Die Wurzeln des Glücks - Harry Rosenmerck (James Caan); © Studiocanal/Sam Hellman
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Tragikomödie - "Die Wurzeln des Glücks"

Bewertung:

Harry Rosenmerck (James Caan) ist ein pensionierter Arzt aus New York, der es sich in den Kopf gesetzt hat, in Israel Schweine zu züchten. Ausgerechnet auf geheiligtem Boden in Nazareth! Schwierigkeiten mit den verschiedenen Religionsgruppen sind da natürlich vorprogrammiert.

Das allerdings schreckt Harry nicht ab – ist er doch ein richtiger Sturkopf, der sich von nichts und niemandem einschüchtern lässt. Noch nicht mal von Rabbi Moshe (Tom Hollander), auch wenn der sich alle Mühe gibt.

Politisch nicht ganz korrekt

Was sich liest wie ein vielversprechender Plot für eine politisch nicht ganz korrekte Komödie, ist in Wirklichkeit das Drehbuch des neuen Films von Amanda Sther ("Madame"). Sther hat hier ihren eigenen Roman "Les Terres saintes" aus dem Jahr 2010 verfilmt – und der hat noch sehr viel mehr zu bieten als die Geschichte des dickköpfigen Schweinezüchters …

Die Wurzeln des Glücks - Harrys Ehefrau Monica Rosenmerck (Rosanna Arquette); © Studiocanal/Sam Hellman
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Bedeutungsschwangere Briefe

Da ist zum einen Harrys Sohn David (Jonathan Rhys-Myers) – ein erfolgreicher schwuler Bühnenautor in New York, zu dem der Vater nach dessen Coming Out den Kontakt abgebrochen hat. Die beiden schreiben sich permanent irgendwelche bedeutungsschwangeren Briefe, die sie dann aber meist gar nicht abschicken.

Tochter Annabelle (Efrat Dor) spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: Mitte 30 ist sie, Hobby-Fotografin, hat aber ihren Platz im Leben noch nicht gefunden und hängt weiterhin vom Portemonnaie der Eltern ab. Und auch Harrys Ex-Frau Monica (Rosanna Arquette) geistert durch den Film, wenn sie per Skype von ihrem tödlichen Gehirntumor berichtet, gleichzeitig aber mit seinem Ex-Kollegen Michel (Patrick Bruel) anbandelt.

Pomp und Pathos

Das alles wird von Amanda Sther mit viel Pomp und Pathos inszeniert. Tränen fließen, es fallen harte Worte und die Musik taumelt von einem Crescendo ins Nächste: Man hat das Gefühl, es laufen mindestens drei oder vier Filme gleichzeitig. Nur was Amanda Sther mit ihrer Geschichte eigentlich sagen will, bleibt im Nebel.

Von dem Familien-Drama mit Nahost-Kulisse bleibt am Ende nur eine selbstverliebte, leicht neurotische Nabelschau des New Yorker Judentums. Wenn Woody Allen diesen Film gedreht hätte, wäre er wenigstens lustig geworden. So bleibt nur ein seifiges Gefühl der Leere. Diesen Kinoabend kann man sich sparen!

Carsten Beyer, rbbKultur

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