DVD-Cover: "Orlacs Hände"
Absolut Medien
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DVD und Blu-ray - "Orlacs Hände"

Bewertung:

Vier Jahre nach seinem expressionistischen Meisterwerk "Das Cabinet des Dr. Caligari" verfilmte der im damals noch deutschen Breslau geborene Robert Wiene den französischen Roman "Die unheimlichen Hände des Doktor Orlac".

"Orlacs Hände" ist prominent besetzt mit Conrad Veidt und Fritz Kortner. Der nicht ganz so bekannte, aber ähnlich faszinierende Film erstrahlt jetzt in neuem Glanz, in restaurierter Fassung und mit neu komponierter Musik von Johannes Kalitzke bei Absolut Medien auf Blu-ray.

Beeindruckend realistische Darstellung eines Zugunglücks

Der Konzertpianist Paul Orlac (Conrad Veidt) tourt die großen Philharmonien der Welt, während seine Frau ihn zuhause sehnsüchtig erwartet. Einen Tag vor seiner Rückkehr schreibt er einen innigen Liebesbrief: "Noch ein Tag und eine Nacht, dann bin ich wieder bei Dir, Ich werde dich in meine Arme schließen, Ich werde fühlen, wie Dein Körper unter meinen Händen erzittert."

Doch dann: Eine Kollision! Eine Katastrophe! Der Zug, der ihn nach Hause bringen soll, verunglückt. Die Liebste eilt in der Kutsche zum Unglücksort, findet ihren Mann in den Trümmern, die für die Verhältnisse der Zeit beeindruckend realistisch dargestellt sind, mit ineinander verkeilten Zugwagons, hochsteigendem Dampf,  flackernde Fackeln und dem hektischem Treiben der Helfer.

Ein Dr. Frankenstein Moment

Orlacs Leben kann gerettet werden, doch seine Musikerhände sind so schwer verletzt, dass sie amputiert werden müssen.

Da trifft es sich gut, dass der Mörder Vasseur gerade hingerichtet wurde. In einem Dr. Frankenstein-Moment hat der Arzt die Idee, dessen Hände zu transplantieren. Das dramatisch zugespitzte Flehen der Frau, die Zweifel des Arztes werden in der neuen musikalischen Bearbeitung des Komponisten Johannes Kalitzke hörbar, geradezu greifbar.

Horror und Psychoanalyse

Nach der Operation wird Orlac im Krankenhausbett vor den Augen der bangenden Frau wie eine Mumie ausgewickelt: Wiene spielt mit den Motiven des Horrorfilms, die bald mit Elementen aus der noch jungen Psychoanalyse angereichert werden, mit der Deutung des Unbewussten und Erklärungen für eine gespaltene Persönlichkeit.

Neben dem Sichtbaren bekommt die Psyche eine ganz eigene Präsenz. Orlacs Hände entwickeln ein Eigenleben, als würden sie ihn durch die Räume ziehen, zum Tatort eines Verbrechens.

Filmmusik als Sounddesign

Nach einer ersten Irritation, entfaltet die moderne Vertonung einen ganz eigenen Reiz. Nach "Die Weber" und "Schatten" ist dies schon Kalitzkes dritte Filmsinfonie für einen expressionistischen Stummfilm, in diesem Fall geschrieben für drei Pianisten und Streicher.

Die Nocturne von Chopin, die Orlac am Anfang spielt, durchzieht den Film und wandelt sich mit dem zunehmend  labilen Geisteszustand des Pianisten, dessen neue Hände sich scheinbar verselbstständigen. Die Filmmusik ist hier nicht einfach nur wie sonst üblich ein dramaturgischer Leitfaden und Gefühlverstärker.

Klassische Pianoklänge werden experimentell erweitert und verfremdet, mit perkussiven Tönen aus dem Innenraum eines manipulierten Klaviers. Die Übergänge von der Filmmusik zum Sounddesign sind fließend. Es ist als würden die beunruhigenden Klänge den Kopf des traumatisierten Mannes ganz direkt anzapfen, seine sich stetig steigernde Panik und seine Alpträume spiegeln. Ganz beiläufig wird die Geschichte so auch zur Metapher für die unsicheren Zeiten der Weimarer Republik.

Die restaurierte und neu vertonte Fassung von Robert Wienes "Orlacs Hände" ist bei Absolut Medien erschienen und kostet als DVD run 12 und als Blu-ray rund 13 Euro

Anke Sterneborg, rbbKultur

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