Alexandre Landry in "Der unverhoffte Charme des Geldes"
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Krimikomödie mit philosophischer Gesellschaftskritik - "Der unverhoffte Charme des Geldes"

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In dem neuen Film des frankokanadischen Regisseurs Denys Arcand geht es um den unverhofften Charme, den zwei schwarze Stofftaschen voller Geld im Leben eines kapitalismuskritischen Philosophen freisetzen. 

Auf "Der Untergang des amerikanischen Imperiums", mit dem der frankokanadische Regisseur Denys Arcand in den achtziger Jahren international bekannt wurde, folgt jetzt "Der Fall des amerikanischen Imperiums", so der Filmtitel im Original.

Der deutsche Verleihtitel trifft es ausnahmsweise mal viel besser. Denn es geht tatsächlich um den unverhofften Charme, den zwei schwarze Stofftaschen voller Geld im Leben eines kapitalismuskritischen Philosophen freisetzen.

Wie die Jungfrau zum Kinde

Am Anfang vergrault der Kurierbote Pierre-Paul seine Gerade-Noch-Freundin mit einer ausschweifenden Ausführung, warum es ein intelligenter Mensch wie er in der modernen kapitalistischen Welt zu nichts bringen kann.

Kurz darauf fällt ihm die Beute eines schief gelaufenen Raubüberfalls quasi vor die Füße. Flugs packt er sie in seinen Lieferwagen, und gibt sich vor den bald am Tatort auftauchenden Polizisten unwissend.

So beginnteine Art Heist-Movie, in dem es nicht wie sonst darum geht, Geld aus einem Hochsicherheitssafe zu rauben, sondern das zugefallene Geld in Sicherheit zu bringen.

Während ihm sehr skrupellose Gangster, sehr entschlossene Polizisten und sehr wachsame Finanzbeamte auf den Fersen sind, formiert sich ein buntes, subversives Netzwerk von Helfern, zu denen ein Rocker und Eck-Knacki mit Wirtschaftsausbildung, ein Luxus-Callgirl und ihr asiatischer Leinwächter sowie einer ihrer Kunden, ein renommierter Offshore Banker und die Ex-Freundin gehört.

Maripier Morin und Alexandre Landry in "Der unverhoffte Charme des Geldes"
Bild: Cinémaginaire Inc. - FilmTDA Inc.

Eleganter Genremix mit gesellschaftskritischem Anspruch

Wie frühere Filme von Denys Arcand  hat auch dieser einen ausgeprägt sozial- und gesellschaftskritischen Grundton, serviert allerdings nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern auf luftig elegante und geistreich amüsante Weise.

Pierre-Paul ist die wandelnde Kapitalismuskritik, der mit abgeschlossenem Philosophiestudium als Kurierbote jobbt, weil man damit allen Ernstes mehr Geld verdient.

Wo immer er geht und steht lässt er in jede geöffnete Hand, in jeden hingehaltenen Pappbecher ein paar Münzen und in jedes offene Ohr ein paar philosophische Weisheiten fallen und verbringt ansonsten viel Zeit mit ehrenamtlicher Arbeit in Suppenküchen und Altkleider-Ausgaben.

Elegant verwebt Arcand die unterschiedlichsten Genres, den Mafiathriller mit der romantischen Komödie, die Sozialsatire mit dem Bankenthriller, dem utopischen Märchen und einer Krimikomödie, garniert mit ein paar dokumentarischen Szenen von Obdachlosen auf den Straßen von Quebec und philosophisch angereicherter Gesellschaftskritik.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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