Der Distelfink, Regie: John Crowley; © 2000-2019 Warner Bros.
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Drama - "Der Distelfink"

Bewertung:

Der Distelfink ist ein kleines Bild des niederländischen Malers Carel Fabritius, der Schüler von Rembrandt und Lehrer von Vermeer war. Zu sehen ist darauf ein kleiner Fink, der auf einer Stange sitzt, mit dem Fuß an einer kleinen Kette befestigt. 2013 hat die amerikanische Schriftstellerin Donna Tartt um dieses Bild herum einen Roman mit demselben Titel geschrieben. Der weltweite Bestseller wurde mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet und galt lange Zeit als unverfilmbar – bis er jetzt doch verfilmt wurde,  von dem irischen Regisseur John Crowley, prominent besetzt unter anderem mit Nicole Kidman und Jeffrey Wright.

"Der Distelfink", Regie: John Crowley © 2000-2019 Warner Bros.
Bild: © 2000-2019 Warner Bros.

Beste Voraussetzungen

Die Bedingungen schienen ideal, mit zahlreichen Oscar-Nominierten im Team: Als Drehbuchautor Peter Straughan, der in anderen Romanverfilmungen schon komplizierte Strukturen gemeistert hat. Als Regisseur der Ire John Crowley, der mit der irisch amerikanischen Immigranten-Liebesgeschichte "Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten" schon eine einfühlsame Literaturverfilmung gelungen ist. Dazu viele tolle Schauspieler und mit Roger Deakins ein sehr inspirierter Kameramann. Nur leider ist diese Saat nicht so richtig aufgegangen.

Komplexes Themengeflecht

Knapp zusammenfasst geht es um den 13jährigen New Yorker Theo Decker, der bei einem Terroranschlag im Metropolitain Museum of Art seine Mutter verliert und das titelgebende Bild mit dem Distelfinken spontan mitnimmt und jahrelang heimlich behält. Der Junge wächst bei einer Pflegefamilie in New York auf, dann beim Vater in Las Vegas und kehrt schließlich nach New York zurück, wo er bei einem Antiquitätenhändler lernt, wie alte Möbelstücke restauriert werden. Diese komplexe Lebensgeschichte ist mit einer Fülle von Themen verwoben, Trauer und Trauma-Bewältigung, Liebe und Freundschaft, das Verhältnis von Original und Fälschung und die Wirkungskraft der Kunst, verbunden mit der Frage ob sie Besitz eines Einzelnen sein darf oder der Öffentlichkeit gehört.

Kahlschlag bei den Figuren

Anders als im 1000-seitigen Buch springt der Film zwischen den verschiedenen Lebensstufen hin und her, wodurch im Erzählfluss eine große Unruhe entsteht. Gleichzeitig ist das aber auch eine filmische Umsetzung davon, wie sich traumatische Erlebnisse in die Erinnerung drängen. Die Explosion und ihre Auswirkungen materialisieren sich erst langsam, wie ein Bild das sich materialisiert wenn sich die Staubwolken legen. Statt die gut 1000 Seiten inhaltlich zu straffen, haben Drehbuchautor und Regisseur die Figuren ausgedünnt, ihnen die Komplexität genommen. Nicole Kidman spielt Theos Pflegemutter und wirkt über rund 20 Jahre hinweg nicht sehr überzeugend gealtert. Jeffrey Wright spielt mit dem Antiquitätenhändler die einzige Figur, die eine in sich ruhende Präsenz entwickelt. Ansel Elgort lässt den erwachsenen Theo sehr blass erscheinen. Allein die Kinderdarsteller, allen voran Oakes Fegley als Theo und Finn Woolfhard, der schon in der Netflix Serie "Stranger Things" einen starken Eindruck hinterließ, überzeugen mit einer wahrhaftigen Mischung aus kindlicher Unmittelbarkeit und erwachsenem Ernst.

Fazit

Erlesene Bilder, malerisches Zeitkolorit in Kostümen und Ausstattung können über eine innere Leere nicht hinwegtäuschen. So ist Donna Tartts vielschichtiger Roman im Grunde unverfilmbar geblieben. Statt eines 2 ½ stündigen Spielfilms wäre eine Miniserie vielleicht die bessere Lösung gewesen.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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