Nurejew – The White Crow © Alamode Film
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Drama - "Nurejew – The White Crow"

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Rudolf Nurejew ist einer der bedeutendsten Tänzer des 20. Jahrhunderts gewesen. Bücher und Dokumentationen über sein bewegtes Leben, seine Emigration nach Frankreich, seine Liebe zu Männern oder seine Stilkraft auf der Bühne gibt es genug. Eigentlich, so könnte man meinen, braucht es nun nicht unbedingt noch einen Spielfilm. Nichtsdestotrotz kommt nun NUREJEW – THE WHITE CROW in die Kinos.

Regie führt der britische Schauspieler Ralph Fiennes. In seiner dritten Regiearbeit erzählt Fiennes aus Nurejews Leben bis zum Alter von 23 Jahren. 1961 reist Nurejew mit seiner Kompanie nach Paris. Es ist der Wendepunkt seines Lebens und dramatischer Höhepunkt des Films.

Der Film beginnt aber mit Nurejews Geburt 1938 in der transsibirischen Eisenbahn, schildert in Rückblenden seine Kindheit und Jugend in großer Armut. Er ist ein Einzelgänger, ein Außenseiter, ein ungebrochener wilder Geist, der den Plan hat, einmal der beste Tänzer der Welt zu werden. Er ist die "weiße Krähe" – THE WHITE CROW.

Nurejew – The White Crow © Alamode Film/ Kristina Lukash
Bild: © Alamode Film/ Kristina Lukash

Ralph Fiennes sowohl hinter als auch vor der Kamera

Ralph Fiennes führt nicht nur Regie, er spielt auch selbst wieder mit, da er enorme Schwierigkeiten hatte, diesen Film finanziert zu bekommen. Sein Name lockte dann doch Geldgeber hervor. Die Rolle, die Fiennes spielt, ist die von Alexander Puschkin, der Lehrer Nurejews. Gütig bis gleichmütig, ohne Angst vor einem selbstverliebten Sturkopf wie Nurejew, fördert er ihn bis zur Selbstaufgabe. Er nimmt ihn bei sich zuhause auf als er sich verletzt hat, lässt ihn von seiner Frau pflegen und sagt nichts, als sie ein Verhältnis beginnen. Ein schmerbäuchiger Mann mit Pullunder und Halbglatze, der nichts mehr zu verlieren hat. Eine tragische Figur.

Film besticht durch große Eleganz

Licht, Schnitt, Ausstattung - auch als Regisseur überzeugt Fiennes wieder einmal durch große Eleganz. Gekonnt lässt er die verschiedenen Zeitebenen ineinander gleiten, zeigt die Unterschiedlichkeit der Kulturen und Mentalitäten, und zieht uns so hinein in diese widersprüchliche, spannende Biographie.

Nurejew – The White Crow © Alamode Film
Bild: © Alamode Film

"Ich bin wer"

Fiennes wollte einen echten Tänzer. Und den hat er gefunden. Oleg Ivenko, 23 Jahre ist er, so alt wie Nurejew damals war. Ein russischer Solo-Tänzer, der noch nie zuvor als Schauspieler vor der Kamera stand, kein Wort Englisch sprach, und der neben einer überraschenden physischen Ähnlichkeit unbedingt etwas von Nurejew hat: dieses Stolze, dieses "ich bin wer". Sein Nurejew ist so schön wie kühl, so verzweifelt wie reserviert - und sehr von sich überzeugt. Was durchaus etwas Magisches hat.

Hunger nach Kultur und Selbstverwirklichung

Die Frage, die Ralph Fiennes am meisten interessiert: kann sich ein Künstler in einem Land verwirklichen, das nicht den Einzelnen fördert, sondern die Gemeinschaft. Wie gefangen ist ein Ausnahmekünstler wie Nurejew, der sich seiner Einzigartigkeit bewusst ist, der kompromisslos ist, süchtig nach Anerkennung – aber kein politisch denkender Mensch? Erst bei der Tournee in Paris begreift er, dass es einen Ausweg gibt. Langsam wittert er seine Chance. Seine Kontakte zu den Intellektuellen, sein Hunger nach Kultur und sein Wunsch als Tänzer wahrgenommen zu werden – auf einmal scheint alles möglich. Nurejews Entscheidung, in Frankreich politisches Asyl zu beantragen, entspringt weniger politischem Kalkül als dem Wunsch, so handeln und leben zu können, wie er es will.

Hier im Westen wird Nurejew zum Jahrhundertstar. Doch da ist der Film schon längst zu Ende. Man hätte gerne länger zugesehen.

Christine Deggau, rbbKultur

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