Blinded by the Light, hier: Viveik Kalra (Javed); © Warner Bros. Picture
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Drama - "Blinded By The Light"

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England, Mitte der Achziger: Der 16-jährige Javed, Sohn pakistanischer Einwanderer, durchlebt die Zeit des Erwachsenwerdens und versucht seinem konservativen Elternhaus zu entkommen. Rettung naht, als er die Musik von Bruce Springsteen entdeckt.

Tradition und Moderne, Indien und England, Restriktionen und Freiheiten: Zwischen diesen Polen bewegen sich die Lebensthemen der Regisseurin Gurinder Chadha, die mit indischen Wurzeln in Kenia geboren und in England aufgewachsen ist.

17 Jahre nach "Kick it like Beckham" geht es nun auch in ihrem neuesten Film "Blinded by the Light" um den Clash der Kulturen. Waren es damals zwei Mädchen, die ihren Traum von einer professionellen Fußballkarriere gegen den engen Horizont ihres Elternhauses verteidigen mussten, kämpft nun ein sechzehnjähriger Schüler um seinen Lebenstraum als Schriftsteller.

Blinded by the Light, hier: Kulvinder Ghir (Malik); © Warner Bros. Picture
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Die Widrigkeiten des Lebens im Thatcher-England von 1987

Jarved (Vivelk Kalra) lebt in der trostlosen Kleinstadt Luton. Zu den vielen Widrigkeiten seines Alltags gehören die fremdenfeindlichen Skinheads der Nachbarschaft, vor allem aber sein konservativer Vater, ein Pakistani, der seiner Familie in England bessere Zukunftsaussichten bieten wollte und jetzt nach 16 Jahren Fabrikarbeit entlassen wurde. Während seine Kinder dazugehören wollen, hält er rigide an der indischen Lebensweise fest.

Unterstützung bekommt Jared von unerwarteter Stelle, als ein Klassenkamerad ihm zwei Kassetten mit Songs von Bruce Springsteen gibt. Der amerikanische Rockmusiker spricht ihm praktisch mit jeder Songzeile aus der Seele und ermutigt ihn, gegen alle Widerstände seinen eigenen Weg zu gehen.

Die Worte der Springsteen-Texte wirbeln um Jarved herum, als würden sie ihm Halt geben, sie fliegen nach oben, als würden sie ihn befreien. Wenn Jarved und seine Freunde einen der Songs singen, gehen wahrhaftige Gefühle im schönsten Kinokitsch eines sehr realistischen Bollywood-Musical-Moments auf.

Blinded by the Light, hier: Viveik Kalra (Javed) und Nell Williams (Eliza); © Warner Bros. Picture
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Die sinnstiftende Kraft der Musik

So ähnlich wie es der sechzehnjährige Jarved im Film erlebt, ist es wohl auch dem Journalisten Sarfraz Manzoor ergangen. Unter dem Titel "Greetings from Bury Park: Race, Religion and Rock 'n' Roll" rekapituliert er seine von Bruce Springsteen inspirierte Jugend in England. Wie Gurinder Chadha hat auch er pakistanische Wurzeln, beide leben und arbeiten in England, haben eine ähnliche Sensibilität, ähnliche Erfahrungen gemacht.

Entsprechend empfänglich ist Gurinder Chadha für diesen zugleich ernsten und beschwingten Tonfall einer interkulturellen Coming-of-Age-Geschichten. Mit viel Einfühlsamkeit, Witz und Wärme findet sie hier nach langer Zeit zu frischer Form, in einer guten Melange aus britischem Spülstein-Realismus und Feelgood Flair.

Von Thatchers England zum Brexit

Der Film spielt in den Achtzigerjahren, die Gurinder Chadha selbst in ihrer Jugend erlebt hat. Sie fängt das Lebensgefühl der Zeit authentisch ein, mit ihren wirtschaftlichen und ethnischen Unruhen, mit Arbeitslosigkeit und Rassismus. Gleichzeitig transzendiert sie die Historie aber auch in die Gegenwart des Brexit, mit ihren ganz ähnlich gelagerten Problemen.

Dabei ruht der ganze Film weitgehend auf den Schultern des noch recht unerfahrenen Schauspielers Viveik Kalra, der den Ängsten und Unsicherheiten, aber auch dem Sturm und Drang der Jugend ein berührendes Gesicht gibt, die zarte Romantik einer ersten Liebe genauso vermittelt wie das langsame Erwachen vom Springsteen-Fanboy zu einem jungen Erwachsenen.

Wie der ganze Film, verbindet auch Viveik Kalra den Ernst eines Sozialdramas mit einem Feelgood-Flair, der sich nie sentimental oder falsch anfühlt.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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