Brittany runs a Marathon © DCM
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Drama - "Brittany runs a Marathon"

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Brittany geht zum Arzt, um Aufputschmittel zu bekommen. Der empfiehlt ihr abzunehmen und weil Fitnessstudios in New York teuer sind, fängt sie an zu laufen ...

Seit bald fünfzig Jahren gibt es den berühmten New York Marathon, mit rund 52.000 Läufern ist er der weltweit teilnehmerreichste Marathon, seine Strecke verläuft durch alle fünf Stadtteile New Yorks. Seit gut 30 Jahren findet er immer am ersten Sonntag im November statt. Bald ist es wieder soweit und zur Einstimmung kommt jetzt ein Film bei uns in die Kinos, der "Brittany runs a Marathon" heißt und von den Lauf-Anstrengungen einer jungen New Yorkerin erzählt. 

Brittany runs a Marathon © DCM
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Laufen statt Pillen schlucken

Entgegen naheliegenden Vermutungen handelt es sich dabei nicht um ein Sportdrama, sondern eher um eine Selbstoptimierungskomödie. Die Endzwanziger-Titelheldin ist eher pummelig und vor allem recht antriebsschwach an einem Punkt in ihrem Leben angelangt, in dem sich das Gefühl verdichtet, alle anderen um sie herum kommen weiter, während sie feststeckt. Zunächst versucht sie den Weg des geringsten Widerstands, erhofft sich von einem Arztbesuch ein Rezept für ein Aufputschmittel gegen ihre sogenannte "Konzentrationsschwäche".

Der konfrontiert sie aber mit der unbequemen Ansage, sie müsse rund 25 Kilo abnehmen. Tatsächlich beginnt Brittany zu laufen, erst ein paar Meter, dann um den ganzen Block, bis sie immer weitere Kreise zieht und Teil einer Laufgruppe wird, die zugleich Selbsthilfegruppe ist. Brittany wird aktiver und attraktiver, und auch die Männer beginnen sich für sie zu interessieren ...

Brittany runs a Marathon © DCM
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Abnehmen um glücklich zu sein und geliebt zu werden?

Ganz so platt ist der Film nicht gestrickt, leistet sich stattdessen schon eine moderne Sensibilität: Brittany steckt fest und kommt in Bewegung, aber im doppelten Wortsinn, den ihr Schwager auf den Punkt bringt: In Wirklichkeit sei es ja nie darum gegangen, dass sie abnimmt, sondern darum, dass sie die Verantwortung für ihr Leben übernimmt.

Sportlichkeit als Metapher für die Fähigkeit, das eigene Leben zu gestalten und sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Niemand rennt hier am Ende mit hochgereckten Armen triumphierend über die Ziellinie. Inspirieren ließ sich der Autor und Regisseur Paul Downs Colaizzo dabei von seiner besten Freundin Brittany, sein Film ist ein Liebesbrief an sie und ihre "schmerzvolle, komische und inspirierende Reise."

Wortgymnastik und Körperslapstick

Jillian Bell hat für die Rolle tatsächlich mehr als  20 Kilo abgenommen, und damit in gewisser Weise ihr eigenes Rollenbild ad absurdum geführt. Denn bisher gehörte sie mit Melissa McCarthy, Rebel Wilson und Amy Schumer zu einer Riege von Schauspielerinnen und Komikerinnen, die sich in den letzten Jahren mutig von gängigen Schönheitsidealen emanzipiert haben. Nach gloriosen Nebenrollen, zum Beispiel in der recht zotigen Bachelorette-Komödie "Girl’sNight out" ist jetzt zum ersten Mal in einer Hauptrolle zu sehen.

Die Art wie sie Schwächen und Defizite mit entwaffnend selbstkritischem Humor schonungslos frontal thematisiert, macht sie zur ausnehmend sympathischen Identifikationsfigur. Zum frechen Mundwerk gesellt sich ein unerschrockener physischer Humor. Auch wenn "Brittany runs a Marathon" keine der ganz großen Comedy-Perlen ist, bleibt es doch ein Film mit dem Herz am rechten Fleck, der eine alte Geschichte mit moderner Sensibilität erzählt.

Nach der Premiere auf dem Sundance Festival hat sich Amazon die Rechte an der Indie-Produktion für 14 Millionen Dollar  gesichert.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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