Alexandra Maria Lara (Antonia Berger) am Klavier; Quelle: © 2018 Mafilm GmbH/Arnim Thomaß
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Drama - "Und der Zukunft zugewandt"

Bewertung:

Der Regisseur und Autor Bernd Böhlich ist vor allem für seine Fernsehfilme bekannt. Jetzt kommt sein neuer Film in unsere Kinos. Er erzählt von der Kommunistin Antonia Berger, die Anfang der 50er Jahre in die noch junge DDR kommt.

Zum dreißigsten Mal jährt sich in diesem Jahr der Mauerfall. Drei Jahrzehnte hat es gedauert, bis sich ein neuer Tonfall in den Kinogeschichten über diese Zeit ausbreiten konnte, weniger anmaßend und aburteilend, behutsamer, offener, neugieriger. Im Wesentlichen kommt dieser Blick von Filmemachern, die im Osten sozialisiert wurden. Das gilt auch für "Und der Zukunft zugewandt" von Bernd Böhlich, der diese Woche in unsere Kinos kommt. "Die Reduzierung der DDR auf Mauer, Stasi und Doping ist nicht nur unsäglich, sondern schlichtweg falsch", sagt Regisseur und Drehbuchautor Bernd Böhlich. "Und der Zukunft zugewandt" thematisiert ein lang verschwiegenes Kapitel der DDR-Geschichte, die Internierung deutscher Kommunisten im sowjetischen Gulag, in den Dreißiger und Vierziger Jahren.

Alexandra Maria Lara (Antonia Berger); Stefan Kurt (Silberstein); Quelle: © 2018 Mafilm GmbH/Arnim Thomaß
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Ohne Vergangenheitsbewältigung keine Zukunft

Nach vierzehn Jahren unschuldiger Haft unter extremen Bedingungen sorgten Politiker der noch jungen DDR dafür, dass die Häftlinge freigelassen werden. Im Zentrum steht Antonia Berger (Alexandra Maria Lara), die 1938 als Kommunistin in die Sowjetunion ging, um für die Revolution zu kämpfen, dort aber inhaftiert wurde. Im Arbeitslager überlebte ihre Tochter nur knapp, ihr Mann wurde beim Versuch, sich am Geburtstag seiner Tochter in den Frauentrakt zu schleichen, erschossen. 1952 wird sie dann im brandenburgischen Fürstenberg, dem heutigen Eisenhüttenstadt angesiedelt und mit Wohnung und Arbeit versorgt, allerdings unter der Bedingung, dass sie und ihre Leidensgenossinnen kein Wort darüber verlieren wo sie in den letzten 14 Jahren waren.

Die noch junge, am Tropf des großen kommunistischen Bruders hängende DDR, wollte den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft nicht durch Diskussionen über erlittenes Unrecht gefährden.

Alexandra Maria Lara (Antonia Berger); Robert Stadlober (Konrad Zeidler); Quelle: © 2018 Mafilm GmbH/Arnim Thomaß
Bild: © 2018 Mafilm GmbH/Arnim Thomaß

Schwer nachzuvollziehen ist dabei, dass die Frauen das so lange mitmachen, und leider gelingt es Bernd Böhlich nicht wirklich, diese innere Zerrissenheit spannend und lebendig zu vermitteln. Einen letzten Rest von Ehrlichkeit gibt es nur heimlich unter den drei Leidensgenossinnen aus dem Gulag, die ganz unterschiedlich auf ihre schwierige Lage reagieren. Während die eine aufmüpfig kritisiert, dass der neue Staat auf Lügen aufgebaut wird und eine aus Angst mitspielt, ist Antonia von idealistischen Hoffnungen auf eine bessere Zukunft angetrieben, die sie als frisch ernannte Leiterin im Haus des Volkes mitzugestalten hofft.

Statt Menschen aus Fleisch und Blut nur Positionen und Thesen

Bernd Böhlich ist 1957 im sächsischen Löbau geboren und hat seine Karriere im DDR-Fernsehen angefangen. Redlich bemüht er sich um ein anderes Bild der DDR, jenseits der bekannten Klischees, in dem die Frauen nicht als Opfer der Geschichte denunziert werden. Vor allem die Nebenfiguren werden als Stellvertreter für verschiedene Positionen und Thesen instrumentalisiert, sei es der Nachbar, der sich offen und liberal gibt, in Wirklichkeit aber Stasispitzel ist, der Funktionär, der sich als überzeugter  Kommunist präsentiert, de facto aber nur seine eigenen Interessen verfolgt oder die beiden Überläufer aus dem Westen, die in der DDR eine Alternative zum Erbe des Nationalsozialismus und zum Kapitalismus sehen. Auch die Bilder sind ähnlich leblos und steril wie diese Figuren und erzählen vor allem von der grauen Enge und nicht von den lichten Möglichkeiten in der noch jungen DDR.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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