Nora Tschirner in Gut gegen Nordwind
Sony Pictures/Tom Trambow
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Drama - "Gut gegen Nordwind "

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Mit dem Roman "Gut gegen Nordwind" gelang dem österreichischen Kolumnisten und Journalisten Daniel Glattauer 2006 der internationale Durchbruch. Darin überträgt er die Struktur des klassischen Briefromans auf den Austausch von Nachrichten im digitalen Zeitalter. Jetzt hat Vanessa Joop den Erfolgsroman verfilmt, prominent besetzt mit Alexander Fehling, Nora Tschirner und Ulrich Thomsen.

Kinostart "Gut gegen Nordwind", Bild: Sony Pictures/Anne Wilk
Kinostart "Gut gegen Nordwind" | Bild: Sony Pictures/Anne Wilk

Das Paradies einer virtuellen Insel

Alles beginnt mit einem verwechselten Buchstaben und einer darum fehlgeleiteten Email, die in der Mailbox des Linguistik Professors Leo Leike (Alexander Fehling) landet.  Er klärt die Absenderin die Zeitschriften-Abo-Kündigung höflich, aber bestimmt über den Fehler auf. Damit könnte die Sache erledigt sein, doch die Dame  frotzelt zurück. So entspinnt sich ein zunächst eher streitlustiger, aber zunehmend zugewandter Dialog, denn auf ihrer virtuellen Insel können die beiden extrem offen und ehrlich sagen, was sie denken und irgendwann auch fühlen. Immer seltener kommt es in digitalen Zeiten zum Blickkontakt, weil die Menschen oft in ihre Smartphones, Tablets oder Computer versunken sind. Aus dieser Not hat der Romanautor eine Tugend gemacht, denn durch den rein schriftlichen Austausch  entsteht ein Freiraum mit ganz besonderem Zauber.

Liebe ohne Berührungen, ja, sogar ohne Blickkontakt

Gesichter im kalten Schein der digitalen Geräte, das ist zunächst mal visuell nicht sonderlich reizvoll. Ein schöner Trick des Films liegt darin, dass man als Zuschauer die Texte nicht einfach nur lesen muss, sie werden aus dem Off von den Schauspielern vorgelesen, sozusagen in allen Tonlagen mit den Stimmen gespielt. Obwohl sich die beiden sehr lang nicht begegnen, sieht man als Zuschauer ihre emotionalen Reaktionen auf die zunehmend sehnsüchtiger erwarteten Emails und Textnachrichten. Das Knistern der Liebe entsteht dabei aus dem Spiel mit der Sprache, für das der Linguistik-Professor Leo prädestiniert ist. Durch die gewitzten, verspielten, ironischen, mal eher zärtlichen mal vor allem schlagfertigen Dialoge verlagert sich das Liebesspiel vom eindeutig Sichtbaren zum vieldeutig Imaginierten, und ist dabei viel reizvoller als so manche eindeutig ausgespielte Bettszene.

Ein Fest für die Schauspieler

Gespielt werden die beiden von den renommierten deutschen Stars Alexander Fehling und Nora Tschirner, die hier eine echte Chemie entwickeln, obwohl sie sich sehr lange nicht direkt begegnen. Mit feinem Gespür für die Nuance des Spiels schafft Vanessa Jopp Räume,  in denen sich die Schauspieler frei entfalten können. Das gilt auch für Ulrich Thomsen, der Emmis Ehemann spielt. Als Emmi eines Abends loszieht, um Leo heimlich zu treffen, spürt er das instinktiv. Er muss gar keinen Streit vom Zaun brechen, um seine Frau an ihrem Seitensprung zu hindern, es reicht völlig, dass sie spürt, dass er es ahnt. Auf viele verschiedene Arten gelingt es Vanessa Jopp, in ihrer Romanverfilmung neben den Worten auch die lebendig und flirrend gestalteten Bilder und die Gesichter der Schauspieler sprechen zu lassen.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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