Die barfüßige Gräfin, Regie: Joseph L. Mankiewicz © Studio Hamburg Enterprises GmbH
Bild: © Studio Hamburg Enterprises GmbH

Blu-ray Tipp - Die barfüßige Gräfin

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Joseph L. Mankievicz gehörte zu den ganz Großen Hollywoods und er drehte mit den größten Stars, von Liz Taylor bis Bette Davis, von Lawrence Olivier bis John Gielgud von Cary Grant bis Marlon Brando, nicht nur Historienspektakel wie "Cleopatra" oder "Julius Caesar", und die gewagte Tennessee Williams-Verfilmung" Plötzlich, im letzten Sommer". Er thematisierte auch Rolle und Ruhm der Schauspielerinnen. Sechs Jahre nach seinem mit sechs Oscars ausgezeichneten Film" Alles über Eva" befasste sich der Drehbuchautor und Regisseur noch einmal mit den Dramen und Abgründen einer Schauspielerkarriere, dieses Mal nicht am Theater, sondern im Hollywood-Studiosystem. Der mit Ava Gardner und Humphrey Bogart prominent besetzte Film "Die barfüßige Gräfin" ist jetzt in der Reihe Cinema Favourites bei Studio Hamburg erstmals in Deutschland auf Blu-ray erschienen.

Der Film beginnt mit einem traurigen Ende, in strömendem Regen auf einem kleinen Friedhof im italienischen Rapallo, mit einer Trauergemeinde unter aufgespannten Regenschirmen. Am Rande der Szene steht Humphrey Bogart ohne Schirm im Regen im berühmten Look mit Trenchcoat, Hut und müder Miene: "Mein Name ist Harry Dawes. Ich bin Filmautor und Regisseur, länger schon als mir lieb ist, mich zurückzuerinnern  Ich schrieb und inszenierte alle drei Filme, in denen Maria d'Amata  spielte. So war ich in ihrer kurzen außergewöhnlichen Karriere von Anfang bis zum Ende für Buch und Regie verantwortlich, allerdings nur im Film. Ihr kurzes außergewöhnliches Leben schrieb das Schicksal und inszenierten die Furien."

Wie ein schwerer Schatten liegen diese verhangenen Bilder, aus denen die Trauer alle Farben getilgt hat, auf der Glamour-Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Stars, die danach erzählt wird – aus der Perspektive verschiedener Trauergäste, die sich nacheinander an die Zeit mit ihr erinnern, angefangen mit Harry, der die Tänzerin auf der Suche nach einem neuen Kino-Gesicht in einem kleinen Nachtclub in Madrid entdeckt hat: Maria ist ein einfaches Mädchen aus armen Verhältnissen, das sich von den oberflächlichen Verheißungen Hollywoods nicht sonderlich beeindrucken lässt: "Kein Mann hat mich jemals kaufen können und das wird auch in Zukunft nicht möglich sein."

Ein Regisseur reflektiert seinen Beruf

Letztlich wird der jungen Frau gerade diese rebellische Integrität zum Verhängnis, weil sie jede Entscheidung für Hollywood oder für einen Mann immer aus dem Widerstand gegen Bevormundung fällt, sei es die ihrer Mutter oder eines Verehrers. Gerade weil sie so vehement auf ihre Freiheit pocht, wird sie unfrei. Der Regisseur im Film ist ein unverhohlenes Alter Ego des Regisseurs Joseph L Mankievicz., zum Beispiel wenn er Maria in die Kunst der Lichtsetzung einführt: "Eine Frau, die den Mond als Führungslicht benutzen kann … – Führungslicht, was ist denn das? – Das ist Ihr persönlicher Scheinwerfer auf der Bühne, der jede Ihrer Bewegungen begleitet, immer auf Sie gerichtet  – Wie der Mond? – Wie der Mond. Sie müssen lernen herauszufinden wo ist der Lichtkegel, der sie Sie am besten erfasst und ihre Wirkung am meisten hervorhebt, Ihre Augen, Ihre Lippen, Ihr Haar ... .”

Hollywood-Glamour und harsche Realität

Der stark von der Malerei inspirierte britische Kameramann Jack Cardiff, ein Spezialist für vieldeutige Stimmungen und gegensätzliche Welten, spiegelte den Widerspruch von überhöhtem Glamour und ernüchternder Realitität in seinen Bildern. Die fiktive Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Stars wiederum hat Mankievicz stark an das tragische Schicksal von Rita Hayworth angelehnt. Ava Gardner füllt die Rolle mit ihrer wuchtigen Präsenz, und verleiht ihr zugleich brüchige Widersprüche, zum Beispiel wenn sie darüber spricht, warum sie sich ohne Schuhe sicherer fühlt: "Als ich ein Kind war hatten wir, wie so viele kein Geld, um Schuhe für mich zu kaufen und als die Bomben fielen, während des Bürgerkriegs,  vergrub ich mich im Dreck zwischen den Ruinen, um geschützt zu sein. Im Dreck hatte ich ein Gefühl der Sicherheit. Ich hasse Schuhe, Mr Dawes, ich trage sie beim Tanzen und um mich zu zeigen, aber ich fürchte mich in Schuhen, ich fühle mich sicherer wenn ich barfuß gehe."

Das Leben muss keiner Drehbuchlogik gehorchen

Als Kenner des Filmgeschäfts und als begnadeter Dialogschreiber, gelingt es Joseph Mankievicz immer wieder, die Mechanismen der Filmentstehung und die Verstrickungen von Leben und Fiktion in elegante Worte zu fassen, in einem flirrenden Spiel zwischen romantischer Verklärung und  harschem Zynismus, zum Beispiel wenn Harry darüber sinniert, dass ein Drehbuch im Gegensatz zum echten Leben Sinn ergeben muss, was sich in der Originalstimme von Humphrey Bogart noch ein bisschen besser anhört: "Kirk was wrong, when he said, I didn’t know where movies left off and life began. The script has to make sense life doesn’t. A script has to make so much more sense than life did."

Glamour und Tragödie, die Liebe, der Tod und das Kino, zwei große Stars und ein begnadeter Regissuer: Auch wenn "Die barfüßige Gräfin" nicht der allerbeste Film aller Beteiligten ist, bereitet es doch großes Vergnügen, ihn wiederzusehen.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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