Der König der Löwen
Bild: Disney Enterprises, Inc.

Animationsfilm - Der König der Löwen

Bewertung:

"Das Dschungelbuch", "Dumbo", "Aladdin" Sukzessive legt das Disney Studio all seine Klassiker des Animationsfilm neu auf, als Realfilm-Versionen. Neustes Beispiel "König der Löwen", die Geschichte des kleinen Löwen Simba, der sich im Kreislauf des Lebens von der Kindheit bis zur Geburt seines Sohnes als König der Tiere beweisen muss, in einem Königsdrama von Shakespeare’schen Dimensionen. Regie führte Jon Favreau, der vor drei Jahren bereits eine beachtliche Live-Action Version des Dschungelbuchs vorgelegt hat. 

Der ewige Kreislauf der selben Ideen

Warum sollten Klassiker neu aufgelegt werden? Natürlich um Geld zu verdienen! So hat die neue Version von "Aladdin" weltweit über 960 Millionen Dollar Einspiel erzielt und konnte allein in Deutschland 2 Millionen Zuschauer ins Kino locken.

Ein weiteres Argument sind die rapide verbesserten technischen Möglichkeiten. In der Entstehungszeit der Originalfilme konnten tanzende und singende Tiere nur am Zeichentisch erschaffen werde. Heute dagegen erlauben die modernen Möglichkeiten des digitalen Erzählens, dass am Computer alles erschaffen werden kann, was in der Fantasie vorstellbar ist. 

Spektakuläre Naturdokumentation oder Disney Magie? Beides!

Real ist in diesem sogenannten Realfilm also rein gar nichts. Jede Landschaft, jede Pflanze, jedes Tier vom Insekt bis zum Löwen stammt komplett aus dem Computer, besteht ausschließlich aus Pixeln, in diesem Fall auch komplett ohne menschliche motion capture-Referenzen.

Der rasante Fortschritt der digitalen Bildtechnik macht es heute möglich, verblüffend naturgetreu wirkende Tiere so realistisch zu animieren, dass animalische Bewegungen und menschliche Gefühle nahtlos verschmelzen. "König der Löwen" zu sehen wird so zu einer atemraubenden Erfahrung, bei der man immer wieder an der eigenen Wahrnehmung zweifelt.

Eine spektakuläre Naturdokumentation ist hier wie selbstverständlich mit den klassischen Elementen eines Disney Films angereichert, mit Gefühl, Humor und Gesang, aber auf so dezente Weise, dass es nie übertrieben oder unglaubwürdig wirkt.

Ganz strenge Kritiker monieren, dass die hyperrealistischen Tiere selbst im Frontalanblick keine Geschlechtsteile haben, aber das wäre für die prüden Amerikaner dann wohl doch zu viel der Realität ...

Idealbesetzung auf dem Regiestuhl

Regie hat Jon Favreau geführt, der gerade auch im neuen "Spiderman"-Film als Darsteller zu sehen ist. Als Schauspieler bringt er eine gute Mischung aus Herzenswärme und Comedy Timing mit, auch als erwachsener Mann schlägt noch immer ein großes Kinderherz in ihm und dazu ist er auch noch ein erfahrener Action-Regisseur, was er unter anderem in den "Iron Man"-Superhelden-Filmen unter Beweis gestellt hat.

Wie bereits vor drei Jahren in der Life-Action-Version von "Das Dschungelbuch" gibt es auch hier wieder atemraubende Verfolgungsjagden über Steppenlandschaften und Bergformationen, durch Wälder und Täler, die mit akrobatischer Finesse in den Bewegungen und  enormer kinetischer Energie im Schnitt einen enormen Sog entwickeln.

Mit einem Trick hat Favreau sogar eine gewisse Unmittelbarkeit in diese künstlichen Welten gerettet:  Sein Kameramann kann ganz direkt auf die Ereignisse reagieren, fast so als würde er eine echte Kamera bedienen. Und die Synchronstimmen wurden nicht einzeln in einer geschlossenen Kabine mit den Schauspielern aufgenommen, sondern zusammen in einem Raum, in dem sie aufeinander reagieren und sich ins Wort fallen können.

Filmszene "Koenig der Loewen"
Bild: Disney Enterprises, Inc.

Original und Remake im Vergleich

Im Unterschied zu "Dumbo"der sich nur lose ans Original hielt, sind hier viele Szenen nahezu identisch komponiert, was man auf Youtube im Vergleich der Trailer von damals und heute nachprüfen kann.

Dazugekommen sind ein paar moderne Anspielungen auf Gleichberechtigungs-, Mobbing- und Umweltschutz-Themen. Ein besonderes Highlight ist das Duett von Warzenschwein Pumbaa (Originalstimmer Seth Rogen) und Erdmännchen Timon. Im Unterschied zu ihren überdreht chargierenden Versionen im Originalfilm entwicklen die beiden hier eine herzzerreißend liebenswerte Freundschaft mit vielen gewitzten Screwball-Kabbeleien.

Fast 25 Jahre nach dem Original verschmilzt dieser Film auf kongeniale Weise die Qualitäten einer spektakulären Naturdokumentation mit dem Humor, der Romantik und dem Drama eines klassischen Disneyfilms. 

Anke Sterneborg, rbbKultur

weitere rezensionen

"Parasite", Regie: Bong Joon-ho, 2019 © Koch Films
© Koch Films

Tragikomödie - "Parasite"

Der südkoreanische Regisseur Bong Joon-ho ist einer der größten Stars des neuen asiatischen Kinos. Mit Filmen wie "The Host", "Memories of Murder" und "Snowpiercer" hat er in den letzten Jahren internationale Anerkennung gefunden. Seine Bildsprache und die Originalität seiner Drehbücher werden mitunter mit der von Quentin Tarantino verglichen. In diesem Frühjahr gelang Bong Joon-Ho sein bislang größter Coup: Beim Festival in Cannes gewann er mit dem Film "Parasite" die goldene Palme.

Bewertung:
Deutschstunde, hier: Jens Ole Jepsen (Ulrich Noethen) und Siggi Sepsen (Levi Eisenblätter); © Wild Bunch/Georges Pauly
Wild Bunch/Georges Pauly

Drama - "Deutschstunde"

"Deutschstunde" ist das erfolgreichste Werk von Siegfried Lenz. Der Roman aus dem Jahr 1968 setzt sich als einer der ersten mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinander und führt die fatalen Folgen blinden Gehorsams und unreflektierter Pflichterfüllung vor Augen. Jetzt gibt es im Kino eine Neuverfilmung des Romans in der Regie von Christian Schwochow.

Bewertung:
Gelobt sei Gott: Alexandre Guérin (Melvil Poupaud); © Pandora Film
Pandora Film

Drama - "Gelobt sei Gott"

"8 Frauen", "Swimmingpool", "Das Schmuckstück": In den Filmen von François Ozon geht es meistens um schöne Frauen, die schöne Dinge tun. Im Zentrum seines neuesten Films stehen dagegen Männer, die sich mit ausgesprochen unschönen Dingen befassen.

Bewertung: