Mein Leben mit Amanda © 2018 Nord-Ouest Films – Arte France Cinéma
2018 Nord-Ouest Films – Arte France Cinéma
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Drama - "Mein Leben mit Amanda"

Bewertung:

Letztes Jahr lief beim Filmfestival in Venedig in der Sektion "Orizzonti" der französische Film "Mein Leben mit Amanda" von Mikhael Hers. Nun fast genau ein Jahr später kommt er in die deutschen Kinos. Ein kleiner feiner Film, auch eine Antwort auf das Attentat in der Pariser Diskothek "Bataclan" im November 2015.

Amanda ist ein siebenjähriges Mädchen, das in Paris mit seiner Mutter zusammenlebt. Die Mutter ist Lehrerin und alleinerziehend und oft auf die Unterstützung ihres jüngeren Bruders David angewiesen. Bruder und Schwester lieben und schätzen sich, auch wenn David mit seinen 24 Jahren an Zuverlässigkeit und auch Ernsthaftigkeit zu wünschen übriglässt. Er lebt in den Tag hinein, jobbt hier und da und macht sich keine Gedanken, wenn er zu spät zur Schule kommt und Amanda alleine davorsitzt und wartet. Überhaupt denkt er nicht groß über sie nach: sie ist einfach da.

Amanda nimmt ihm das nicht übel, sie mag ihren Onkel, mag die Gespräche mit ihm – irgendwie ergänzen sie sich: so wie David noch sehr kindlich ist, ist Amanda auf ihre Art erwachsen. Doch dann wird ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt wird. Es kommt zu einem terroristischen Übergriff bei dem Davids Schwester, die Mutter von Amanda stirbt. Und alles muss neu gedacht werden.

Mein Leben mit Amanda © 2018 Nord-Ouest Films – Arte France Cinéma
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Hoch gehandelter Newcomer

Hers fühlt sich hinein in die Situation, in seine Figuren: Wie sieht ein Leben aus nach solch einem Schlag, welche Fragen stellen sich? Wie reagiert man auf ein siebenjähriges Mädchen, das wissen will, wann seine Mutter wiederkommt? Welche Räume darf man besetzen? Wann beginnt man, aufzuräumen? David beginnt zu früh. Fischt die Zahnbürste seiner Schwester wieder aus dem Müll, nachdem Amanda einen Zusammenbruch hatte als sie sie entdeckt. Es sind Kleinigkeiten. Alltäglichkeiten. Und im Alltag holt die Trauer die beiden auch immer wieder ein. Völlig unvermittelt.

Eine große Rolle für Vincent Lacoste, der als französischer Newcomer hoch gehandelt wird. Und eine große Leistung von der siebenjährigen Isaure Multrier, die eine Casterin auf der Straße entdeckt hat.

Hers erinnert an die Überlebenden nicht, indem er zeigt, was geschah. Sondern indem er zeigt, was übrigbleibt. Und was vorher war.

Mein Leben mit Amanda © 2018 Nord-Ouest Films – Arte France Cinéma
Bild: 2018 Nord-Ouest Films – Arte France Cinéma

Ganz nah

Denn anders als man es bei diesem Thema erwarten würde, erleben wir die erste halbe Stunde des Films eine unbeschwerte sommerliche Idylle in Paris, das hier so gar nichts Touristisches hat. Man glaubt sich eher in der Provinz, sähe man nicht ab und zu den Eifelturm oder die Seine durchblitzen. Alle sind in Bewegung, auf dem Fahrrad, rennen durchs Viertel, laufen zum Fluss. Lebenslust. Es gibt Gespräche über alles und nichts. Das Leben ist leicht und erinnert in seiner Leichtigkeit an die Filme des großen Eric Rohmer.

Christine Deggau, rbbKultur

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