Ich war zuhause, aber …; © Nachmittagfilm
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Drama - "Ich war zuhause, aber …"

Bewertung:

Bei der Berlinale dieses Jahr gewann der deutsche Film "Ich war zuhause, aber …" den Silbernen Bären. Eine Entscheidung, die bei vielen Kritikern zu einigem Unverständnis führte. Angela Schanelecs Film war wohl derjenige bei der Berlinale, der am meisten polarisierte.

Für die einen ist dieser Film verkopft und künstlich, andere erleben ihn regelrecht als "beglückend". Am meisten hat man von diesem neuen Werk sicherlich, wenn man es als Herausforderung begreift.

In der Anfangssequenz rast ein Hase über ein Feld. Gejagt von einem Hund. Man bangt mit dem Hasen um sein Leben. Irgendwann hält er inne, setzt sich auf einen Stein und legt die Pfötchen aufeinander. Geschafft. Denkt man. Den Feind abgehängt. Die nächste Einstellung: In einem verlassenen Haus kaut besagter Hund genüsslich an einem Rest Hase. Neben ihm steht ein Esel, der schweigend aus dem Fenster blickt.

Diese Szene erinnert in ihrer "Echtheit" an den französischen Regisseur Bresson und ist genauso skurril und stark wie ihr etwas Unabänderliches innewohnt. Offen allerdings bleibt, was genau diese Tiere mit den Menschen, die wir dann kennenlernen, zu tun haben.

So ist das in diesem Film: Immer wieder muss sich Dinge selbst zusammensetzen, selbst erklären. Es geht Angela Schanelec nicht darum, uns genau das sehen zu lassen, was sie meint, sondern einen eigenen Ansatz zu finden.

Das alltägliche Überleben

Im Mittelpunkt steht eine Frau, Astrid, die im Kunstbetrieb arbeitet und zwei Kinder hat. Der pubertierende Sohn war verschwunden und ist gerade wiedergekehrt. Wo er diese eine Woche war und wieso er überhaupt weg war, erfährt man nicht.

Doch wir erleben die Mutter in ihrer Verzweiflung und auch im Glück, ihr Kind zurück zu haben: Wie sie den Lehrern in einem langen Monolog versucht, das Verhalten ihres Sohnes zu erklären, wir erleben sie zuhause, wie sie – völlig überfordert – keinen Trost, keine Berührung ihrer Kinder erträgt. Dass der Vater der beiden gestorben ist, wird nur beiläufig erwähnt, soll keiner Erklärung dienen.

Ein weiterer Handlungsstrang: Astrid kauft ein gebrauchtes Fahrrad. Es ist kaputt, sie gibt es zurückgibt, verhandelt mit dem Verkäufer, der ruft sie wieder an. Eine endlose, eigentlich banale Geschichte.

Es ist der Kampf um das alltägliche Überleben und es ist die Suche nach einem für sie tragfähigen, haltbaren Kunstbegriff, einer Antwort auf die Frage, was Lüge und Wahrheit ist, die Astrids Leben bestimmt.

Ich war zuhause, aber …; © Nachmittagfilm
Bild: Piffl Medien/Nachmittagfilm

Wichtig ist die Sprache

Schanelec war lange selbst Schauspielerin, studierte dann an der DFFB, wo sie Christian Petzold und Thomas Arslan kennenlernte. Die drei gründeten Anfang der Neunzigerjahre die "Berliner Schule". Eine Art Gegenbewegung zum Mainstream-Kino, in der Alltagsgeschichten erzählt werden, die – so hat Georg Sesslen es mal gesagt – versuchen "den Kapitalismus darzustellen". Das ist oft etwas zäh und gerade bei Schanelec sehr theoretisch.

Ganz wichtig für Angela Schanelec ist die Sprache – die sie bewusst sehr artifiziell behandelt. Die beiden Kinder sprechen überhaupt nur bei den Schultheater-Proben, da rezitieren sie "Hamlet" in der Übersetzung von Angela Schanelec und ihrem Mann, dem verstorbenen Theaterregisseur Jürgen Gosch. So könnte diese Astrid, die von Maren Eggert in einer Mischung aus Beiläufigkeit, Weltschmerz und Wut verkörpert wird, überhaupt ein Alter Ego der Regisseurin sein.

"Ich war zuhause, aber …" ist ein Film, auf den man sich einlassen wollen muss.

Christine Deggau, rbbKultur

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