Porträt einer jungen Frau in Flammen © Alamode Film
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Liebesgeschichte - "Porträt einer jungen Frau in Flammen"

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Die französische Regisseurin Céline Sciamma hat es mit gerade mal 5 Filmen schon auf die Berlinale und mehrfach nach Cannes geschafft. Seit kurzem ist Sciamma sogar Mitglied der Academy in Los Angeles, die jedes Jahr im Februar die Oscars vergibt. Vielleicht steht sie ja dort demnächst auch mal selbst zur Wahl ...  

Malen kann so beschwerlich sein! Mit dem Ruderboot kommt die Malerin Marianne (Noémie Merlant) Mitte des 18. Jahrhunderts in ein abgelegenes Herrenhaus an der bretonischen Küste, um dort das Porträt von Héloise (Adéle Haenel) anzufertigen, einer jungen Adligen, die kurz vor der Hochzeit mit einem Grafen im fernen Mailand steht. Der möchte seine Braut erstmal in Öl kennenlernen – ein damals weitverbreiteter Brauch.

Porträt einer jungen Frau in Flammen © Alamode Film
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Eine arrangierte Ehe zur Rettung des Familien-Vermögens

Die Ehe hat Héloises verwitwete Mutter (Valeria Golino) arrangiert, um das Vermögen der Familie zu retten. Ihre Tochter aber hat nur wenig Lust, sich der familiären Räson zu beugen. Schließlich, so erfahren wir im Verlauf des Films, hat sich bereits ihre Schwester durch einen Sprung von den Klippen einem ähnlichen Schicksal entzogen.

Ungewollter Neben-Effekt

Um dennoch zu ihrem Porträt zu kommen, gibt sich Marianne als Gesellschaftsdame aus. Auf langen Spaziergängen am Meer prägt sie sich das Gesicht der schönen Héloise ein und malt sie dann aus ihrer Erinnerung. Doch die gemeinsamen Ausflüge haben einen – ungewollten – Nebeneffekt: Die beiden jungen Frauen verlieben sich ineinander. Wird Marianne trotzdem an ihrem Auftrag festhalten und ihre Geliebte so in eine ungewollte Ehe schicken? Oder offenbart sie sich Héloise und nimmt den Kampf um eine unmögliche Liebe auf?

Zwei Schnellzüge, die aufeinander zu fahren

Die französische Regisseurin Céline Sciamma lässt in ihrem jüngsten Film zwei Schnellzüge aufeinander zufahren: Liebesgeschichten hat man im Kino schon viele gesehen, auch lesbische, aber dieses Paar – Héloise und Marianne – entwickelt eine solche Dringlichkeit, dass man als Zuschauer unbedingt dranbleiben möchte.
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Orpheus und Eurydike

Das liegt zum einen an der schieren Aussichtslosigkeit ihrer Liebe, die dem Ganzen eine tragische Dimension gibt- so wie in der griechischen Sage von Orpheus und Eurydike, auf die Sciamma immer wieder angespielt. Es liegt aber auch an vielen handwerklichen Details von der Ausstattung über die Kostüme bis hin zum Soundtrack und zum Schnitt. Vor der wunderbaren Kulisse der bretonischen Küste dekliniert Sciamma die großen Fragen der Liebe durch. Das ist vielleicht an manchen Stellen hart an der Grenze zum Kitsch, aber immer eine Augenweide!

Carsten Beyer, rbbKultur

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