"Marriage Story", Regie: Noah Baumbach; von links: Adam Driver, Azhy Robertson, Scarlett Johansson © dpa / Netflix / Everett Collection
Bild: dpa / Netflix / Everett Collection

Tragikomödie - "Marriage Story"

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Trennungen gehen an die Substanz und erst recht, wenn es dabei auch noch zu einem Sorgerechtsstreit um gemeinsame Kinder kommt. Auch der Regisseur Noah Baumbach, bisher vor allem für sehr amüsante Filme über Liebe und Existenzkämpfe der Twenty und Thirty Somethings gedreht hat ist jetzt im Zeitalter schmerzhafter Trennungen angekommen. Sein neuer Film heißt "Marriage Story" und ist mit Adam Driver und Scarlett Johansson prominent besetzt.

Es geht um die Liebe und was daraus wird, wenn man sich trennt, selbst dann, wenn man fest entschlossen ist, freundschaftlich auseinander zu gehen. Der Film beginnt als funkelnde romantische Komödie über zwei junge, attraktive, kreative Menschen, Nicole und Charlie, sie ist Schauspielerin, er Regisseur. Unter dem Motto, "was ich an ihr/an ihm liebe", schwärmen die beiden voneinander, sie beschreiben kleine liebenswürdige Eigenheiten, aber auch die kleinen Macken, die man liebt. Dazu im Bild eine Abfolge zauberhaft alltäglicher Beziehungsmomente aus dem mehrjährigen Leben des Paares, die irgendwann Eltern eines inzwischen achtjährigen Jungen wurden. In ein paar kurzen Szenen haben sich die beiden in die Zuschauerherzen eingeschlichen. Doch dann, ein Schnitt und es wird klar, die zwei sitzen auf der Couch eines Scheidungsmoderators, der ihnen die Aufgabe gestellt hat, noch mal alles aufzuschreiben was sie am anderen schätzen. Die Liebe ist vorbei, es geht an die Scheidungsverhandlungen.

Eine Trennungsgeschichte

Man kennt wüste Scheidungskriege im Kino, von Filmen wie "Der Rosenkrieg" mit Michael Douglas und Kathleen Turner oder "Kramer gegen Kramer" mit Dustin Hoffmann und Meryl Streep. Auch in "Marriage Story" gibt es Momente, in denen in der Hitze des Gefechts furchtbare Sachen gesagt werden. Aber alles in allem ist die Grundstimmung eher wehmütig, und vor allem überhaupt nicht zynisch. Es geht eher um die traurige Erkenntnis, dass man mit dem Menschen, den man mal sehr geliebt hat, plötzlich verfeindet ist, angeheizt von den Anwälten die sehr schnell  kriegerische Züge in den Sorgerechtsfall und die Trennungsmodalitäten bringen. Wie in allen Filmen von Noah Baumbach geht es über das konkrete Fallbeispiel um größere Themen, wie die Geschlechterverhältnisse, um das Arbeitsverhältnis zwischen einem Mann als Regisseur und einer Frau als Schauspielerin. Und um die Verarbeitung des Lebens in der Kunst. Auf beiläufig kunstvolle Weise fängt der Film die ganze Komplexität des Lebens ein.

"Marriage Story": Scarlett Johansson (l) als Nicole und Adam Driver als Charlie © dpa / Netflix / Wilson Webb
Bild: dpa / Netflix / Wilson Webb

Das wahre Leben

Der Mann im Film ist Theater-Regisseur, die Frau Schauspielerin, das klingt ein bisschen so als würde der Regisseur Noah Baumbach hier auch von seiner Beziehung zu der Schauspielerin Greta Gerwig erzählen. Baumbachs Filme sind generell aus seiner Wahrnehmung und Wirklichkeit gespeist. Doch auf fiktivisierte Weise geht es hier eher um Noah Baumbachs Ehe mit der Schauspielerin Jennifer Jason Leigh und deren Trennung, aber auch Noah Baumbach selbst ist ein Scheidungskind. Es gibt viele Gründe dass er sich Gedanken über diese Phase des Lebens gemacht hat, die viele Menschen aus verschiedenen Perspektiven erleben, er hat mit vielen Leuten darüber geredet, und all diese kleinen Puzzlesteine des Lebens dann in ein fiktives, kunstvolles und zugleich wahrhaftiges Drehbuchgerüst verwandelt.

Schauspieler-Chemie

Man kann sich gut vorstellen, dass die oscarnominierten Stars Scarlett Johansson und Adam Driver, tatsächlich mal zusammen waren. Beide sind Schauspieler, die auch große Mengen Dialog rasant, schlagfertig und selbstverständlich meistern, Adam Driver (gerade auch in dem Politthriller "The Report" zu sehen, wo er diese Fähigkeit ebenfalls glorios einsetzt ) hat bereits in mehreren Filmen von Baumbach gespielt. Es wurde exzessiv geprobt und sehr viel gedreht, damit das wirklich aussieht wie das echte Leben, obwohl es genauestens geplant, geschrieben und choreografiert ist. Alles in allem ist "Marriage Story" ein tiefgründiger Film, zugleich Familien- und Screwball-Komödie, Familien- und Gerichtsdrama mit kleinen Musicaleinlagen, ein Film, der auch Scheidungsgeschichte heißen könnte, von Noah Baumbach aber ganz bewusst als Liebesgeschichte erzählt ist.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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