models, dieses Klischee konterkariert Besson, so verführerisch diese Laufstegamazonen inszeniert sind, ziehen sie doch ganz selbstbewusst ihr eigenes Ding durch.

Sicher, ganz neu ist das nicht mehr, in Zeiten von Superhelden- und Actionfilmheldinnen wie "Captain Marvel" oder "Wonder Woman", aber Besson macht das schon seit Jahrzehnten, aus der Überzeugung heraus dass es ein Irrtum ist, Frauen für das schwächere Geschlecht zu halten. In Wirklichkeit seien sie so stark wie in seinen Filmen, meistens stärker als die Männer.

Körperakrobatik bis zur Parodie

Besson war immer ein großer Stilist, der Elemente von Comic, Science Fiction, Mode und Popkultur in seine Filme  eingearbeitet hat. Allein die Modeszene sorgt hier bereits für schillernde Schauwerte, mit ständig wechselnden Outfits und Stylings.

Das Spiel mit Vor– und Rückblenden reizt Besson maximal aus. Irrwitzige Actionszenen, in denen Anna sich nur mit der Schlagkraft ihres Körpers und allem was ihr in die Hände kommt gegen Heerscharen von Leibwächtern oder Sowjetsoldaten verteidigt, sind so absurd auf die Spitze getrieben, dass es fast schon zur Parodie geraten.

Helen Mirren in "Anna"
Bild: Shanna Besson / ©2019 EUROPACORP – TF1 FILMS PRODUCTION

Nach Milla Jovovich und zuletzt Rie Rasmussen ist  Sasha Luss die neueste Entdeckung von Luc Besson. Sie überzeugt weniger durch ihre klassisches Schauspiel als durch die geheimnisvolle Aura ihrer Erscheinung. Flankiert wird sie von renommierten Schauspielern  wie Cillian Murphy und Luke Evans, die kolportagehaft angelegte Rollen des taffen Sowjet-Agenten und des coolen amerikanische CIA Agenten ein gewisses Format verleihen. Oscar Preisträgerin Helen Mirren hat einen Höllenspaß, als humpelnde, bissige, humorlose KGB-Matrone vom Leder zu ziehen. 

Fazit

Anna ist eine Art „Best of Besson“, in dem der Regisseur  auf durchaus vergnüglich unterhaltsame Weise alles verarbeitet was seine Filme in den letzten 30 Jahren geprägt hat. 

Anke Sterneborg, rbbKultur

weitere rezensionen

Deutschstunde, hier: Jens Ole Jepsen (Ulrich Noethen) und Siggi Sepsen (Levi Eisenblätter); © Wild Bunch/Georges Pauly
Wild Bunch/Georges Pauly

Drama - "Deutschstunde"

"Deutschstunde" ist das erfolgreichste Werk von Siegfried Lenz. Der Roman aus dem Jahr 1968 setzt sich als einer der ersten mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinander und führt die fatalen Folgen blinden Gehorsams und unreflektierter Pflichterfüllung vor Augen. Jetzt gibt es im Kino eine Neuverfilmung des Romans in der Regie von Christian Schwochow.

Bewertung:
Gelobt sei Gott: Alexandre Guérin (Melvil Poupaud); © Pandora Film
Pandora Film

Drama - "Gelobt sei Gott"

"8 Frauen", "Swimmingpool", "Das Schmuckstück": In den Filmen von François Ozon geht es meistens um schöne Frauen, die schöne Dinge tun. Im Zentrum seines neuesten Films stehen dagegen Männer, die sich mit ausgesprochen unschönen Dingen befassen.

Bewertung:
Nurejew – The White Crow © Alamode Film
© Alamode Film

Drama - "Nurejew – The White Crow"

Rudolf Nurejew ist einer der bedeutendsten Tänzer des 20. Jahrhunderts gewesen. Bücher und Dokumentationen über sein bewegtes Leben, seine Emigration nach Frankreich, seine Liebe zu Männern oder seine Stilkraft auf der Bühne gibt es genug. Eigentlich, so könnte man meinen, braucht es nun nicht unbedingt noch einen Spielfilm. Nichtsdestotrotz kommt nun NUREJEW – THE WHITE CROW in die Kinos.

Bewertung: