Marianne und Leonard: Words of Love © Piece of Magic/Babis Mores
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Künstlerbiografie - "Marianne und Leonard: Words of Love"

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Das Lied "So long Marianne" ist ein Klassiker – nicht nur für Fans des Singersongwriters Leonard Cohen, der vor drei Jahren mit 82 Jahren am 7. November 2016 starb. Marianne nun hat es wirklich gegeben - sie gilt bis heute als die Muse Cohens, der den Kontakt zu ihr bis zu ihrem Tod hielt.

Die Dokumentation des britischen Regisseurs Nick Broomfield erzählt von der Liebe dieser beiden, die sich 1960 das erste Mal begegneten. Leonard Cohen, der damals seinen Weg als Poet und Schriftsteller suchte, und die 20jährige Norwegerin Marianna Ihlen waren Teil einer Gemeinschaft von Künstlern und Aussteigern, die sich auf die griechische Insel Hydra zurückgezogen hatten. Als Cohen sich nach Jahren auf Hydra entschied, nach Kanada zurückzugehen und an seiner Karriere als Musiker zu arbeiten, 1967 dann sein erstes Album mit u.a. dem Song "So long, Marianne" veröffentlichte, waren sie schon kein richtiges Paar mehr.

Marianne und Leonard: Words of Love © Piece of Magic/Aviva Layton
Bild: Piece of Magic/Aviva Layton

Die Einzigartigkeit dieser Liebe

Was genau Marianne auszeichnete, vermag uns diese Dokumentation nicht vermitteln. Doch begreift man, dass sie für Leonard Cohen in den Anfängen seines Musikerlebens sehr wichtig war. Sie war seine Muse und inspirierte ihn zu diversen Songs wie "So long, Marianne" oder auch "Bird on a Wire". Allerdings - so hat man den Eindruck - erholte Cohen sich schnell von der Trennung und fand neue Inspiration durch andere Frauen. Während Marianne in Norwe-gen eine Familie gründete und als Sekretärin arbeitete, machte Leonard Cohen Weltkarriere.

Wir sehen Marianne als junge Frau auf dem Boot, mit ihrem kleinen Sohn, inmitten der Künstler-Community, es gibt Fotos von ihr mit Leonard Cohen - unveröffentlichtes Material, das der New Yorker Dokumentarfilmer D.A. Pennebaker damals gedreht hat als er auf Hydra war. Es ist nicht viel und da Nick Broomfield diese Bilder mehrfach verwendet, unterstreicht er letztlich die Dürftigkeit seiner Ausgangslage. Wir sehen einen Ausschnitt aus einem Konzert in dem Cohen sagt, "I hope she is here" und eine späte Konzertaufnahme in der die gealterte Marianne vorne steht und mitsingt. Und dann gibt es diese doch voyeuristischen Aufnahmen an ihrem Sterbebett, als man ihr eine Mail von Cohen vorliest: Sie sei ihm wenige Schritte voraus, er werde ihr bald folgen. Und tatsächlich starb Leonard Cohen nur drei Monate nach ihr. Für den Regisseur scheint genau diese Szene der Beleg für die Einzigartigkeit dieser Liebe zu sein.

Marianne und Leonard: Words of Love © Piece of Magic/Axel Jensen Jr
Bild: Piece of Magic/Axel Jensen Jr

Musik und Marianne kommen zu kurz

Nick Broomfield macht Dokumentarfilme seit den 70er Jahren. Die Besonderheit bei ihm: er bringt sich selbst in die Geschichten mit ein. So auch in dieser Doku: da stellt er sich gleich als ehemaliger Geliebter von Marianne vor – auch er war nämlich in den 60er Jahren auf Hydra. Sie sei diejenige gewesen, so erzählt Broomfield, die ihn zum Filmemachen ermuntert habe. In gewisser Weise also war sie auch seine Muse.

Irgendwann kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Broomfield diese Beziehung als Vorwand nimmt für einen Film über Leonard Cohen, ohne uns wirklich Neues zu erzählen. Weil es keine Bilder gibt, wendet er sich von der bürgerlich gewordenen Marianne ab und dem prominenten Sänger zu. Cohen unter Drogen, Cohen und die Frauen, die ihn alle wollen, den Mann mit den traurigen Augen, der tiefen Stimme und den melancholischen Songs. Wir sehen ihn im Kloster, erleben seine Rückkehr auf die Bühne als alter Mann.

Nicht nur Marianne, auch die Musik auf die man sich nun wirklich gefreut hätte, kommt viel zu kurz. Stattdessen – und das hat durchaus auch viel Schönes - taucht man ein in die Zeit der 60er, 70er Jahre. Die hier allerdings nur als Kulisse für eine Liebe dient, die sich mir nicht erschlossen hat.

Christine Deggau, rbbKultur

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